Trinukleotiderkrankungen

Als Trinukleotid-Repeat-Erkrankungen werden erbliche Krankheiten zusammengefasst, deren gemeinsame Mutationsgrundlage eine intragenische Expansion aus Basentripletts bestehender DNA-Sequenzen ist („Expansionserkrankung“). Diese Wiederholungen zeigen ein instabiles Vererbungsmuster und sind aufgrund großer Variabilität ihrer Gewebeverteilung für die unterschiedlich starke Symptomausprägung in den einzelnen Krankheitsbildern verantwortlich.

Anhand der aus den Basentripletts codierten Aminosäuresequenzen lassen sich die Trinukleotiderkrankungen in zwei Gruppen unterteilen.

Polyglutaminerkrankungen

Bei den Polyglutaminerkrankungen besteht das repetitive Codon aus der Sequenz CAG und codiert bei der Translation für die Aminosäure Glutamin.

Polyglutamin Erkrankungen[1]
Typ Gen-Produkt Repeat-Lokation Normale Repeat-Länge Pathogene Repeat-Länge
Chorea Huntington (HD) Huntingtin (HDD) N-Terminal 6–34 36–121
Dentatorubro-Pallidoluysische Atrophie (DRPLA) Atrophin N-Terminal 7–34 49–88
Spinobulbäre Muskelatrophie Typ Kennedy (SBMA) Androgen-Rezeptor N-Terminal 9–36 38–62
Spinozerebelläre Ataxie Typ 1 (SCA1) Ataxin 1 (ATXN1) N-Terminal 6–44 39–82
Spinozerebelläre Ataxie Typ 2 (SCA2) Ataxin 2 (ATXN2) N-Terminal 15–24 32–200
Spinozerebelläre Ataxie Typ 3 (Machado-Joseph-Krankheit, SCA3) Ataxin 3 (ATXN3) C-Terminal 13–36 61–84
Spinozerebelläre Ataxie Typ 6 (SCA6) CACNA1A C-Terminal 4–19 10–33
Spinozerebelläre Ataxie Typ 7 (SCA7) Ataxin 7 (ATXN7) N-Terminal 4–35 37–306
Spinozerebelläre Ataxie Typ 17 (SCA17) TBP 25–42 47–63

Nichtpolyglutaminerkrankungen

Unter den Nichtpolyglutaminerkrankungen wird eine heterogene Gruppe von Trinukleotdiderkrankungen mit unterschiedlichen Tripletts zusammengefasst. Ihre Basentripletts befinden sich außerhalb des Leserahmens und codieren somit nicht für ein verändertes Protein. Sie führen stattdessen zu einer verminderten Proteinbiosynthese:

Nicht-Polyglutamin Erkrankungen[1]
Typ Gen Repeat-Einheit Repeat-Lokation Normale Repeat-Länge Pathogene Repeat-Länge
Fragiles-X-Syndrom (FRAXA) FMR1 (CGG)n 5'-UTR 6–60 >200
Fragiles XE-Syndrom (FRAXE) FMR2 (GCC)n 5'-UTR 4–39 200–900
Fragiles-X-assoziiertes Tremor-/Ataxie-Syndrom (FXTAS) FMR1 (CGG)n 5'-UTR 6–60 60–200
Friedreich-Ataxie (FRDA) FXN (GAA)n Intron 1 6–32 200–1700
Myotone Dystrophie Typ 1 (DM1) DMPK (CTG)n 3'-UTR 5–37 50–10000
Myotone Dystrophie Typ 2 (DM2) ZNF9 (CCTG)n 10–26 75–11000
Spinozerebelläre Ataxie Typ 8 (SCA8) SCA8 (CTG)n 16–34 >74
Spinozerebelläre Ataxie Typ 10 (SCA10) SCA10 (ATTCT)n 10–20 500–4500
Spinozerebelläre Ataxie Typ 12 (SCA12) PPP2R2B oder SCA12 (CAG)n 5'-UTR 7–45 55–78
HDL2 Junctophilin (CTG)n 7–28 66–78

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 H. T. Orr, H. Y. Zoghbi: Trinucleotide repeat disorders. In: Annual review of neuroscience. Band 30, 2007, S. 575–621, ISSN 0147-006X. doi:10.1146/annurev.neuro.29.051605.113042. PMID 17417937. (Review).
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