Neogen

< Paläogen | N e o g e n | Quartär >
vor 23,03–2,588 Millionen Jahren
300px
Atmosphärischer O2-Anteil
(Durchschnitt über Periodendauer)
ca. 21,5 Vol %[1]
(108 % des heutigen Niveaus)
Atmosphärischer CO2-Anteil
(Durchschnitt über Periodendauer)
ca. 280 ppm[2]
(1-faches heutiges Niveau)
Bodentemperatur (Durchschnitt über Periodendauer)
ca. 14 °C[3]
(0 °C über heutigem Niveau)
System Serie Stufe ≈ Alter (mya)
höher höher höher jünger
Neogen Pliozän Piacenzium 3,6–2,588
Zancleum 5,332–3,6
Miozän Messinium 7,246–5,332
Tortonium 11,608–7,246
Serravallium 13,82–11,608
Langhium 15,97–13,82
Burdigalium 20,43–15,97
Aquitanium 23,03–20,43
tiefer tiefer tiefer älter

Das Neogen ist das zweithöchste chronostratigraphische System und die zweitjüngste geochronologische Periode des Känozoikums. Es begann nach dem Paläogen vor etwa 23,03 Millionen Jahren und endete vor etwa 2,588 Millionen Jahren mit dem Beginn des Quartärs.

Ursprünglich war das Neogen als das oberste und gegenwärtige chronostratigraphische System definiert. Allerdings bestand um die wissenschaftliche Festsetzung des Endpunktes des Neogens ein Konflikt zwischen der Internationalen Stratigraphischen Kommission (ICS) und der International Union for Quaternary Research (INQUA). Nach einer Forderung der in der INQUA vereinigten Quartärgeologen sollte das Neogen nicht bis in die Gegenwart reichen. Stattdessen sollte es mit Ende des Pliozäns vor rund 2,6 Millionen Jahren enden und das System des Quartärs bereits mit Beginn des Gelasiums beginnen.[4]

Das Neogen ist gekennzeichnet durch die Entwicklung der Vögel und der Säugetiere. Zwischen den Kontinenten Nord- und Südamerika bildete sich eine Landbrücke und ein Faunenaustausch zwischen den Kontinenten setzte ein. Es kam zu einer langsamen klimatischen Abkühlung bis hin zum Eiszeitalter des Pleistozäns.

Unterteilung

Einige Fossilien und Rekonstruktionen der neogenen Fauna (Aus Meyers Konversations-Lexikon (1885–90))

Das Neogen wird unterteilt in zwei Serien:

Klima

Das Neogen brachte eine Phase verstärkter Abkühlung bis zum Beginn der ersten Vereisungen im Gelasium, der untersten Stufe des Quartärs.

Im Miozän, zu Beginn des Neogens, kann das Klima auch im nordatlantisch-skandinavischen Raum noch als gemäßigt bezeichnet werden. Das geht aus der Untersuchung der Zusammensetzung der fossilen Meeresfauna hervor.

Im unteren Pliozän kam es zu einer ersten starken Abkühlungsphase im Bereich der Pole, der nochmals eine längere Erwärmung folgte. Ein wechselnder, aber relativ rascher Abfall der Temperaturkurven folgte im Pliozän.

Am Ende des Pliozäns kam es zur Vereisung der Polkappen. Auf dem Kontinent Antarktika wurden Eismassen abgelagert und dadurch dem Wasserkreislauf entzogen. Dies führte zu einem ersten Absenken des Meeresspiegels.

Das Pleistozän wird als das eigentliche Eiszeitalter bezeichnet, mit wechselnden Vergletscherungsphasen der nördlichen Teile der Kontinentalplatten Eurasiens und Nordamerikas.

