Gynerium sagittatum

Gynerium sagittatum
Gynerium sagittatum 3.jpg

Gynerium sagittatum

Systematik
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Panicoideae
Tribus: Gynerieae
Gattung: Gynerium
Art: Gynerium sagittatum
Wissenschaftlicher Name der Tribus
Gynerieae
Sánchez-Ken & L.G.Clark
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Gynerium
P.Beauv.
Wissenschaftlicher Name der Art
Gynerium sagittatum
(Aubl.) P.Beauv.

Gynerium sagittatum ist ein Süßgras und die einzige Art der Gattung Gynerium und der Tribus Gynerieae aus der Unterfamilie der Panicoideae. Sein natürliches Verbreitungsgebiet ist Mittel- und Südamerika.

Beschreibung

Das Süßgras wird inklusive Blütenstand 2 bis 10, gelegentlich bis 15 Meter hoch.[1] Es bildet sowohl an der Bodenoberfläche Ausläufer als auch unterirdische Rhizome. Die Ausläufer brechen häufig von der Mutterpflanze ab, so dass mehrere selbständige Pflanzen entstehen.[2] Die Halmknoten sind massiv, die Halme werden von den langen Blattscheiden vollständig umhüllt. Die Blätter stehen zweizeilig an den Halmen, sie sind in eine Blattscheide, die den Halm umfasst, und eine Blattspreite gegliedert.[1] Am Übergang der beiden Blattteile befindet sich die häutige, bewimperte Ligula, sie kann auch nur aus den Haaren bestehen. Die Blattspreite ist nicht geöhrt, bezitzt an der Basis aber Haarbüschel.[3] Die Blattspreite wird 1,5 bis 2 m lang, sie ist lanzettlich bis länglich-lanzettlich,[1] an den Ränder durch nach vorne gerichtete Schuppen rau.[2] Die unteren Blattspreiten fallen mit der Zeit ab, während die Blattbasen an der Pflanze verbleiben.[1]

Die zweihäusige Pflanze bildet einen endständigen, rispigen, bis 1,3 m großen Blütenstand.[2] Die weiblichen Blüten stehen in zweiblütigen Ährchen. Die untere Hüllspelze ist kleiner und in der Textur dünner als die obere. Die Deckspelzen besitzen am Ende lange, seidige Haare, aber keine Grannen. Es sind zwei häutige, nicht verwachsene Lodiculae verwachsen, diese sind gelegentlich mit einigen Haaren besetzt. Neben zwei Griffeln findet man in der weiblichen Blüte auch zwei rudimentär ausgebildete Staubblätter. Die weiblichen Ährchen brechen an zwei Stellen, jeweils unterhalb der Deckspelzen, auseinander. Die männlichen Blüten stehen zu zwei bis vier zusammen in Ährchen. Ihre Hüllspelzen sind ungefähr gleich groß, die Deckspelzen sind häutig, kahl oder kurz behaart. Auch hier finden sich zwei nicht verwachsene Lodiculae. Es sind zwei Staubblätter und ein rudimentärer Fruchtknoten vorhanden. Die Frucht ist eine längliche Karyopse.[1]

Die Chromosomenzahl beträgt x=11.[1]

Verbreitung und Standortansprüche

Durch seine Flexibilität hat sich Gynerium sagitatum weit verbreitet. So findet es von den Antillen im Norden bis in Chile und Argentinien im Süden, an der Pazifikküste im Westen und im Amazonasbecken im Osten, entsprechen vielfältig ist auch das Erscheinungsbild der Pflanze. Klimatisch findet sich Gynerium sagitatum im Feuchtgebiet des Amazonasbeckens ebenso, wie in den Wüsten der peruanischen Küste.[2]

Systematik und Forschungsgeschichte

Die Erstbeschreibung unter dem Namen Saccharum sagittatum stammt von Aublet. Palisot de Beauvois stellte später eine eigene Gattung, Gynerium, für dieses Gras auf. Der Name stammt aus den griechischen Wörtern Gyne (γυνε: weiblich) und erion (εριον: Wolle) und bezieht sich auf die Eigenschaften der weiblichen Blüten diese zweihäusigen Gattung.[2]

Die Gattung ist monotypisch. Gynerium wurde aufgrund des schilfartigen Wuchses zu den Arundineae (Unterfamilie Arundinoideae) gerechnet. Erste Untersuchungen ribosomaler DNA brachten unterschiedliche Ergebnisse: Gynerium in einer breit gefassten Unterfamilie Arundinoideae oder Gynerium als Verwandte zu den Panicoideae und Centothecoideae. Untersuchungen mit erweiterten Daten bestätigten die Einordnung in der Nähe der Panicoideae und Centothecoideae, die genaue Stellung blieb aber unsicher. Deshalb schlugen Sánchez-Ken und Clark 2001 eine eigene Tribus Gynerieae für diese isolierte Gattung vor.[1]

