Priel

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Priel (Begriffsklärung) aufgeführt.
Prielwurzel im Sahlenburger Watt bei Cuxhaven, mit Blick auf die Insel Neuwerk.
Großer Priel: Süderpiep vor der Büsumer Küste bei niedrigstem Wasserstand, im Hintergrund der Wattsockel.
Priele zwischen den Inseln Nigehörn (links) und Scharhörn

Ein Priel ist ein natürlicher, oftmals mäandrierender Wasserlauf im Watt und in der Marsch. Er kann die Fortsetzung eines Flussarms von Land auf dem Wattenmeer sein oder aber verschiedene bei Niedrigwasser voneinander getrennte Meeresteile miteinander verbinden. Tiefe, auch bei Niedrigwasser noch beschiffbare, Priele werden regional Baljen oder Balgen genannt. Der seichte, zeitweilig trocken fallende Oberlauf eines Priels wird Wattrinne genannt.

Nach der Eindeichung des Wattlands werden Priele typischerweise zur Entwässerung des eingedeichten Lands, des Koogs, genutzt. Die dabei angelegten Entwässerungsgräben nennt man Sloot oder Grüppen.

Formen

Priele im Sandwatt verlaufen meist relativ geradlinig, während Priele im Schlickwatt oft stark mäandrieren.[1]

Lebensraum

Die Priele des Wattenmeers der Nordsee bilden nicht nur einen Lebensraum für die allgegenwärtigen Nordseegarnelen, sondern auch für diverse Fischarten. Die Individuendichte nimmt dabei generell vom offenen Meer zur Küste hin zu, ebenso wie sie in und bei Flussmündungen besonders hoch ist. In allen Prielen vorhanden sind Scholle und Sandgrundel, einige andere Arten haben sich jedoch auf bestimmte Priele und Prielabschnitte spezialisiert. So finden sich in den flachen Prielen und Prielwurzeln vor allem Fische, die der Tidenwanderung folgen und bei Hochwasser auf das Watt ausschwärmen, hier finden sich die typischen Wattenmeerarten. Die tieferen Priele bilden einen Übergangsbereich zur offenen Nordsee.[2]

Typische Priellebensräume sind ästuargeprägte Priele in der Nähe von Flussmündungen, Sandwattpriele und zwei verschiedene Arten der Mischwattpriele. Auf dem Sandwatt hat die Sandgrundel ihre größte Ausbreitung, aber auch Arten wie Kleiner Sandaal und Glattbutt kommen hier verstärkt vor. In Ästuarnähe kommen vor allem typische Flussmündungsbewohner vor, wie Stint, Finte und ebenfalls die Sandgrundel. Der Mischwatttyp, der weit entfernt von Flussmündungen liegt, hat eine hohe Anzahl von Arten, aber geringe Individuenmengen und signifikant andere Arten als in den Flussmündungen. Hier kommen beispielsweise eher Aalmuttern vor. Zwischen den Ästuaren und den entfernter liegenden Mischwatttypen treten Zwischenbereiche auf, die mehr Individuen aber weniger Arten als die reinen Mischwattbereiche aufweisen und Übergangsphänomene vom Mündungsbereich zum reinen Watt aufweisen.[2]

Mensch und Priel

Priele im Watt vor Scharhörn

Während Priele als Fahrwasser für die Schifffahrt für die Küstenorte am Wattenmeer unentbehrlich sind, stellen sie für Wattwanderer eine ernstzunehmende Gefahr dar, die jedes Jahr mehrere Tote fordert. Im Gegensatz zur Einschätzung vieler Touristen füllt sich das Wattenmeer bei Flut nicht gleichmäßig, sondern die Priele laufen zuerst voll. Rinnen, die bei niedrigerem Wasserstand nur wenige Zentimeter tief waren, können sich in wenigen Minuten zu veritablen Flüssen auswachsen. Priele weisen aufgrund ihrer oftmals großen Wassermengen hohe Fließgeschwindigkeiten auf, die selbst beste Schwimmer überfordern.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Priele – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference
Wiktionary Wiktionary: Priel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Petra Witez: Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben MTK 0608 (03 KIS 3160): Programme zur langfristigen Erhaltung des Wattenmeers - Prowatt. Hrsg. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung Laboe 2002 S.12
  2. 2,0 2,1 Peter Breckling: "Lebensraum für Fische" in: Umweltbundesamt und Nationalparkverwaltungen Niedersächsisches Wattenmeer/Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (Hrsg.): "Umweltatlas Wattenmeer. Bd. 1, Nordfriesisches und Dithmarsches Wattenmeer; Eugen Ulmer, Stuttgart 1998/1999, ISBN 3-8001-3491-8 S. 110-111

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