Entstehung des Begriffs

Der Begriff Neogen geht auf den österreichischen Geologen und Paläontologen Moriz Hoernes zurück, der ihn schon Mitte des 19. Jahrhunderts für die Klassifizierung der Ablagerungen im Wiener Becken gebrauchte. Er unterteilte die Schichten des geologischen Zeitalters des Känozoikums in zwei Perioden, eine ältere, das Paläogen, und in eine jüngere, das Neogen. Dieses reichte dabei ebenfalls schon bis zu den obersten Schichten, also bis in die Gegenwart. Das Neogen wurde später zur besseren Beschreibung des Tertiärs verwendet, da sein Beginn vor 23,03 Millionen Jahren den Einschnitt zwischen dem Oligozän (gehört zum Alttertiär) und dem Miozän (gehört dem Jungtertiär an) markiert. Allerdings wurde das Neogen dadurch auf die Epochen Miozän und Pliozän reduziert und endete zusammen mit dem Tertiär an der Grenze zum Quartär (vor 1,8 Millionen Jahren).

Änderung in der Geologischen Zeitskala 2004

Heute sind die Begriffe Tertiär und Quartär in der Geologischen Zeitskala nicht mehr gebräuchlich. Schon im Jahre 1978 wurde von einer Unterkommission der Internationalen Kommission für Stratigraphie (ICS) das Känozoikum in die beiden Perioden Paläogen und Neogen unterteilt, wie von Hoernes vor 150 Jahren vorgeschlagen. Im Jahre 2004 wurde als Ergebnis der Diskussionen der vergangenen Jahrzehnte die neue Geologische Zeitskala (Geologic Time Scale 2004) vorgestellt. Im Jahre 2008 soll sie für alle Geologen international verbindlich werden. Allerdings wurde bis dahin eine Neudefinition und Wiedereinführung des Quartärs in Aussicht gestellt.

Viele Quartärgeologen sahen die Streichung vor allem des Quartärs kritisch, da die Besonderheiten der Erdentwicklung im Eiszeitalter, die sich deutlich vom vorhergehenden Pliozän unterscheiden, in der neuen Zeitskala nicht zur Geltung kommen. Ihre Kritik hat dazu geführt, dass das Quartär wieder in die Zeitskala aufgenommen und neu definiert wurde. Der Zeitraum, der früher 1,8 Millionen Jahre umfasste, wurde auf 2,6 Millionen Jahre ausgedehnt und umfasst jetzt alle eiszeitlichen Sedimente.

Nach einem Vorschlag der Internationalen Kommission für Stratigraphie beginnt das Quartär schon im Gelasium, dem letzten Teil des Pliozäns, in der die Eiszeit mit der Vereisung der Polkappen vor rund 2,7 bis 2,6 Millionen Jahren begann.

Vereinfachte stratigraphische Tabelle

Hier ist der Aufbau des Erdzeitalters Känozoikum mit seinen Perioden Neogen und Paläogen dargestellt. Der Beginn der einzelnen Epochen ist jeweils in Millionen Jahren vor der Gegenwart (Million(en) Jahre her = Ma) angegeben.

  • Känozoikum
    • Quartär
      • Holozän (0,0115 Ma)
      • Pleistozän (2,6 Ma)
    • Neogen
      • Pliozän (5,33 Ma)
      • Miozän (23,03 Ma)
    • Paläogen
      • Oligozän (33,9 Ma)
      • Eozän (55,8 Ma)
      • Paläozän (65,5 Ma)

Literatur

  • Friedrich Strauch: Zum Klima des nordatlantisch-skandischen Raumes im jüngeren Känozoikum. In: Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften. Bd. 123, S. 163–177, 1972

Einzelnachweise

  1. Sauerstoffgehalt-1000mj
  2. Phanerozoic Carbon Dioxide
  3. All palaeotemps
  4. Offener Brief des INQUA-Exekutivkommittees aus dem Jahr 2006. (PDF) Im Juni 2009 wurde dieser Vorschlag durch die IUGS ratifiziert.