Ein Kladogramm, das die vermuteten Verwandtschaftsverhältnisse wiedergibt:[1]




Centothecoideae


     

Gynerium sagittatum


     

Panicoideae





Verwendung

Sombrero Vueltiao

Gynerium sagittatum wird für die Herstellung von Pfeilen, Harpunen und Speeren verwendet, sowie zur Herstellung von Holzstoff, im Hüttenbau und zur Herstellung von geflochtenen Fasern für Bodenmatten, Körbe und Hüte eingesetzt. Die Fasern werden durch Trocknung der Blattnervatur gewonnen. Die genügsame Pionierpflanze wird auch gelegentlich zur Befestigung von Sanddünen eingesetzt. Die Wurzel hat diuretische Wirkung und das Harz ist sehr süß. [2]

Der Sombrero Vueltiao, traditionelle Kopfbedeckung aus der Küstenregion Kolumbiens, wird aus Gynerium-sagittatum-Fasern hergestellt.[4]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7  J. Gabriel Sánchez-Ken, Lynn G. Clark: Gynerieae, a New Neotropical Tribe of Grasses (Poaceae). In: Novon. Bd 11, 2001, S. 350–353 (http://www.botanicus.org/page/642413).
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Sandrine Lamotte: Auszug aus Essai d’interprétation dynamique des végétations en milieu tropical inondable. La plaine alluviale de Haute Amazonie. Univ. Sciences Montpellier, 1992, abgerufen am 20. Oktober 2010.
  3. Watson L, Dallwitz MJ.: The grass genera of the world: descriptions, illustrations, identification, and information retrieval; including synonyms, morphology, anatomy, physiology, phytochemistry, cytology, classification, pathogens, world and local distribution, and references. Abgerufen am 22. Oktober 2010 (english).
  4. Sombrero vueltiao: Ein Hut als Musterstück des Kunsthandwerks der Atlantikküste. Proexport Kolumbien, abgerufen am 20. Oktober 2010.

Weblinks

 Commons: Gynerium sagittatum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News

