Susan Lindquist

Susan Lindquist.

Susan Lee Lindquist (* 5. Juni 1949 in Chicago) ist eine US-amerikanische Biologin und Hochschullehrerin für Molekularbiologie am Massachusetts Institute of Technology. Sie ist Mitglied und ehemalige Direktorin des Whitehead-Institut für biomedizinische Forschung.

Leben

Susan Lindquist studierte Mikrobiologie an der University of Illinois und promovierte 1976 in Biologie an der Harvard University. Später war sie Inhaberin des Albert D. Lasker Lehrstuhls für Medizin in der Abteilung für Molekulargenetik und Zellbiologie an der University of Chicago. Gegenwärtig ist sie Professorin für Biologie am MIT. Von 2001 bis 2004 war sie dort auch Direktorin des Whitehead-Institut für biomedizinische Forschung. Von 1988 bis 2001 forschte sie zusätzlich für das Howard Hughes Medical Institute.

Lindquist ist mit Edward Buckbee verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.

Lindquists Forschung

Der Schwerpunkt der Forschungsarbeiten von Lindquist liegt auf dem Gebiet der Proteinfaltung. Sie konnte zeigen, dass mittels veränderter Proteinfaltung zahlreiche biologische Prozesse gesteuert werden und die Frage, ob eine Zelle extremen Stress (zum Beispiel Hitzeschock, Einwirkung von Zellgiften) überleben kann, entscheidend beeinflusst wird. Lindquist isolierte mRNA, die aus chromosomalen Strukturen stammt, die durch Hitzeschock umgeformt werden. Sie konnte wichtige Beiträge zur Aufklärung der Funktion und zur Autoregulation des Hitzeschockproteins Hsp70 auf der Ebene der Transkription und der Translation leisten.

Weitere Prozesse, die durch Um- und Neufaltungen von Proteinen beeinflusst werden, sind die Aktivierung oder Inaktivierung von Funktionseiweißen, die Auswirkungen von Mutationen und die Bildung des Gedächtnisses an den Synapsen der Nervenzellen. Störungen der Proteinfaltung sind – zum Teil nachgewiesenermaßen, zum Teil vermutet – ursächlich an der Entstehung von Krankheiten wie Morbus Alzheimer, Chorea Huntington und Morbus Parkinson beteiligt. Fehlgefaltete Eiweiße, die ihre Störung auf andere Eiweiße übertragen können, werden Prionen genannt und sind das Substrat von Creutzfeldt-Jakob-Krankheit und boviner spongiformer Enzephalopathie (BSE).

Lindquist und Mitarbeiter konnten zeigen, dass bestimmte „genetische“ Eigenschaften – günstige wie schädliche – durch selbst-perpetuierende Änderungen der Proteinfaltung übertragen werden, womit der Blick auf weitere mögliche Mechanismen der Vererbung erweitert wurde.

Auszeichnungen (Auswahl)

  • 1996: Mitglied der American Academy of Arts and Sciences
  • 1997: Mitglied der United States National Academy of Sciences
  • 1997: Mitglied der American Academy of Microbiology
  • 2000: Novartis/Drew Award in Biomedical Research
  • 2001: Keith R. Porter Lecture
  • 2002: Dickson Prize in Medicine[1]
  • 2006: Sigma Xi William Procter Prize for Scientific Achievement
  • 2006: Gewählt in das Institute of Medicine der National Academies
  • 2008: Genetics Society of America Medal[2]
  • 2008: Otto-Warburg-Medaille
  • 2010: National Medal of Science[3]
  • 2010: Max-Delbrück-Medaille[4]
  • 2012: E. B. Wilson Medal

Schriften (Auswahl)

  • mit Bruno Maresca: Heat shock, Springer, Berlin u.a. 1991, ISBN 3-540-54111-X
  • Dai C, Whitesell L, Rogers AB and Lindquist S, 2007. Heat-shock factor 1 is a powerful multifaceted modifier of carcinogenesis. Cell, v. 130, pp. 1005–18.
  • Cooper AA, Gitler AD, Cashikar A, Haynes CM, Hill KJ, Bhullar B, Liu K, Xu K, Strathearn KE, Liu F, Cao S, Caldwell KA, Caldwell GA, Marsischky G, Kolodner RD, LaBaer J, Rochet J-C, Bonini NM and Lindquist S, 2006. alpha-Synuclein Blocks ER-Golgi Traffic and Rab1 Rescues Neuron Loss in Parkinson’s Models. Science, v. 313, pp. 324–28.
  • Cowen LE and Lindquist SL, 2005. Hsp90 potentiates the rapid evolution of new traits: Drug resistance in diverse fungi. Science, v. 309, pp. 2185–89.
  • Krishnan R and Lindquist SL, 2005. Structural insights into a yeast prion illuminate nucleation and strain diversity. Nature, v. 435, pp. 765–72.
  • Si K, Lindquist S and Kandel ER, 2003. A Neuronal Isoform of the Aplysia CPEB Has Prion-Like Properties. Cell, v. 115, pp. 879–91.
  • Queitsch C, Sangster TA and Lindquist S, 2002. Hsp90 as a capacitor of phenotypic variation. Nature, v.417, pp. 618–24.
  • Serio TR, Cashikar AG, Kowal AS, Sawicki GJ, Moslehi JJ, Serpell L, Arnsdorf MF and Lindquist S, 2000. Nucleated Conformational Conversion and the Replication of Conformational Information by a Prion Determinant. Science, v. 289, pp. 1317–21.
  • Patino MM, Liu JJ, Glover JR and Lindquist S, 1996. Support for the prion hypothesis for inheritance of a phenotypic trait in yeast. Science, v. 273, pp. 622–26.
  • Lindquist S, 1981. Regulation of protein synthesis during heat shock. Nature, v. 293, pp. 311–14.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 2003 Dickson Prize Winner Susan L. Lindquist, PhD bei dicksonprize.pitt.edu; abgerufen am 22. Juni 2011
  2. Nancy Hopkins: The 2008 Genetics Society of America Medal. Susan Lindquist. In: Genetics. 178, Nr. 3, März 2008, S. 1125–8. doi:10.1534/genetics.104.017834. PMID 18385104. Volltext bei PMC: 2278094.
  3. Susan Lee Lindquist bei nsf.gov; abgerufen am 22. Juni 2011
  4. Professor Susan Lindquist from the Whitehead Institute Receives Max Delbrück Medal in Berlin bei mdc-berlin.de; abgerufen am 22. Juni 2011

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