Dampfschiffenten

Dampfschiffenten
Magellan-Dampfschiffenten im Kölner Zoo

Magellan-Dampfschiffenten im Kölner Zoo

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformees)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Unterfamilie: Halbgänse (Tadorninae)
Gattung: Dampfschiffenten
Wissenschaftlicher Name
Tachyeres
(Owen, 1875)
Falkland-Dampfschiffente

Die Dampfschiffenten (Tachyeres) sind eine Gattung der Halbgänse (Tadorninae) im südlichen Südamerika (Patagonien, Feuerland) und auf den Falklandinseln. Von den vier Arten der massig gebauten Vögel ist lediglich die Langflügel-Dampfschiffente (T. patachonicus) flugfähig, bei den übrigen sind die Flügel reduziert.

Ihren Namen verdanken diese Entenvögel der Eigenart zum schnelleren Vorwärtskommen auf dem Wasser, beispielsweise bei Angriff oder Flucht, die Flügel zur Hilfe zu nehmen. Dazu setzen sie ihre kleinen, schmalen Flügel abwechselnd ein, ähnlich wie ein Kajakfahrer sein Doppelpaddel. Die rasche, schaufelnde Bewegung lässt viel Wasser aufspritzen und erinnert an einen Raddampfer. [1]

Erscheinungsbild

Dampfschiffenten sind große, massig wirkende, kurzbeinige Enten. Am leichtesten sind die Weibchen der Langflügel-Dampfschiffente mit einem durchschnittlichen Gewicht von 2441 Gramm. Am schwersten sind die Männchen der Magellan-Dampfschiffente mit einem durchschnittlichen Gewicht von 6039 Gramm. Bei allen vier Arten ist das Weibchen leichter als das Männchen. Am ausgeprägtesten ist dieser Gewichtsunterschied bei der Magellan-Dampfschiffente, bei der das Männchen im Schnitt 1,9 Kilogramm mehr wiegt als das Weibchen. Bei der kleinsten Art der Dampfschiffenten, der Langflügel-Dampfschiffente beträgt dieser Gewichtsunterschied im Durchschnitt etwa 600 Gramm. [2]

Die vier Arten ähneln sich in ihrem Körpergefieder. Die Artunterscheidung ist anhand der Schnabel- und der Kopffärbung möglich.

Die Magellan-Dampfschiffente unterscheidet sich außer ihrer Größe von den anderen Arten durch ihren orangen Schnabel. Beim Männchen weist dieser gelegentlich eine dunkle Basis auf. Beim Weibchen ist er immer einfarbig orange. Beide adulte Geschlechter haben einen grau gefärbten Kopf. Das Männchen zeichnet sich durch eine weiße Kopfplatte aus. Beim Weibchen haben einige Individuen einen weißen Augenstreif. Ihre Schwingen reichen bis zum Bürzel. Bei der Falkland-Dampfschiffente hat das Männchen gleichfalls einen orangefarbenen Schnabel. Dieser hellt sich zur Spitze hin fleischfarben auf. Das adulte Mannchen hat eine weiße Kopffärbung. Bei noch nicht ausgewachsenen Männchen ist das Gesicht braun oder grau mit einem weißen Augenstreif. Das Weibchen dagegen hat eine graue Kopfkappe. Das Gesicht ist rotbraun und weist einen weißen Augenstreifen auf. Ihr Schnabel ist olivgrau, die Basis sowie der Schnabelfirst sind gelb. Auch die Falkland-Dampfschiffente ist eine große Entenart. Männchen haben durchschnittlich ein Gewicht von 4.334 Gramm. Die Weibchen wiegen dagegen durchschnittlich 3.383 Gramm. Die Schwingen beider Geschlechter reichen bis zur Bürzelmitte.

Die namensgebende weiße Kopffärbung, die bis zum Hals reicht, weist nur das Männchen der Weißkopf-Dampfschiffente auf. Die Kopfplatte ist bei ihm außerdem hellgrau. Das Weibchen hat dagegen eine rötlichbraune Kopffärbung, die vom Auge beginnend allmählich weiß wird. Beim Männchen ist der Schnabel überwiegend orange. Nur der Nagel an der Schnabelspitze ist schwarz. Beim Weibchen dagegen ist der Schnabel grau. Die Langflügel-Dampfschiffente, die auch Patagonische Dampfschiffente genannt wird, ist deutlich kleiner als die anderen Arten. Beim Männchen hat der Schnabel eine orange Basis. Die Seiten des Schnabels sind ab den Nasenlöchern olivgrau. Das Gesicht adulter Männchen ist fast weiß. Ähnlich wie bei der Falkland-Dampfschiffente haben die noch nicht ausgewachsenen Männchen ein graues oder braunes Gesicht mit einem weißen Augenstreif. Beim Weibchen ist die Kopfplatte grau. Das Gesicht ist rotbraun. Der weiße Augenstreif verläuft abwärts bogenförmig. Ihr Schnabel ist überwiegend olivgrau. Die Basis und das Schnabeldach sind dagegen blass gelb. Die Schwingen reichen bis zur Schwanzwurzel.

