Patrick Moore (Umweltaktivist)

Patrick Moore (2012)

Patrick Moore (* 1947 in Winter Harbour, British Columbia, Kanada) ist ein kanadischer Umweltschützer und Gründungsmitglied von Greenpeace, inzwischen jedoch Kritiker dieser Umweltschutzorganisation.

Jugend und Zeit als Greenpeace-Aktivist

Moore wurde 1947 in Winter Harbour geboren, einem kleinen Dorf in der kanadischen Provinz British Columbia. Er begann an der University of British Columbia Biologie, Forstwissenschaft und Genetik zu studieren. Von 1969 bis 1972 erhielt er ein Stipendium von der Ford Foundation. In den späten 1960er Jahren wurde er ein radikaler Umweltaktivist und gründete 1971 mit Gleichgesinnten die Umweltschutzorganisation Greenpeace, um gegen Wasserstoffbombentests in Alaska zu protestieren. 1974 erlangte er den Titel Doctor of Philosophy in Ökologie. Moore war neun Jahre lang Präsident von Greenpeace Kanada und sieben Jahre lang ein Direktor bei Greenpeace International[1]. In dieser Zeit organisierte er Protestaktionen in aller Welt und war aktiv am Bekanntwerden von Greenpeace beteiligt. 1986 verließ er den Führungsstab.

Distanzierung von Greenpeace

Bereits Anfang der 1980er kam er mit dem Begriff der nachhaltigen Entwicklung in Kontakt und begeisterte sich für das Thema. In seiner Zusammenarbeit mit der Politik, um seine Vorstellungen von Umweltschutz durchzuführen, kam er zunehmend in Konflikt mit Greenpeace und anderen Umweltschutzorganisationen. Während ihm von Seiten der Umweltaktivisten Verrat vorgeworfen wurde, kritisierte Moore die ideologischen Vorstellungen der Greenpeace-Mitglieder, die aufgrund ihrer Protesthaltung zu keinen Kompromissen bereit seien. Moore hat sich seitdem weiterhin als Umweltschützer verstanden und bekräftigte die Kritik in späteren Schriften, z. B. in seinem Buch Confessions of a Greenpeace Dropout: The Making of a Sensible Environmentalist.[2]

Moore sieht in der Evolution der Umweltbewegung eine Hinwendung zu politischem und sozialem Aktivismus, der mehr mit Kapitalismus- und Globalisierungskritik als mit Wissenschaft oder Ökologie zu tun habe. Sie lehne beispielsweise Forstwirtschaft, Grüne Gentechnik oder Aquakultur trotz erkennbarer Vorteile für Umweltschutz bzw. Hungerbekämpfung ab. Auch idealisiere sie Armut als eine noble Lebensführung und sei fortschrittsfeindlich. Moore zitiert Bob Hunter, der warnte, dass Greenpeace dem Ökofaschismus nahekommen könne, und der einzige Weg, das Verhalten der Massen zu ändern, die Kreation einer Mythologie (Ökologismus) sei.[3]

Laut den Betreibern der Webseiten gmwatch.org und lobbywatch.org gebe es Aussagen, die darauf hinwiesen, dass Moore Greenpeace – im Gegensatz zu seiner eigenen Darstellung – nicht aus eigenem Antrieb verlassen hat (“according to Greenpeace’s Tamara Stark, Moore’s exit from the organisation was ‘not necessarily by his own choice’.”)[4]

Anschließende Aktivitäten und Ansichten

Nach der Greenpeace-Zeit gründete er das Aquakultur-Unternehmen Quatsino Seafarms. 1991 gründete Moore Greenspirit, ein PR-Unternehmen zum Thema Umweltschutz, dessen Vorsitz er innehat. Seit 2006 ist er zusammen mit Christine Todd Whitman als Vorsitzender der Clean and Safe Energy Coalition von Energieunternehmen tätig, einer Organisation die sich für die Kernenergie einsetzt.[5] 2010 wurde er als Repräsentant des indonesischen Holzunternehmens Asia Pulp & Paper engagiert.[6] Außerdem ist er Direktor von NextEnergy Solutions, einem Unternehmen das Anlagen zur Nutzung der Geothermie verkauft.

Moore spricht sich für ein Ausweiten der Forstwirtschaft und das vermehrte Einsetzen von Holz als Baumaterial aus.[5] Außerdem empfiehlt er ein vermehrtes Einsetzen von Geothermie. In der Ablehnung der Gentechnik sieht er keinen Vorteil für Mensch und Umwelt und spricht sich für die Nutzung der Kernenergie aus. Im November 2008 sagte Moore in einem Interview des Magazins Focus unter anderem:

„Einerseits wollen sie [die Deutschen] ihre Meiler abschalten, die 25 Prozent des Stroms liefern. Dabei ist das saubere Energie ohne Treibhausgase. Andererseits wollen sie die CO2-Emissionen bis 2020 drastisch senken. Das geht nicht gleichzeitig. Deutschland wird sein CO2-Ziel nur erreichen, wenn es die Atomkraftwerke länger laufen lässt und weitere baut. Sie importieren doch bereits für mehr als zwei Milliarden Euro Atomstrom aus Frankreich. Es war eine schändliche Entscheidung von Rot-Grün, alle Forschung zu stoppen. […] Ich stimme immer noch in vielen Punkten mit Greenpeace überein. Aber wir haben in den 70er- und 80er-Jahren einen Fehler gemacht, als wir Atomkraft mit Atomwaffen vermischt haben. Nicht alles mit „Atom“ ist des Teufels.“[7]

Bücher (Auswahl)

  • Confessions of a Greenpeace Dropout. Beatty Street Publishing, 2010. ISBN 0986480827.

Weblinks

 Commons: Patrick Moore – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Einzelnachweise

  1. http://www.beattystreetpublishing.com/authors/patrick-moore/
  2. vancouversun.com: Confessions of a Greenpeace founder (englisch)
  3. Jonathan Gressel (2011): Patrick Moore, Confessions of a Greenpeace dropout: the making of a sensible environmentalist. Food Security 3, S. 269–271.
  4. Moores Lobbying Aktivitäten auf lobbywatch.org
  5. 5,0 5,1 NYTimes: Ex-Environmental Leaders Tout Nuclear Energy, 25. April 2006
  6. The Guardian: "Why is a former Greenpeace activist siding with Indonesia's logging industry?", 2. Dezember 2010
  7. focus.de vom 28. November 2008

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