Wurzelmundquallen

Wurzelmundquallen
Lungenqualle (Rizosthoma pulmo)

Lungenqualle (Rizosthoma pulmo)

Systematik
Reich: Vielzellige Tiere (Metazoa)
Abteilung: Gewebetiere (Eumetazoa)
Stamm: Nesseltiere (Cnidaria)
Klasse: Schirmquallen (Scyphozoa)
Ordnung: Wurzelmundquallen
Wissenschaftlicher Name
Rhizostomeae
Mastigias papua im Monterey Bay Aquarium.

Die Wurzelmundquallen (Rhizostomeae) sind eine Ordnung der Schirmquallen (Scyphozoa). Etwa 80 Arten sind bekannt, u.a. die an Europas Küsten lebende Lungenqualle (Rizosthoma pulmo), die einem Schirmdurchmesser von 60 bis 80 Zentimeter erreicht, die auch in der Nordsee vorkommende Wurzelmundqualle (Rhizostoma octopus) und die Spiegeleiqualle (Cotylorhiza tuberculata) aus dem Mittelmeer. Nemopilema nomurai ist die größte Wurzelmundqualle. Sie erreicht einen Durchmesser von bis zu zwei Metern und ein Gewicht von bis zu 200 Kilogramm. Ihre Tentakel werden bis zu 5 Meter lang.

Merkmale

Wurzelmundquallen haben einen schalenförmigen oder hochgewölbten Schirm, der tentakellos ist. Stattdessen ist das Mundrohr stark entwickelt, die Mundrohrkanten sind stielförmig verlängert und zu einem miteinander verfalteten, wurzelstockähnlichen Gebilde verwachsen. So sind in der Regel acht Arme mit zahlreichen, krausen Verzweigungen entstanden. Eine zentrale Mundöffnung fehlt. Sie wird durch zahlreiche kleine Poren in den Mundarmen ersetzt. Trotzdem können Wurzelmundquallen auch größere Beutetiere fressen. Sie werden durch die zahlreichen Nesselzellen an den Mundarmen betäubt, von diesen umschlossen und dann durch Verdauungssäfte, die von den Poren ausgeschieden werden, so weit aufgelöst, das sie aufgenommen werden können.

Bei der Strobilation wird meist nur eine Meduse gebildet.

Systematik

  • Ordnung Wurzelmundquallen (Rhizostomeae)
  • (Unterordnung Kolpophorae Kramp, 1961)
    • Familie Cassiopeidae Agassiz, 1862
      • Gattung Cassiopea Péron & Lesueur, 1810
        • Cassiopea andromeda Forskål, 1775
    • Familie Cepheidae Agassiz, 1862
      • Gattung Cephea Péron & Leseur, 1803
      • Gattung Cotylorhiza Agassiz, 1862
      • Gattung Netrostoma L. S. Schulze, 1898
      • Gattung Polyrhiza Agassiz, 1862
    • Familie Mastigiidae Stiasny, 1921
      • Gattung Mastigias Agassiz, 1862
        • Mastigias papua (Lesson, 1830)
      • Gattung Mastigietta Stiasny, 1921
      • Gattung Phyllorhiza Agassiz, 1862
    • Familie Thysanostomatidae Gegenbaur, 1857
      • Gattung Thysanostoma Agassiz, 1862
      • Gattung †Prothysanostoma Ossian, 1973 (Pennsylvanium)
    • Familie Versurigidae Kramp, 1961
      • Gattung Versuriga Kramp, 1961
        • Versuriga anadyomene (Maas, 1903)
  • (Unterordnung Daktyliophorae Kramp, 1961)
    • Familie Lychnorhizidae Haeckel, 1880
      • Gattung Lychnorhiza Haeckel, 1880 (syn. Cramborhiza Haeckel, 1880)
      • Gattung Anomalorhiza Light, 1921
      • Gattung Pseudorhiza von Lendenfeld, 1882
    • Familie Catostylidae Gegenbaur, 1857
      • Gattung Acromitoides Stiasny, 1921
      • Gattung Acromitus Light, 1914
      • Gattung Catostylus Agassiz, 1862
      • Gattung Crambione Maas, 1903
      • Gattung Crambionella Stiasny, 1921
      • Gattung Leptobrachia Brandt, 1838
    • Familie Lobonematidae Stiasny, 1921
      • Gattung Lobonema Mayer, 1910
      • Gattung Lobonematoides Light, 1914
    • Familie Rhizostomatidae Cuvier, 1799
    • Familie Stomolophidae Haeckel, 1880

