Zwergfledermaus

Zwergfledermaus
Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)

Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)
Gattung: Zwergfledermäuse (Pipistrellus)
Art: Zwergfledermaus
Wissenschaftlicher Name
Pipistrellus pipistrellus
(Schreber 1774)

Die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) gehört zu der Familie der Glattnasen (Vespertilionidae) und ist die meistverbreitete europäische Fledermausart. Sie gehört zu den kleinsten Vertretern der Säugetiere und ist neben der Mückenfledermaus eine der kleinsten innerhalb ihrer Gattung.

Merkmale

Sie erreicht eine Körpergröße von 4,5 Zentimetern und eine Spannweite bis zu 25 Zentimetern bei einem Gewicht von 3,5 bis 7 Gramm. Sie wiegt also nur wenig mehr als ein Stück Würfelzucker und ist mit zusammengefalteten Flügeln so groß wie eine Streichholzschachtel. Ihre Fellfärbung ist rotbraun bis dunkelbraun, die Unterseite gelbbraun bis graubraun.

Ernährung

Sie ernährt sich von kleinen Insekten wie Mücken, Köcherfliegen und Nachtfaltern. Während der Nacht fliegt die Zwergfledermaus mitunter über fünf Kilometer, um an ihre Jagdgebiete zu gelangen. Sie liegen meist an Gewässern oder am Waldrand.

Ruheplätze

Wochenstube der Zwergfledermaus

Die Zwergfledermaus ist ein Spaltenbewohner. Sie schläft beispielsweise an Scheunen, Speichern und Kirchtürmen in teilweise großen Gruppen. In einem Raum von der Größe eines Telefonbuches haben beispielsweise 25 oder mehr Zwergfledermausweibchen mit ihren Jungtieren Platz, also mehr als fünfzig Tiere. Die Männchen schlafen eher einzeln. Enge Spalten und Ritzen an der Außenseite werden bevorzugt. Typische Quartiere befinden sich hinter Holzverkleidungen, Eternit-Verschalungen und Blech-Verwahrungen. Durch die Renovierung alter Gebäude werden solche Schlafmöglichkeiten häufig zerstört, sodass auch diese Art auf die Hilfe der Menschen angewiesen ist. In ihren Winterquartieren kann die Größe einer Gruppe Tausende von Tieren umfassen.

Befruchtung und Geburt

Neugeborene Zwergfledermaus
Aus dem Quartier gefallen: Jungtiere der Zwergfledermaus

Die Weibchen sammeln sich ab April in so genannten Wochenstubenkolonien (auch hier sind es Spalten-Quartiere). Dort gebären sie. Eine neugeborene Zwergfledermaus ist blind und nackt und ungefähr so groß wie eine Biene. Oft kommt es zu Zwillingsgeburten. Bevor sie nach September in den Winterschlaf fällt, paart sich die Zwergfledermaus. Danach speichert das Weibchen den Samen sieben bis acht Monate, bevor die eigentliche Befruchtung stattfindet und die Tragezeit beginnt. Etwa ab Mai bis Mitte Juni kommen die Jungen zur Welt.

Bedrohung

Die Zwergfledermaus steht unter Naturschutz. Sie ist bedroht durch Renovierungsmaßnahmen (Verschäumen, Versiegeln), durch verschwindende Insektenlebensräume und durch Ignoranz. So lassen sich falsche Behauptungen, sie fräßen und benagten Isolationsmaterial, sie vermehrten sich uferlos, oder sie flögen in Menschenhaare und bildeten unentwirrbare Knäuel, die nur mit der Schere entfernt werden könnten, kaum ausmerzen. Auch übertriebene Ordnungsliebe kann zu Quartierverlust führen, wenn beispielsweise die Kotbällchen stören. Auch wenn eine Beseitigung oder Versiegelung des Quartieres mit dem Naturschutzgesetz nicht vereinbar ist, hilft dies den Zwergfledermäusen in einem solchen Fall nichts.

In der Roten Liste der BRD wird sie nicht geführt (nicht gefährdet), auf der roten Liste der IUCN 2006 gilt sie als least concern (geringste Besorgnis). In weiten Teilen Europas gilt sie als häufig, und einige Populationen wachsen sogar an. Dennoch existiert eine Bedrohung durch Quartierverlust.

Systematik

Zwergfledermaus

Die Zwergfledermaus gehört zur Gattung der Zwergfledermäuse (Pipistrellus), die weltweit rund 35 Arten umfasst. In Europa leben vier weitere Arten, die Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii), die Weißrandfledermaus (Pipistrellus kuhlii), die Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus) und die Madeira-Fledermaus (Pipistrellus maderensis).

Literatur

  • Christian Dietz, Otto von Helversen, Dietmar Nill: Handbuch der Fledermäuse Europas und Nordwestafrikas. Biologie, Kennzeichen, Gefährdung, Seiten 284 - 289 (1. Auflage), Verlag Kosmos, Stuttgart 2007 (neues Standardwerk, wissenschaftliche Forschung), ISBN 3-440-09693-9, ISBN 978-3-440-09693-2

Weblinks

 Commons: Zwergfledermaus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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