Policresulen

Strukturformel
Struktur von Policresulen
Allgemeines
Name Policresulen
Andere Namen
  • IUPAC: Methylenbis (2-hydroxy-p-toluol sulfonsäure)polymer
  • Latein: Policresulenum
CAS-Nummer 101418-00-2
PubChem

3050404

ATC-Code

G01AX03

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Antiseptikum, Hämostyptikum

Verschreibungspflichtig: Nein
Monomer
Monomer m-Kresolsulfonsäure
Summenformel C8H9O4S(C8H8O4S)nC7H7O4S
Molare Masse 200,21 g·mol−1 (repetierende Einheit)
Eigenschaften
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
EUH: siehe oben
P: siehe oben
Gefahrstoffkennzeichnung [2]
Keine Einstufung verfügbar
R- und S-Sätze R: nicht bekannt
S: nicht bekannt
Bitte beachten Sie die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Policresulen ist ein antiseptisch wirkender Arzneistoff. Es ist ein Polykondensationsprodukt, das aus methylenüberbrückten m-Kresol-Sulfonsäuren unterschiedlicher Kettenlänge besteht.

Wirkungsweise

Die Wirksamkeit von Policresulen beruht auf drei teilweise synergetischen Wirkmechanismen:

  • Antimikrobielle Wirkung auf Bakterien, Pilze und Protozoen durch die hohe Azidität (Säurecharakter) und Denaturierung.
  • Denaturierung bei abgestorbenem und krankhaft verändertem Gewebe.

Durch eine spezifische Koagulation von pathologisch veränderten oder nekrotischen Geweben wird eine Denaturierung erreicht. Durch die Koagulation und Eliminierung abgestorbener Gewebeteile werden Wundheilungsvorgänge angeregt und die Reepithelisierung gefördert. Gesundes Gewebe wird kaum angegriffen. Im Detail führt der Kontakt zu nekrotischen Geweben zu einer Aufquellung von Plasma und Kern und anschließender Schrumpfung der Zelle.

  • Hämostypische Wirksamkeit durch Koagulation von Bluteiweiß und starke Gefäßkonstriktion.

Pharmakokinetik

Policresulen wird ausschließlich lokal angewandt. Pharmakokinetische Daten wurden nicht ermittelt. Daher ist über die Resorption von Policresulen nichts bekannt.

Anwendungsgebiete

Aufgrund seiner vielfältigen Wirkeffekte ergeben sich ähnlich vielfältige Anwendungsmöglichkeiten.

Zahnmedizin

  • Örtliche Behandlung von ulzerösen Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches (z.B. Bläschen, Aphthen, ...)

Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde

  • Blutstillung nach Operationen (z. B. Mandeloperation) und bei Nasenbluten.

Chirurgie und Hautheilkunde

  • Zur beschleunigten Abstoßung abgestorbenen Gewebes nach Verbrennungen, Reinigung und Anregung der Heilung (z. B. nach kleinflächigen Verbrennungen, Ulcus cruris venosum, Dekubitus, bei chronisch entzündlichen Prozessen und bei Feigwarzen u. ä.)
  • Blutstillung bei Sickerblutung und Behandlung von entzündlichen, blutenden Prozessen (z. B. Hämorrhoiden); auch in Kombination mit dem Lokalanästhetikum Cinchocain.

Frauenheilkunde

  • Lokale Behandlung von Gebärmutterhalsentzündungen und Entzündungen der Scheide bzw. Infektionen und Gewebsdefekten sowie von Feigwarzen u.ä.
  • Lokale Behandlung von Portioektopie
  • Blutstillung nach Biopsie und Entfernung von Gebärmutterpolypen.
  • Chlamydieninfektion des unteren Urogenitaltraktes
  • Kandidose (Pilzinfektion) der Vulva und der Vagina
  • Trichomoniasis urogenitalis

Veterinärmedizin

  • Desinfizienz und Adstringens für Pferd, Rind, Schaf, Ziege und Hund.

Darreichungsformen

Policresulen gibt es in flüssiger Form (Lösung), als Vaginalzäpfchen, sowie als Gel für die Veterinärmedizin.

Handelsnamen

Monopräparate
Albothyl (D), Negatol (CH), Lotagen ad us. vet. (D)
Kombinationspräparate
mit Cinchocain: Faktu (CH)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. In Bezug auf ihre Gefährlichkeit wurde die Substanz noch nicht eingestuft, eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  2. In Bezug auf ihre Gefährlichkeit wurde die Substanz noch nicht eingestuft, eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
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