Syrischer Steinbock

Syrischer Steinbock
Syrischer Steinbock (Capra nubiana)

Syrischer Steinbock (Capra nubiana)

Systematik
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
Gattung: Ziegen (Capra)
Art: Syrischer Steinbock
Wissenschaftlicher Name
Capra nubiana
Cuvier, 1825
Syrischer Steinbock in der Negev-Wüste

Der Syrische Steinbock oder Nubische Steinbock (Capra nubiana) ist eine auf der Arabischen Halbinsel und im nordöstlichen Afrika lebende Paarhuferart. Er ist nahe mit dem Alpensteinbock verwandt und wird oft als dessen Unterart geführt.

Merkmale

Verglichen mit Alpensteinböcken sind Syrische Steinböcke deutlich kleiner und heller. Sie erreichen eine Kopfrumpflänge von 105 bis 125 Zentimeter, wozu noch ein 15 bis 20 Zentimeter langer Schwanz kommt. Ihre Schulterhöhe beträgt 65 bis 75 Zentimeter und ihr Gewicht 25 bis 70 Kilogramm, wobei die Männchen deutlich schwerer als die Weibchen werden. Ihr Fell ist an der Oberseite sandfarben und an der Unterseite heller, nahezu weiß, gefärbt. Charakteristisch ist eine schwarze Zeichnung an den Vorderbeinen und am Rücken und ein dunkler Bart. Während der Brunftzeit verfärben sich bei den Männchen Nacken, Brust, Schultern und Flanken dunkelbraun bis schwarz.

Beide Geschlechter tragen Hörner, wie bei allen Ziegen sind die der Männchen allerdings deutlich größer. Bei den Weibchen erreichen sie maximal 35 Zentimeter und sind vergleichsweise dünn, bei den Männchen können sie bis zu 1,2 Meter lang werden und sind weit nach hinten gebogen.

Verbreitung und Lebensraum

Syrische Steinböcke sind auf der Arabischen Halbinsel und im nordöstlichen Afrika beheimatet. Auf der Arabischen Halbinsel kommen sie in Israel, Jordanien, Saudi-Arabien, Jemen und Oman vor, in Syrien und im Libanon sind sie ausgestorben. In Nordostafrika bewohnen sie die Rotmeerküste Ägyptens, des Sudans und Eritreas. Allerdings ist ihr Lebensraum stark zersplittert und fragmentiert. Lebensraum dieser Tiere sind felsige Wüstenregionen.

Lebensweise

Männlicher Steinbock

Syrische Steinböcke sind im Gegensatz zu vielen anderen wüstenbewohnenden Tieren nicht nachtaktiv und auf regelmäßiges Trinken angewiesen. In den Sommermonaten verbringen die Tiere die Nacht in offenem Gelände, im Winter suchen sie dazu Höhlen oder Überhänge auf. Sie sind Pflanzenfresser, die sich von Gräsern, Kräutern und anderem ernähren.

Weibchen leben in Gruppen von 10 bis 20 Tieren mitsamt ihrem Nachwuchs bis zum Alter von drei Jahren. Männchen leben die meiste Zeit über in Junggesellengruppen oder einzelgängerisch. In der Paarungszeit, meist im Oktober, suchen die Böcke Anschluss an eine Weibchenherde und kämpfen mit anderen Männchen heftig um das Paarungsvorrecht.

Nach einer rund fünfmonatigen Tragzeit bringt das Weibchen meist im März ein bis zwei Jungtiere zur Welt. Diese bleiben bis zum Alter von rund drei Jahren bei ihrer Mutter. Im gleichen Alter werden sie geschlechtsreif, aufgrund der Sozialstruktur erfolgt die erste Fortpflanzung oft erst einige Jahre später.

Bedrohung

Hauptbedrohung des Syrischen Steinbocks sind die Bejagung und die Wilderei, hinzu kommt die Verdrängung aus ihren Lebensräumen durch Hausziegen, Kamele oder verwilderte Esel. In einigen Ländern wie Israel und Saudi-Arabien sind sie vollständig geschützt, wobei die Umsetzung der Schutzmaßnahmen oft nur mangelhaft geschieht. In vielen Ländern sind die Populationen auf wenige Tiere abgesunken, aktuelle Zahlen gibt es jedoch nicht. Die IUCN führt die Art als gefährdet (vulnerable).

Systematik

Syrische Steinböcke

Der Syrische Steinbock ist nahe mit dem Alpensteinbock verwandt, gemeinsam mit dem Sibirischen Steinbock werden diese drei Populationen oft zu einer Art zusammengefasst. Andere Steinböcke wie der Iberische oder der Äthiopische Steinbock stehen ihnen hingegen nicht so nahe und sind allgemein als getrennte Arten anerkannt. Ob der Syrische Steinbock als eigene Art (Capra nubiana) oder Unterart des Gewöhnlichen Steinbocks (als Capra ibex nubiana) gilt, ist Definitionsfrage; die Systematik hier folgt Wilson & Reeder (2005) und führt ihn als eigene Art.

Literatur

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, 1999 ISBN 0-8018-5789-9
  • D. E. Wilson, D. M. Reeder: Mammal Species of the World. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2005. ISBN 0-8018-8221-4

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