Sitzwarte

Eisvogel auf einer Sitzwarte

Sitzwarten sind erhöhte Positionen, die verschiedene Tiere zum artgerechten Leben benötigen. Viele Vogelarten, aber auch eine Reihe von Reptilien und Insekten sind auf Sitzwarten angewiesen. Diese werden vor allem für die Jagd (Ansitzjagd) benötigt, spielen bei verschiedenen Arten aber auch beim Imponierverhalten eine Rolle, bei Vögel beispielsweise als Singwarte.

Beschreibung

Im Winter erbeuten Turmfalken ihre Nahrung überwiegend von Sitzwarten aus.

Sitzwarten zeichnen sich durch ihre exponierte Lage aus. Das Tier hat die Möglichkeit stehend, sitzend oder liegend von der erhöhten Position aus relativ ungefährdet ein bestimmtes Gebiet zu überschauen. Hierdurch wird viel Energie gespart, die beim Herumwandern oder Fliegen zur Erreichung des gleichen Ziels nötig wäre.

Form und Lage einer Sitzwarte hängen wesentlich von artspezifischen Bedürfnissen ab, sie sind Teil der Ökologischen Nische des Tieres. Ein und dieselbe Warte kann daher von verschiedenen Arten in unterschiedlicher Weise genutzt werden. Sitzwarten haben meist eine erhebliche Bedeutung für Ernährung und Fortpflanzungserfolg eines Tieres, weshalb Individuen unterschiedlicher Arten wie auch Individuen derselben Art oft um diese Plätze konkurrieren.

Beispiele:

  • Allgemein benutzen Vögel Baumkronen, exponierte Äste von Bäumen und Stauden, Felsen, Mauern, Zäune, Pfähle, Lampenmasten und Ähnliches als Sitzwarten. Oft sind es dieselben Gewächse, z. B. Hecken und Dornengebüsche wie z. B. Weiß-, Schwarzdorn und Brombeere, die in ihrem Inneren dem Nestbau dienen, andererseits mit ihren ausladenden Ästen Sitzwarten für die Insekten jagenden Vögel bieten.
  • Braunkehlchen bevorzugen 10–20 cm über die übrige Vegetation hinausragende Warten. Wie alle Bodenbrüter meiden sie jedoch Gebiete als Brutgebiete, in denen allzu viele Sitzwarten vorhanden sind, da hier die Gefahr von stärkeren Ansitzjägern zu groß wäre.

Kulturelle Einflüsse

Bedingt durch die Umformung von Landschaften gingen viele als Sitzwarten geeignete Positionen der Natur verloren, was neben anderen Faktoren zu einem Zurückdrängen oder Aussterben von Arten beitrug. Andererseits schafft der Mensch Kulturlandschaften und Siedlungsräume, wodurch neue Sitzwarten entstehen, die Kulturfolgern die Möglichkeit bieten sich auszubreiten.

Beispiele:

  • In Reblandschaften dienen Wingertpfähle vielen Vögeln als Sitzwarten.
  • Stare und Schwalben sammeln sich häufig auf Telefon- oder Mittelspannungsleitungen.
  • Möwen und andere Seevögel benutzen die Aufbauten von Schiffen als Sitzwarten, von denen aus sie fischen.

Naturschutz

Die Erhaltung dezimierter oder vom Aussterben bedrohter Vogelarten wie beispielsweise der Neuntöter, der Raubwürger oder der Bergpieper erfordern neben anderen Maßnahmen die Anlage von Sitzwarten. Steinschmätzer, die in felsigen Gebieten leben, bevorzugen Steinschüttungen, in die eine 0,5 bis 1 Meter hohe Holzstange eingelassen ist.

Im Winter erbeuten Turmfalken ihre Nahrung überwiegend von Sitzwarten aus. Wo diese im Ackerland fehlen, sind Turmfalken allein auf die Kräfte zehrende Flugjagd angewiesen. Mit einfach konstruierten „Sitzkrücken“, die über eine größere Fläche verteilt werden, lassen sich Ackerlandschaften als Jagdgebiet für Turmfalken erschließen. Besonders im Winter werden diese Hilfen von Turmfalken – ebenso wie von Eulen und Mäusebussarden – angenommen.

Großvögel wie Schwarzstorch, Uhu, und Milane sitzen häufig auf Hochspannungsleitungen und den zugehörigen Masten. In Abstimmung zwischen Naturschutzorganisationen und Elektrizitätsversorgungsunternehmen werden Abdeckhauben angebracht und spannungsführende Teile mit isolierendem Material versehen.

Quellen und Weblinks

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