Nutzung

In Japan und Südostasien werden Wurzelmundquallen, vor allem die Art Rhopilema esculenta gegessen. Jährlich werden viele tausend Tonnen gefangen, und getrocknet oder gesalzen verkauft.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Makoto Omori und Mimoru Kitamura: Taxonomic review of three Japanese species of edible jellyfish (Scyphozoa: Rhizostomeae). In: Plankton biology and ecology, 51(1): 36-51, Tokyo 2004 ISSN 1343-0874

Literatur

  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann, Gerhard Hartwich, Rudolf Kilias: Urania Tierreich, Wirbellose 1 (Protozoa bis Echiurida). Urania-Verlag, Berlin 1993, ISBN 3-332-00501-4.

Weblinks

 Commons: Wurzelmundquallen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Die News der letzten Tage

26.09.2022
Anthropologie | Paläontologie | Klimawandel
Evolution des Menschen: Klimaschwankungen in Ostafrika ein Motor
Interdisziplinäre Forschung in Südäthiopien zeigt, wie Schlüsselphasen des Klimawandels die menschliche Evolution beinflusste.
26.09.2022
Ökologie | Klimawandel | Meeresbiologie
Schritthalten mit dem Klimawandel?
Die für die Nahrungsnetze der Ozeane wichtigen Copepoden können sich genetisch an wärmere und saurere Meere anpassen.
26.09.2022
Anthropologie | Mikrobiologie | Physiologie
Mehr als nur Bauchgefühl
Die Strömungsgeschwindigkeit in unserem Verdauungssystem bestimmt unmittelbar, wie gut die Nährstoffe vom Darm aufgenommen werden und wie viele Bakterien darin leben.
26.09.2022
Biodiversität | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Mehrjährige Blühstreifen in Kombination mit Hecken: das gefällt unseren Wildbienen
Landwirtinnen und Landwirte sollten ein Netzwerk aus mehrjährigen Blühstreifen in Kombination mit Hecken schaffen, um Wildbienen ein kontinuierliches Blütenangebot zu bieten.
21.09.2022
Physiologie | Ethologie
Der australische „Ant-Slayer“: Spinne mit akrobatischer Jagdstrategie
Die Australische Kugelspinne Euryopis umbilicata lebt auf den Stämmen von Eukalyptusbäumen und versteckt sich tagsüber unter der Rinde.
21.09.2022
Ethologie | Primatologie
Steinwerkzeugvielfalt bei Schimpansen
Forschende haben gezeigt, dass Schimpansen in Westafrika Steinwerkzeuge benutzen und über eine ausgeprägte und wiedererkennbare materielle Kultur verfügen.
20.09.2022
Ökologie | Säugetierkunde
Neues von den Eichhörnchen in Berlin
Eichhörnchen gehören zu den in Großstädten wie Berlin am häufigsten gesichteten Wildtieren.
19.09.2022
Taxonomie | Insektenkunde
Wie viele Ameisen gibt es eigentlich?
Wie viele Sterne zählt unsere Galaxie?
19.09.2022
Zytologie | Genetik
Reparaturtrupp im Moos funktioniert auch im Menschen
Wenn in lebenden Zellen alles rund laufen soll, dann müssen die Erbinformationen stimmen, doch leider häufen sich im Laufe der Zeit durch Mutationen Fehler in der DNA an.