Ips (Käfer)

Ips
Beispiel: Ips typographus, Imago

Beispiel: Ips typographus, Imago

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Unterordnung: Polyphaga
Familie: Rüsselkäfer (Curculionidae)
Unterfamilie: Borkenkäfer (Scolytinae)
Gattung: Ips
Wissenschaftlicher Name
Ips
De Geer, 1775
Vorlage:Taxobox/Wartung/KlammerlemmaUndKursiv

Die Gattung Ips umfasst in Europa sieben Käferarten, die polygam an Nadelhölzern leben. Es sind Rüsselkäfer aus der Unterfamilie der Borkenkäfer (Scolytinae). Da sie ihre Brutsysteme in der Rinde der Wirtsbäume anlegen, werden sie den Rindenbrütern zugerechnet. Von allen europäischen Borkenkäfern neigen einige Arten der Gattung Ips am meisten zu Massenvermehrungen im liegenden Holz, in Sturm- oder Schneewürfen und -Brüchen, aber auch in stehenden, durch Dürre und Insektenfraß oder abiotische Einflüsse geschwächten Nadelbäumen. Diese können dann auf völlig gesunde Bäume überwechseln und Epidemien größten Ausmaßes verursachen. In Nadelholzreinbeständen besitzen die Borkenkäfer daher forstwirtschaftlich gesehen ein sehr hohes Schadenspotential.

Gattungsbeschreibung

Die Imagines werden zwischen 2,2 und 8,2 Millimetern lang. Der gleichmäßig gewölbte Halsschild ist groß und verdeckt von oben gesehen den Kopf, seine Basis ist einfach punktiert oder glatt, der vordere Teil hat Höcker. Die Augen sind nierenförmig. Die Fühlergeißel ist fünfgliedrig, und die Fühlerkeulennähte sind gebogen. Der erste Zwischenraum zwischen den Punktreihen der Flügeldecken trägt vor dem Absturz eine Reihe feiner Körnchen. Der Absturz selbst bildet eine flache Mulde, sein Rand ist mit Zähnen besetzt, und er fällt von der Flügeldeckenmitte zum Ende hin schräg ab. Der zweite Zahn am Absturz ist ein Kegelzahn. Der Spitzenrand der Flügeldecken ist doppelt, der innere Rand umfasst das Abdomen, und der äußere begrenzt den Absturz. Das Abdomen bleibt ab dem zweiten Sternit zum Ende hin annähernd gerade. Die Vorderschienen sind außen gezähnt. Das dritte Fußglied ist zylindrisch. Zwischen männlichem und weiblichem Imago besteht Sexualdimorphismus: das Männchen hat einen stärkeren Stirnhöcker und kräftigere Zähne am Absturzrand sowie kürzere Haare in der Mitte des siebenten Sternites als das Weibchen.

Arten in Europa

Die nachfolgenden sieben Arten kommen alle in Europa und Deutschland vor, wenngleich sich einige Arten in bestimmten Gebieten von Europa nicht verbreitet haben. Nähere Angaben dazu bei den jeweiligen Arten.

  • Sechszähniger Kiefernborkenkäfer (Ips acuminatus) (Gyllenhal, 1827)
  • Kleiner achtzähniger Fichtenborkenkäfer (Ips amitinus) (Eichhoff, 1871)
  • Großer Lärchenborkenkäfer oder Achtzähniger Lärchenborkenkäfer (Ips cembrae) (Heer, 1836)
  • Nordischer Fichtenborkenkäfer (Ips duplicatus) (Sahlberg, 1836)
  • Schwarzkiefernborkenkäfer (Ips mannsfeldi) (Wachtl, 1779)
  • Zwölfzähniger Kiefernborkenkäfer oder Großer zwölfzähniger Kiefernborkenkäfer (Ips sexdentatus) (Boerner, 1767)
  • Buchdrucker oder Großer achtzähniger Fichtenborkenkäfer (Ips typographus) (Linnaeus, 1758)

Arten außerhalb von Europa

Die Aufzählung ist nicht abschließend.

  • Ips apache Lanier
  • small southern pine engraver (Ips avulsus) Eichhoff
  • sixspined ips (Ips calligraphus) Germar
  • pinyon ips (Ips confusus) LeConte
  • emarginate ips (Ips emarginatus) LeConte
  • eastern fivespined ips (Ips grandicollis) Eichhoff
  • spruce ips (Ips hunteri) Swaine
  • Ips integer Eichhoff, 1869
  • Ips latidens LeConte
  • Arizona fivespined ips (Ips lecontei) Swaine
  • California fivespined ips (Ips paraconfusus) Lanier
  • northern spruce engraver (Ips perturbatus) Eichhoff
  • pine engraver (Ips pini) Say
  • larch engraver beetle (Ips subelongatus) Motschulsky

Forstwirtschaftliche Bedeutung

Fichtenbestand, abgestorben durch Befall mit Käfern der Gattung Ips

Ein forstwirtschaftlicher Schaden entsteht unter anderem durch:

  • die Zwangsnutzung der befallenen Bäume oft weit vor dem Erreichen des Erntealters und
  • dem damit verbundenen Holzverlust, da die Bäume noch mehrere Jahre weiterwachsen könnten (Zuwachsverlust),
  • erhöhten Aufwendungen durch unregelmäßigen Holzanfall (vermehrte Transport und Aufarbeitungskosten),
  • Qualitätsverluste des Holzes durch das nachfolgende Eindringen von Pilzen (Bläue) oder anderen Käfern wie Bockkäfer und/oder weiteren Holz fressenden Insektenarten (technische Entwertung).

