Opiat

Schlafmohn, Papaver somniferum, aus dessen Milch Opiate gewonnen werden

Opiate sind eine uneinheitlich definierte Stoffgruppe. Klassisch wurden als Opiate opiumhaltige Arzneimittel, wie beispielsweise Opiumtinktur, bezeichnet.[1][2] Später wurde der Begriff auch auf Arzneimittel aus Opiumalkaloiden ausgedehnt.[3] In der modernen Pharmakologie wird der Begriff meist für Opiumalkaloide und die von ihnen abgeleiteten halbsynthetischen und nichtpeptidischen Arzneistoffe verwendet.[4] Andere Definitionen sehen den Opiatbegriff als Synonym für Opioide, zu denen neben den Opiumalkaloiden auch andere natürlich vorkommende Opioide sowie halbsynthetische und vollsynthetische Stoffe mit morphinartigen Eigenschaften zählen.[5] Betäubungsmittelrechtlich wird der Begriff Opiat insbesondere im Zusammenhang mit der Opiatabhängigkeit[6] für Opioide mit einem Abhängigkeitspotential verwendet. Im weitesten Sinn wird der Begriff Opiat auch als umgangssprachliches Synonym für Betäubungsmittel im Allgemeinen genutzt.

Morphin ist das älteste und relevanteste Opiat und gilt in der Schmerztherapie als Referenzsubstanz, an der die schmerzstillende Wirkung der anderen Opioide gemessen wird: Eine therapeutische Potenz von 2 bedeutet beispielsweise, dass man nur die Hälfte der Dosis braucht, die bei Verwendung von Morphin erforderlich wäre. Von den Opiaten ist Morphin nach wie vor das relevanteste, jedoch haben in den letzten Jahren verstärkt andere Opioide (z.B. Oxycodon, Hydromorphon, Fentanyl) in der Schmerzmedizin an Bedeutung gewonnen. Ein weiteres Opiat, Codein, dient dagegen überwiegend der Unterdrückung des Hustenreizes (Antitussivum). Verschiedene Opiate unterliegen den rechtlichen Vorschriften für Betäubungsmittel.

Einzelnachweise

  1.  Pierer's Universal-Lexikon. 12 Auflage. Altenburg 1861, S. 313-314 (http://www.zeno.org/nid/20010557245).
  2.  Meyers Großes Konversations-Lexikon. 15 Auflage. Leipzig 1908, S. 77 (http://www.zeno.org/nid/20007186495).
  3.  Otto Dornblüth: 13/14 Auflage. 1927 (http://www.textlog.de/17124.html).
  4.  Klaus Aktories, Ulrich Förstermann, Franz Bernhard Hofmann, Klaus Starke (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie: Begründet von W. Forth, D. Henschler, W. Rummel. 10 Auflage. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2009, ISBN 3437425226, S. 230.
  5.  Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Lutz Hein: Pharmakologie und Toxikologie: Arzneimittelwirkungen verstehen - Medikamente gezielt einsetzen. 17 Auflage. Thieme, Stuttgart 2010, ISBN 3133685171, S. 294-308.
  6. §5 BtMVV

Literatur

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