Russischer Desman

Russischer Desman
NHM Desmana moschata.JPG

Russischer Desman (Desmana moschata)

Systematik
Ordnung: Insektenfresser (Eulipotyphla)
Familie: Maulwürfe (Talpidae)
Unterfamilie: Altweltmaulwürfe (Talpinae)
Tribus: Desmane (Desmanini)
Gattung: Desmana
Art: Russischer Desman
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Desmana
Güldenstädt, 1777
Wissenschaftlicher Name der Art
Desmana moschata
(Linnaeus 1758)
Zeichnung des Russischen Desmans

Der Russische Desman, Bisamrüssler oder Wychochol (Desmana moschata) ist eine Säugetierart aus der Familie der Maulwürfe (Talpidae). Gemeinsam mit dem Pyrenäen-Desman bildet er die Gruppe der Desmane (Desmanini), die von allen Maulwürfen am ausgeprägtesten an eine wasserbewohnende Lebensweise angepasst sind.

Merkmale

Russische Desmane erreichen eine Kopfrumpflänge von 18 bis 21 Zentimeter, der Schwanz ist ebenso lang (17 bis 21 Zentimeter) und seitlich abgeplattet. Ihr Gewicht beträgt 100 bis 220 Gramm, womit sie die schwersten Maulwürfe sind. Die Schnauze ist langgestreckt und sehr beweglich, sie erinnert an einen Rüssel. Die Hinterfüße tragen Schwimmhäute und zusätzlich seitliche Borstenhaare, die Vorderfüße haben kleinere Schwimmhäute. Der Kopf ist durch die langgestreckte, rüsselartige Schnauze, die kleinen Augen und die fast gänzlich im Fell verborgenen Ohren charakterisiert. Das Fell setzt sich aus kurzer, dichter, plüschiger Unterwolle und langen, steifen Schutzhaaren zusammen, es ist an der Oberseite rotbraun und an der Unterseite aschgrau gefärbt. An der Schwanzunterseite sitzt eine Duftdrüse, aus der die Tiere ein moschusähnliches Sekret absondern.

Verbreitung und Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet der Russischen Desmane erstreckt sich entlang der Flüsse Don, Wolga und Ural im südwestlichen Russland und angrenzenden Teilen der Ukraine und Kasachstans. Entlang des Dnepr und des Ob wurden sie angesiedelt. Ihr Lebensraum sind Ufer von Flüssen, aber auch von Seen und Teichen.

Lebensweise und Nahrung

Russische Desmane legen am Ufer Baue an, die nur vom Wasser aus zugänglich sind und in einem mit Blättern oder Moosen gepolsterten Nest enden. Im Gegensatz zu vielen anderen Insektenfressern leben sie in Gruppen, wobei sich oft mehrere Tiere einen Bau teilen.

Diese Tiere sind vorwiegend nachtaktiv, begeben sich manchmal aber auch tagsüber auf Nahrungssuche. Diese erfolgt im Wasser, wobei sie mit ihrer Schnauze den Grund der Gewässer durchwühlen. Die Nahrung besteht aus Insekten, Krebstieren, Fischen und Amphibien.

Fortpflanzung

Russische Desmane pflanzen sich in der Regel zweimal im Jahr fort, die Geburten erfolgen meist in den Monaten Juni und November. Die Tragzeit beträgt rund 40 bis 50 Tage, die Wurfgröße zwei bis fünf Jungtiere. Diese werden nach rund einem Monat entwöhnt.

Bedrohung

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Art noch relativ häufig, danach setzte ein massiver Rückgang der Bestände aufgrund der Jagd auf das Desmanfell ein. Auch wegen des Drüsensekrets, das für die Parfümherstellung verwendet wurde, wurden sie bejagt. 1957 wurde die Jagd endgültig verboten.

Heutige Bedrohungen sind die Gewässerverschmutzung sowie die Konkurrenz durch eingeschleppte Nutrias und Bisamratten. Mehrere Schutzgebiete wurden eingerichtet und es laufen Wiederaussiedlungsprogramme, auch am Ob und am Dnepr, in denen die Art früher nicht heimisch war. Insgesamt wird der Russische Desman von der IUCN als gefährdet (vulnerable) gelistet. Der Gesamtbestand wird auf 40.000 bis 50.000 Tiere geschätzt.

Literatur

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 1999, ISBN 0-8018-5789-9.

Weblinks


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