Werden Befallsherde nicht rasch beseitigt, kann es zu Massenvermehrungen kommen, die riesige Ausmaße erreichen (Nationalpark Bayerischer Wald). Weitere Informationen zu den Folgen unter Borkenkäfer.

Ökologische Bedeutung

Bedingt durch die Neigung, bei Massenvermehrungen auch völlig gesunde Bäume zum Absterben zu bringen, können die Käfer geschlossene Monokulturen auflösen oder auflockern und durch den Lichteinfall am Waldboden anderen Baumarten die Möglichkeit geben, sich wieder auszubreiten. Auch schaffen sie reichliches Angebot an stehendem und liegendem Totholz. Damit können sie indirekt die Voraussetzung schaffen, die Artenvielfalt zu erhöhen.

Systematik

Synonyme

Aus der Literatur sind für die Gattung Ips folgende Synonyme bekannt:[1]

  • Ips De Geer, 1775 [Genus]
  • Cumatotomicus Ferrari, 1867
  • Cyrtotomicus Ferrari, 1867
  • Tomicus auct.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Ips (De Geer, 1775). Fauna Europaea, Version 1.3, 19.04.2007, abgerufen am 20.1.

Literatur

  • Sabine Grüne: Handbuch zur Bestimmung der europäischen Borkenkäfer, Verlag M. & H. Schaper, Hannover 1979, ISBN 3-7944-0103-4.
  • Edmund Reitter: Fauna Germanica – Die Käfer des Deutschen Reiches. Band 5, K. G. Lutz, Stuttgart 1916.
  • Edmund Reitter: Fauna Germanica – Die Käfer des Deutschen Reiches. 5 Bände, K. G. Lutz (Stuttgart 1908–1916), Digitale Bibliothek Band 134, Directmedia Publishing GmbH, Berlin 2006, ISBN 3-89853-534-7.
  • Erwin Stresemann: Exkursionsfauna für die Gebiete der DDR und der BRD, Band 2.1, Wirbellose, Insekten-Erster Teil, Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-06-012522-8.
  • Fritz Schwerdtfeger: Die Waldkrankheiten. Lehrbuch der Forstpathologie und des Forstschutzes. 4., neubearbeitete Auflage. Parey, Hamburg / Berlin 1981, ISBN 3-490-09116-7.

Weblinks

 Commons: Ips – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

13.05.2021
Botanik | Klimawandel | Biodiversität | Bioinformatik
Mit Smartphones den ökologischen Wandel erfassen
Smartphone-Apps zur Pflanzenbestimmung wie „Flora Incognita“ können nicht nur Pflanzenarten erkennen, sie erfassen auch großräumige ökologische Muster.
13.05.2021
Genetik | Evolution | Immunologie
Neue Erkenntnisse über die Evolution des Immunsystems
Der menschliche Körper verfügt, wie alle anderen Lebewesen auch, über ein sogenanntes angeborenes Immunsystem.
13.05.2021
Toxikologie | Biochemie | Insektenkunde
Meerrettich-Erdfloh: Geschützt mit den Waffen seiner Nahrungspflanze
Wenn Meerrettich-Erdflöhe an ihren Wirtspflanzen fressen, nehmen sie nicht nur Nährstoffe, sondern auch Senfölglykoside, die charakteristischen Abwehrstoffe des Meerrettichs und anderer Kreuzblütengewächse, auf.
13.05.2021
Toxikologie | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Die Achillesferse eines Käfers: Glyphosat
Der Getreideplattkäfer lebt in enger Gemeinschaft mit symbiotischen Bakterien.
13.05.2021
Zoologie | Ökologie
Globaler Atlas soll große Tierwanderungen bewahren
Wildtiere soweit das Auge reicht: Millionen von Gnus ziehen gemeinsam mit Zebras, Gazellen und Antilopen durch das grüne Gras weiter Ebenen in Ostafrika.
11.05.2021
Zytologie | Physiologie | Bioinformatik
Wie man als Einzeller ans Ziel gelangt
Wie ist es ohne Gehirn und Nervensystem möglich, sich gezielt in die gewünschte Richtung zu bewegen? Einzellern gelingt dieses Kunststück offenbar problemlos.
11.05.2021
Ökologie
Studie zur Funktionsweise aquatischer Ökosysteme
Die Funktionen wassergeprägter Ökosysteme können durch hydrologische Schwankungen erheblich beeinflusst und verändert werden.
11.05.2021
Klimawandel | Meeresbiologie
Mit Bakterien gegen die Korallenbleiche
Korallen sind das Rückgrat mariner Ökosysteme der Tropen.
11.05.2021
Zoologie | Ökologie
Afrikanische Wildhunde als Botschafter für das weltweit grösste Naturschutzgebiet
Das weltweit grösste Landschutzgebiet liegt im Süden Afrikas und umfasst 52039000 Quadratkilometer in fünf Ländern.
10.05.2021
Physiologie
Orientierungssinn von Fledermäusen
Säugetiere sehen mit den Augen, hören mit den Ohren und riechen mit der Nase.