Weblinks

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

31.07.2021
Ökologie | Neobiota
Teure Invasoren
Wissenschaftlerinnen haben die durch invasive Arten entstandenen Kosten in Europa und Deutschland untersucht.
31.07.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Lernpausen sind gut fürs Gedächtnis
Wir können uns Dinge länger merken, wenn wir während des Lernens Pausen einlegen.
31.07.2021
Botanik | Immunologie | Parasitologie
Eichenwälder widerstandsfähiger machen
Kahlgefressene Eichen sind ein Bild, das in den letzten Jahren immer wieder zu sehen war. Verursacher sind häufig die massenhaft auftretenden Raupen des Eichenwicklers.
29.07.2021
Ökologie | Toxikologie
Wasser blau – Badestrand grün
Viele klare Seen der Welt sind von einem neuen Phänomen betroffen: In Ufernähe, wo Menschen spielen oder schwimmen, ist der Seeboden mit grünen Algenteppichen bedeckt.
29.07.2021
Anatomie | Paläontologie
Patagonischer Langhalssaurier neu beleuchtet
Ein Team der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) untersuchte im Rahmen einer Neubeschreibung die Überreste des Langhalssauriers Patagosaurus fariasi (175 Mio Jahre) aus Argentinien.
29.07.2021
Anthropologie | Virologie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik
Hochwirksame und stabile Nanobodies stoppen SARS-CoV-2
Ein Forscherteam hat Mini-Antikörper entwickelt, die das Coronavirus SARS-CoV-2 und dessen gefährliche neue Varianten effizient ausschalten.
29.07.2021
Zytologie | Biochemie
Pflanzen haben ein molekulares „Gedächtnis“
Wie eine Pflanze wächst, hängt einerseits von ihrem genetischen Bauplan ab, zum anderen aber davon, wie die Umwelt molekulare und physiologische Prozesse beeinflusst.
29.07.2021
Ökologie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Meeresbiologie
Forschungsfahrt: Hydrothermale Wolken in der Nähe der Azoren
Sie entstehen, wenn von glühendem Magma aufgeheizte Lösungen aus der Erdkruste in der Tiefsee austreten und auf kaltes Meerwasser treffen: Hydrothermale Wolken stecken voller Leben, sie versorgen die Ozeane mit Nährstoffen und Metallen.
28.07.2021
Physiologie | Bionik, Biotechnologie und Biophysik
Spurensuche im Kurzzeitgedächtnis des Auges
Was wir sehen, hinterlässt Spuren: Mit schnellen Bewegungen, sogenannten Sakkaden, springt unser Blick zwischen verschiedenen Orten hin und her, um möglichst scharf abzubilden, was sich vor unseren Augen abspielt.
27.07.2021
Bionik, Biotechnologie und Biophysik
Neue Möglichkeiten: Topologie in der biologischen Forschung
Ein aus Quantensystemen bekanntes Phänomen wurde nun auch im Zusammenhang mit biologischen Systemen beschrieben: In einer neuen Studie zeigen Forscher dass der Begriff des topologischen Schutzes auch für biochemische Netzwerke gelten kann.
27.07.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Viel mehr als Gehen
Jahrzehntelang dachte man, dass ein Schlüsselbereich des Gehirns lediglich das Gehen reguliert.
26.07.2021
Ökologie | Paläontologie
Uralte Haizähne geben Hinweis auf eine globale Klimakrise
Die stete Drift der Kontinente formt nicht nur Gebirgszüge, sondern hat auch großen Einfluss auf die Tierwelt im Meer.
26.07.2021
Anatomie | Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Bioinformatik
Wie tierische Sprinter enorme Spitzengeschwindigkeiten erreichen
Eine interdisziplinäre Forschungsgruppe hat ein physikalisches Modell entwickelt, um zu erforschen, von welchen Eigenschaften die maximale Laufgeschwindigkeit bei Tieren abhängig ist.
26.07.2021
Anthropologie | Zoologie | Ethologie
Hunde als „Gedankenleser“
Dass Hunde vielfach als der „beste Freund des Menschen“ bezeichnet werden, ist bekannt.
26.07.2021
Mikrobiologie | Genetik | Biochemie
RNA kontrolliert die Schutzhülle von Bakterien
Der Magenkeim Helicobacter pylori weiß, wie er sich gegen Angriffe des Immunsystems oder durch Antibiotika schützen kann.