Zitronenzeisig

Zitronenzeisig
Carduelis citrinella.jpg

Zitronenzeisig (Carduelis citrinella)

Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Familie: Finken (Fringillidae)
Unterfamilie: Stieglitzartige (Carduelinae)
Gattung: Zeisige (Carduelis)
Art: Zitronenzeisig
Wissenschaftlicher Name
Carduelis citrinella
(Pallas, 1764)

Der Zitronenzeisig (Carduelis citrinella), auch Zitronengirlitz (Serinus citrinella) genannt, ist eine Art aus der Familie der Finken (Fringillidae). Lange Zeit wurde er in die Gattung der Girlitze (Serinus) eingeordnet, aber er ist anscheinend näher mit dem Stieglitz (Carduelis carduelis) verwandt (Arnaiz-Villena et al., 1998).

Aussehen

Der Zitronenzeisig ist gelblichgrün gefärbt und diffus gezeichnet. Er ist 12 bis 12,5 cm lang und wiegt 15 g. Der kurze Kegelschnabel ist spitz. Oberkopf, Nacken und teilweise auch die Halsseiten sind grau bis düster graubraun. Die Halsoberseite ist graubraun. Der Rücken ist nach Einhard Bezzel olivgrünlich, nach Glutz braun. Der Bürzel ist nach Bezzel hell gelbgrün, nach Glutz jedoch graubraun ohne Gelb. Der Zitronenzeisig weist einen Geschlechtsdimorphismus auf. Das Männchen weist eine gelblichgrüne bis zitronengelbe Unterseite und ähnlich gefärbte Stirn auf. Im dunklen Flügel befinden sich zwei gelblichgrüne Flügelbinden. Das Weibchen ist ähnlich, jedoch weniger gelblich gefärbt. Jungvögel sind braun ohne Gelb oder Grün gefärbt.

Stimme

Die Rufe sind sehr metallisch und hoch, meist etwas nasal. Der Stimmfühlungsruf ist ein „die-die“. Der Flugruf äußert sich in einem „dit-dit“. Andere Rufe sind zweisilbige „zi-ä“ und gedehnte „ziet“. Der Gesang ist ein munteres Zwitschern mit kleinen Quetschlauten. Er ähnelt dem Gesang des Stieglitzes, in Aufbau und Tonfolge auch dem Girlitz.

Verbreitung und Lebensraum

Der Zitronenzeisig ist in den Gebirgen Mittel- und Südeuropas, vor allem in den Alpen (meist erst ab 1200 bis 1400 m) und den vorgelagerten Mittelgebirgen, verbreitet. Er lebt aber auch in den Pyrenäen und einigen weiteren Hochgebirgslandschaften Spaniens. Ferner besiedelt er Korsika und Sardinien. Kleine Populationen leben im Schweizer Jura, in den Vogesen und im Schwarzwald. Der Zitronenzeisig ist von März bis Oktober überwiegend Kurzstreckenzieher. Er überwintert in Südwesteuropa, einzelne Exemplare auch in Mitteleuropa. Er besiedelt Mischwälder, sonnige felsige Hänge, aber auch Wiesen und Nadelwaldgürtel.

Ernährung

Er ernährt sich von Nadelholzsamen, Wildkräutern und Knospen.

Fortpflanzung

Das Nest liegt hoch in den Bäumen. Je nach Schneelage kann der Legebeginn im März oder deutlich später liegen.

Taxonomie

Der Korsikazeisig (Carduelis (c.) corsicana) wurde bisher formal als Unterart des Zitronenzeisigs geführt, er unterscheidet sich jedoch von diesem sowohl in der Morphologie als auch in der Stimmlage (Cramp u Perrins 1994, Förschler u. Kalko 2007). Diese Annahme wird durch Untersuchungen der mitochondrialen DNA (Sangster, 2000) bestätigt, so dass sie nun als eigene Arten geführt werden (Sangster et al., 2002).