16.01.2021
Botanik | Taxonomie
Die einzigartige Flora Neukaledoniens
Sieben neue Arten der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae) haben Forscher*innen der Universität Bayreuth in Neukaledonien entdeckt. Auf den Spuren des britischen Entdeckers James Cook untersuchten sie im Frühjahr 2019 die Flora auf der Inselgruppe im Südwestpazifik.
16.01.2021
Taxonomie | Fischkunde
Neue Fischgattung aus Indien: Der Kiemenschlitzaal
Senckenberg-Wissenschaftler Ralf Britz hat gemeinsam mit internationalen Kolleg*innen eine neue Fischgattung beschrieben.
16.01.2021
Anthropologie
Wo man lebt, prägt das Verhalten
Je nachdem, wo auf der Welt sie leben, organisieren Menschen aus Jäger- und Sammlergesellschaften sich ihr Leben zum Beispiel bei der Nahrungssuche, Fortpflanzung, Betreuung des Nachwuchses und sogar hinsichtlich ihres sozialen Umfelds ähnlich wie Säugetier- und Vogelarten, mit denen sie ihren Lebensraum teilen.
16.01.2021
Ökologie | Biochemie
Wie Pflanzen Abwehrgifte bilden ohne sich selbst zu schaden
In einer neuen Studie klären Forschende des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie und der Universität Münster die Biosynthese und genaue Wirkungsweise von Diterpen-Glykosiden in wilden Tabakpflanzen auf.
13.01.2021
Zoologie | Ethologie | Meeresbiologie
Kegelrobben fressen Seehunde, Schweinswale – und ihre Artgenossen
Kegelrobben (Halichoerus grypus) sind Deutschlands größte freilebende Raubtiere. Viele Feriengäste kennen das Bild, wenn sie auf Helgoland am Strand oder in anderen Nordseeregionen auf Sandbänken liegen – friedlich nebeneinander oder neben Seehunden.
12.01.2021
Botanik | Ökologie | Insektenkunde
Schmetterling beweist: Karpaten waren in der Eiszeit teilweise bewaldet
Senckenberg-Wissenschaftler haben die Rückzugsorte des Tagfalters Erebia aethiops während der letzten Eiszeit in Europa untersucht.
12.01.2021
Mikrobiologie | Biochemie
Bakterium produziert pharmazeutische Allzweckwaffe
Ein Wirkstoff aus den Blättern einer Zierpflanze gilt seit einigen Jahren als möglicher Vorreiter einer neuen Gruppe potenter Medikamente.
11.01.2021
Zoologie | Physiologie | Video
Neon-grünes Leuchten beim Wüstengecko
Forschende der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), der LMU und der Hochschule München haben entdeckt, dass der Wüstengecko Pachydactylus rangei aus Namibia unter UV-Licht stark neon-grün fluoreszierende Streifen an den Körperseiten und um die Augen zeigt.
11.01.2021
Ethologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Ziegen mögen Denksport
Wissenschaftler untersuchten in einem Deutsch-Schweizer Projekt die Lernfähigkeit von Ziegen.
09.01.2021
Ethologie | Neurobiologie
Schlaf für Erholung des Gehirns unersetzlich
Forscher*innen des Universitätsklinikums Freiburg weisen erstmals direkt nach, dass während des Schlafens im Gehirn aktive Erholungsprozesse ablaufen, die sich nicht durch Ruhe ersetzen lassen. Die Erkenntnisse sind relevant für optimale Leistung.
07.01.2021
Ökologie | Biodiversität
Starker Rückgang einer einst zahlreichen Tierart
Eine erneute Untersuchung der Puku-Antilopen im Kasanka Nationalpark in Sambia dokumentiert einen starken Rückgang.
07.01.2021
Ethologie | Video | Primatologie
Guineapaviane grunzen mit Akzent
Vokales Lernen führt zur Anpassung der Lautstruktur in einer mehrstufigen Pavian-Gesellschaft.
07.01.2021
Klimawandel | Meeresbiologie
Das neue Gesicht der Antarktis
Die Antarktis könnte künftig ergrünen und von neuen Arten besiedelt werden. Andererseits dürften Spezies verschwinden.
07.01.2021
Klimawandel | Meeresbiologie | Neobiota
Biodiversitäts-Kollaps im östlichen Mittelmeer
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Paolo G.
07.01.2021
Botanik | Klimawandel
Klimawandel verursachte Mangrovensterben in Oman
Vor rund 6.000 Jahren verschwanden die meisten Mangroven-Bestände an den Küsten Omans.
04.01.2021
Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Angepasste Konzepte für die Vielfalt der Waldbewirtschaftung
Europas Wälder müssen heute viele Funktionen gleichzeitig erfüllen. Wer Holz nutzt und die Biodiversität fördert, deckt zwei wichtige davon ab.
01.01.2021
Physiologie | Paläontologie
Früher Säuger mit erstaunlich präzisem Biss
Wissenschaftlern ist es gelungen, die Kaubewegung eines frühen Säugetiers zu rekonstruieren, das vor knapp 150 Millionen Jahren gelebt hat. Demnach arbeitete sein Gebiss äußerst präzise und mit erstaunlich hoher Effizienz.
29.12.2020
Klimawandel | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Klimakrise lässt Seen schrumpfen
Autoren plädieren in Fachartikel für mehr Aufmerksamkeit für Regionen, in denen der Wasserpegel sinkt.
28.12.2020
Zoologie | Physiologie | Ethologie
Globale Studie über Frequenzen von Vogelgesängen
Viele Tiere kommunizieren über akustische Signale.
25.12.2020
Zytologie | Neurobiologie
Stammzellen des Gehirns teilen sich über Monate
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Zürich konnten erstmals beobachten, wie sich Stammzellen im erwachsenen Gehirn der Maus über Monate hinweg teilen, um neue Nervenzellen zu bilden.
25.12.2020
Meeresbiologie
Zahlreiche Flohkrebse in den Korallenriffen südöstlich von Island entdeckt
Das Naturhistorische Museum Wien und das Centrum für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg untersuchen gemeinsam Kaltwasserriffe südlich von Island und fanden unzählige kaum erforschte Flohkrebse, Amphipoda.
25.12.2020
Zoologie | Ethologie | Meeresbiologie
Walgesänge verraten Verhaltensmuster von Zwerg- und Buckelwalen im Weddellmeer
AWI-Unterwasseraufnahmen belegen: Zwergwale suchen das Meereis, Buckelwale meiden es.
25.12.2020
Botanik | Insektenkunde
Zwei Termitenarten sind Ursache für Feenkreise in der Wüste
Inmitten der Graslandschaften am Rande der Namib-Wüste im südlichen Afrika sind in sehr großer Zahl kreisrunde Kahlstellen zu finden, die in regelmäßigen Mustern angeordnet sind.
25.12.2020
Ökologie | Meeresbiologie
Mikroplastik in 8250 Metern Tiefe
Forschende haben Sedimentproben aus dem Kurilen-Kamtschatka-Graben auf Mikroplastik untersucht. Sie zeigen in ihrer kürzlich veröffentlichten Studie, dass in einem Kilogramm Sediment zwischen 14 und 209 Mikroplastikteilchen enthalten sind. Insgesamt 15 verschiedene Plastikarten konnte das Team in den Proben nachweisen.
25.12.2020
Paläontologie | Evolution
Evolution der Hirsche: Regelmäßiger Geweihzyklus ist älter als bisher gedacht
Eine neue Studie gibt Einblick in die frühe Evolution des Geweihzyklus bei Hirschen (Cervidae).