Polydimethylsiloxan

Strukturformel
Struktur von Polydimethylsiloxan
Allgemeines
Name Polydimethylsiloxan
Andere Namen
  • Dimeticon (INN)
  • Dimethylpolysiloxan
  • E 900
  • DIMETHICONE (INCI)
CAS-Nummer 63148-62-9
ATC-Code

D02AA01

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Karminativum, Pedikulozid

Verschreibungspflichtig: Nein
Monomer
Monomer Dimethylsiloxan
Summenformel C2n+6H6n+18On+1Sin+2
Molare Masse 74,15 g·mol−1 (repetitive Einheit)
Eigenschaften
Dichte 0,98 g·cm−3[1]
Schmelzpunkt kein Schmelzpunkt; Glasübergang bei −120 °C
Löslichkeit

praktisch unlöslich in Wasser[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: 413
EUH: keine EUH-Sätze
P: keine P-Sätze [1]
Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Gefahrensymbole
R- und S-Sätze R: keine R-Sätze
S: keine S-Sätze
Bitte beachten Sie die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Polydimethylsiloxan (PDMS) ist ein Polymer auf Siliziumbasis, ein Silikon. Es ist farblos, durchsichtig und gilt als ungiftig und chemisch inert. Unter der Bezeichnung Dimeticon (INN) wird es als Arzneistoff gegen Gasansammlungen im Magen-Darmtrakt, als Entschäumer bei Tensidvergiftungen, als Pedikulozid (d. h. gegen Kopfläuse), zur Gleitbeschichtung beim Großteil aller verkauften Kondome[2][3] und für Kosmetikprodukte verwendet.

Chemie

Die Formel für PDMS ist (H3C)3SiO[Si(CH3)2O]nSi(CH3)3, mit n der Anzahl der repetitiven Monomer-Einheiten [SiO(CH3)2].

Medizinische Verwendung

Entschäumer

Dimeticon wird als entblähendes, antiflatulentes Mittel bei Gasansammlungen im Magen-Darm-Kanal (Blähbauch, Tympanien, Meteorismus, Roemheld-Syndrom), zur Reduzierung störender Gasansammlungen bei Röntgen, Endoskopie- und Ultraschalluntersuchungen sowie als Entschäumer bei Vergiftungen mit Tensiden angewendet.

Dimeticon ist eine langkettige organische Siliciumverbindung, die im Magen-Darm-Kanal rein physikalisch die Oberflächenspannung von eingeschlossenen Gasblasen senkt und diese dadurch auflöst. Die Gase können dadurch im Darm resorbiert werden oder natürlich abgehen. Eine Resorption oder chemische Reaktion des Mittels findet im Körper nicht statt, es ist inert und wird nach der Darmpassage unverändert ausgeschieden.

Nebenwirkungen sind bislang nicht beobachtet worden.

Pedikulozid

Nach randomisierten klinischen Studien wirkt eine Dimeticon-Lösung auch gegen Kopfläuse.[4][5][6][7]

Es werden zwei pedikulozide Wirkungsweisen diskutiert: Erstickungstod durch Eindringen des Dimeticon in die Tracheen der Läuse und Herzstillstand, denn durch das Aufweichen des Chitinpanzers kann das Herz nicht mehr kontrahieren, da es an dem Chitinpanzer befestigt ist.

Nebenwirkungen sind bislang nicht beobachtet worden. Allerdings ist das Haar nach der Anwendung von 4%-Dimeticon-96%-Cyclometicon-Kombinationsmitteln kurzzeitig leicht entflammbar, was in Einzelfällen zu schweren Verbrennungen führen kann.[8]

Verwendung als Lebensmittelzusatzstoff

Polydimethylsiloxan ist als Lebensmittelzusatzstoff in der Gruppe der Schaumverhüter zugelassen (E 900). Es wird in der Lebensmittelindustrie bei der Herstellung von Konfitüren, Marmeladen, Obst- und Gemüsekonserven sowie (Frittier)Fetten eingesetzt.[9]

Technische Anwendung

Neben der medizinischen Anwendung spielt PDMS eine wichtige Rolle in der Technik als:

  • Schmierstoff, z. B. bei Kondomen zur Gleitbeschichtung
  • Wärmeträgeröl
  • Adsorptionsmittel in der analytischen Chemie, z. B. bei der Festphasenmikroextraktion oder der Stir Bar Sorptive Extraction
  • Stempel in der Polymerelektronik

Handelsnamen

Substanz

Baysilon

Arzneimittel und Medizinprodukte
Monopräparate

Ceolat (D), Ilio-Funktion (D), EtoPril, Hedrin, Itax, Jacutin Pedicul Fluid, Nyda, Paramitex

Kombinationspräparate

Hevert Enzym comp. (D), Pankreoflat (D)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Eintrag zu Polydimethylsiloxan in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 25. Dezember 2012 (JavaScript erforderlich).
  2. http://scienceandjusticejournal.com/article/S1355-0306(08)00065-8 (benötigt Cookies)
  3. http://ncjrs.gov/App/publications/Abstract.aspx?id=153531
  4. Burgess, I.F. et. al. (2005): Treatment of head louse infestation with 4% dimeticone lotion: randomised controlled equivalence trial. In: B.M.J. Band 330, Seite 1423. PMID 15951310 PDF.
  5. Burgess IF et al. (2007): Randomised, controlled, assessor blind trial comparing 4% dimeticone lotion with 0.5% malathion liquid for head louse infestation. In: PLoS ONE. Band 2, Seite 1127. PMID: 17987114 PDF.
  6. Feldmeier H. (2006): Pediculosis capitis, Die wichtigste Parasitose des Kindesalters. In: Kinder- und Jugendmedizin. Nummer 4, Seiten 249–259. PDF.
  7. DAZ Nr. 6/ Februar 2009.
  8. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Entflammbarkeitsrisiko von Dimethicon und Cyclomethicon haltigen Antiläusemitteln. (BfArM-Pressemitteilung vom 12. Januar 2009).
  9. Eintrag zu Dimethylpolysiloxan bei zusatzstoffe-online.de
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