Literatur

  • A. Arnaiz-Villena, J. Guillén, V. Ruiz-del-Valle, E. Lowy, J. Zamora, P. Varela, D. Stefani, L. M. Allende: Phylogeography of crossbills, bullfinches, grosbeaks, and rosefinches. Cellular and Molecular Life Sciences Vol. 58: 1159–1166, 2001, Weblink: PDF
  • Einhard Bezzel: BLV Handbuch Vögel. BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München, 2006, ISBN 3-8354-0022-3
  • Peter Clement, Alan Harris, John Davis, John: Finches and Sparrows: an identification guide. Christopher Helm, London, 1993 ISBN 0-7136-8017-2
  • S. Cramp, C. M. Perrins (eds): The Birds of the Western Palearctic, Vol. 8. Oxford University Press, Oxford, 1994
  • Urs N. Glutz von Blotzheim: Handbuch der Vögel Mitteleuropas 14/2, Passeriformes. Aula Verlag, Wiesbaden, 1997, ISBN 3891046103
  • M. I. Förschler, A. Borras, J. Cabrera, T. Cabrera, J. C. Senar: Inter-locality variation in reproductive success of the citril finch Serinus citrinella. Journal of Ornithology 146: 137-140, 2005, Weblink: [1]
  • M. I. Förschler, E. K. V. Kalko: Macrogeographic variations in food choice of mainland citril finches Carduelis [citrinella] citrinella and insular Corsican (citril) finches Carduelis [citrinella] corsicanus. Journal of Ornithology 147: 441-447, 2006, Weblink: [2]
  • M. I. Förschler, E. K. V. Kalko: Breeding ecology and nest site selection in allopatric mainland Citril Finches Carduelis[citrinella] citrinella and insular Corsican Finches Carduelis[citrinella] corsicanus. Journal of Ornithology 147: 553-564, 2006, Weblink: [3]
  • M. I. Förschler, A. Borras, E. K. V. Kalko, J Cabrera, T.Cabrera, J. C. Senar.: Inter-locality variation in breeding phenology and nesting habitat of the Citril Finch Carduelis citrinella in the Catalonian Pre-Pyrenees. Ardeola 53(1): 115-126, 2006, Weblink: [4]
  • M. I. Förschler: Absence of insular density inflation in Corsican Finches Carduelis [citrinella] corsicanus. Acta Ornithologica 41(2): 171-175, 2006, Weblink: PDF
  • M. I. Förschler, E. K. V. Kalko: Age-specific reproductive performance in Citril Finches Carduelis [citrinella]. Ardea 94(2): 275-279, 2006, Weblink: [5]
  • M. I. Förschler, L. Förschler, U. Dorka: Flowering intensity of spruces Picea abies and the population dynamics of Siskins Carduelis spinus, Common Crossbills Loxia curvirostra, and Citril Finches Carduelis citrinella. Ornis Fennica 83: 91-96, 2006, Weblink: PDF
  • M. I. Förschler: Microgeographic variation in Citril Finch Carduelis citrinella abundance as a consequence of resource availability. European Journal of Wildlife Research 53: 29-34, 2007, Weblink: [6]
  • M. I. Förschler: Seasonal variation in the diet of citril finches Carduelis citrinella: are they specialists or generalists? European Journal of Wildlife Research 53, 2007, Weblink: [7]
  • M. I. Förschler, E. K. V. Kalko: Geographical differentiation, acoustic adaptation and species boundaries in mainland citril finches and insular Corsican finches, superspecies Carduelis [citrinella]. Journal of Biogeography 34, 2007, Weblink: [8]
  • E. Pasquet, J.-C. Thibault: Genetic differences among mainland and insular forms of the Citril Finch Serinus citrinella. Ibis 139(4): 679–684, 1997
  • P. G. Ryan, D. Wright, G. Oatley, J. Wakeling, C. Cohen, T. L. Nowell, R. C. K. Bowie, V. Ward, T. M. Crowe: Systematics of Serinus canaries and the status of Cape and Yellow-crowned Canaries inferred from mtDNA and morphology. Ostrich 75:288-29, 2004.
  • George Sangster: Genetic distance as a test of species boundaries in the Citril Finch Serinus citrinella: a critique and taxonomic reinterpretation. Ibis 142(3): 487–490, 2000
  • George Sangster, Alan G. Knox, Andreas J. Helbig, David T. Parkin: Taxonomic recommendations for European birds. Ibis 144(1): 153–159, 2002, Weblink: [9]
  • R. van den Elzen, F. Khoury: Systematik, phylogenetische Analyse und Biogeographie der Großgattung Serinus Koch, 1816 (Aves, Carduelidae). Courier Forschungsinstitut Senckenberg 215: 55–65, 1999

Weblinks

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