Fortpflanzung

Das Gelege aller vier Arten besteht in der Regel aus vier bis sieben Eiern, die von lehmfarbener Farbe sind. Die Brutdauer beträgt bei allen Arten um die 30 Tage. Geschlechtsreif sind Jungvögel in ihrem dritten Lebensjahr.

Arten

Es werden diese Arten unterschieden:

Belege

Einzelnachweise

  1. Bernhard Grzimek (Hrsg.): „Grzimeks Tierleben“. Band 7 - Vögel I, S. 292. Weltbild Verlag, 2000. Unveränderter Nachdruck der dtv-Ausgabe von 1979/80.
  2. Kolbe, S. 165

Literatur

  • Bradley C. Livezey, Philip S. Humphrey (1992): Taxonomy and identification of steamer-ducks. Lawrence, Kansas. ISBN 0-89338-042-3
  • Janet Kear (Hrsg): Ducks, Geese and Swans. Oxford University Press, 2005, ISBN 0-19-854645-9
  • Hartmut Kolbe; Die Entenvögel der Welt, Ulmer Verlag 1999, ISBN 3-8001-7442-1

Weblinks

 Commons: Dampfschiffenten (Tachyeres) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

21.06.2021
Neurobiologie
Wählerische Nervenzellen
Der visuelle Thalamus ist klassischerweise dafür bekannt, die von der Netzhaut kommenden visuellen Reize an die Großhirnrinde weiterzuleiten.
21.06.2021
Botanik | Genetik | Klimawandel
Gene für Dürreresistenz in Buchen: Hitzesommer überleben oder austrocknen?
Forscherinnen identifizieren Gene für Dürreresistenz in Buchen, aber nicht jeder Baum hat das genetische Rüstzeug für einen Klimawandel.
21.06.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Mimik-Erkennung: Warum das Gehirn dem Computer (noch) überlegen ist
Die Corona-Maskenpflicht macht uns derzeit bewusst: Mimik ist eines unserer wichtigsten Kommunikationssignale.
20.06.2021
Physiologie | Paläontologie
Kleiner Elefant hörte tiefe Töne
Der ausgestorbene Zwergelefant Palaeoloxodon tiliensis von der griechischen Insel Tilos besaß offenbar ein ähnliches Hörspektrum wie seine großen, heute lebenden Verwandten.
20.06.2021
Biodiversität | Insektenkunde
In Deutschland Gewinner und Verlierer: Libellen
In den letzten 35 Jahres hat sich die Verteilung der Libellenarten in Deutschland stark verändert.
18.06.2021
Ethologie | Insektenkunde
Die komplexe Organisation einer Ameisenkolonie
Eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie über räuberische Ameisen erklärt, wie kleine Unterschiede zwischen Einzeltieren die kollektive Organisation der Kolonie verändern.
18.06.2021
Ethologie | Primatologie
Schimpansen-Waisen erholen sich vom Verlust der Mutter
Chronischer Stress könnte ein Grund dafür sein, warum manche Tierwaisen eine kürzere Lebenserwartung haben und weniger Nachkommen bekommen.
18.06.2021
Ökologie | Insektenkunde
Stickstoffüberschuss gefährdet Schmetterlinge
Stickstoff aus Landwirtschaft, Verkehrsabgasen und Industrie bringt Schmetterlinge in der Schweiz in Bedrängnis.
18.06.2021
Insektenkunde | Entwicklungsbiologie
Steinfliegen: Jugend beeinflusst Erwachsenenleben
Die Metamorphose führt bei Insekten meist zu völlig verschieden aussehenden Larven- und Erwachsenenstadien: Schmetterlinge unterscheiden sich etwa drastisch von ihren Jungstadien, den Raupen.
18.06.2021
Ökologie | Vogelkunde
Dramatische Veränderung der Brutvogelgemeinschaft
Im Bonner Stadtteil Dottendorf hat die Zahl der Brutvogelarten in den vergangenen 50 Jahren deutlich abgenommen.
16.06.2021
Genetik
Genome aus ihren Puzzleteilen wieder zusammensetzen
Ein Forscherteam des Friedrich-Miescher-Labors für biologische Arbeitsgruppen hat eine neue Methode zur DNA-Sequenzierung entwickelt, die schnelles und effizientes Aufspüren von genetischer Information ermöglicht.
16.06.2021
Ökologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Kleingewässer in Agrarlandschaften stark mit Pestiziden belastet
Pestizide sichern die Erträge in der Landwirtschaft, indem sie schädliche Insekten, Pilze und Unkräuter bekämpfen.