Westlicher Gabelstreifenmaki

Westlicher Gabelstreifenmaki
Systematik
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
Teilordnung: Lemuren (Lemuriformes)
Familie: Katzenmakis (Cheirogaleidae)
Gattung: Gabelstreifenmakis (Phaner)
Art: Westlicher Gabelstreifenmaki
Wissenschaftlicher Name
Phaner pallescens
Groves & Tattersall, 1991

Der Westliche Gabelstreifenmaki (Phaner pallescens) ist eine Primatenart aus der Gruppe der Lemuren.

Merkmale

Westliche Gabelstreifenmakis zählen zu den kleinsten und am hellsten gefärbten Vertretern der Gabelstreifenmakis. Sie erreichen eine Kopfrumpflänge von 25 bis 28 Zentimetern, wozu noch ein 31 bis 33 Zentimeter langer Schwanz kommt. Das Gewicht beträgt rund 300 bis 350 Gramm. Ihr Fell ist an der Oberseite in einem hellen Graubraun – manchmal mit einem Stich ins Silberne – gefärbt, die Unterseite ist weißlich-gelb. Die hinteren zwei Drittel des langen Schwanzes sind dunkler als der restliche Körper. Die für die Gabelstreifenmakis typische Gesichtszeichnung – zwei dunkle Streifen, die sich von der Oberseite des Kopfes über die Augen bis zur Schnauze erstrecken – sind bei dieser Art nur schwach ausgeprägt, ebenso der Aalstrich am Rücken.

Verbreitung und Lebensraum

Westliche Gabelstreifenmakis kommen wie alle Lemuren nur auf Madagaskar vor. Sie haben das größte Verbreitungsgebiet aller Gabelstreifenmakis und bewohnen weite Teile der westlichen Küste ihrer Heimatinsel. Ihr Lebensraum sind verschiedene Waldtypen, bevorzugt werden jedoch Trockenwälder.

Lebensweise

Diese Primaten sind nachtaktive Baumbewohner. Tagsüber schlafen sie in Baumhöhlen, meist in der Kronenregion der Bäume. Bei der Abenddämmerung beginnen sie ihre Aktivitätsphase, die sich bis zum Morgengrauen erstreckt. Dabei bewegen sie sich vorwiegend auf allen vieren durch das Geäst. Sie leben in monogamen Familiengruppen, in denen die Paare zumindest für mehrere Jahre beieinander bleiben. Tagsüber schlafen sie gemeinsam, auch in der Nacht treffen die Partner immer wieder aufeinander, etwa zur gegenseitigen Fellpflege, die Nahrungssuche erfolgt jedoch allein.

Es sind sehr vokale Tiere. Mit verschiedenen Rufen halten die Partner untereinander Kontakt und weisen auch andere Gruppen auf das eigene Streifgebiet hin. Die Reviere überlappen sich kaum mit denen anderer Gruppen, es kommt jedoch häufig zu Begegnungen an den Reviergrenzen. Dabei interagieren Weibchen und Jungtiere aus verschiedenen Gruppen miteinander und pflegen sich gegenseitig das Fell – Männchen reagieren hingegen aggressiv auf gruppenfremde Männchen und Weibchen.

Nahrung

Wie alle Gabelstreifenmakis ernähren sie sich vorwiegend von Baumsäften. Sie zeigen einige Anpassungen an diese Ernährung, so sind die Hände und Füße vergrößert und die Fingernägel gekielt, was einen besseren Halt an den Baumstämmen ermöglicht. Die vorderen Zähne stehen nach vorn, was das Annagen der Baumrinde erleichtert, und die Zunge ist relativ lang. Neben Baumsäften fressen sie auch Blüten, Nektar und Insekten. Dank ihrer Nektarernährung spielen sie eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Affenbrotbäumen.

Fortpflanzung

Die Paarung erfolgt im November, im Februar oder März kommt meist ein einzelnes Jungtier zur Welt. Dieses verbringt seine ersten Lebenswochen in der elterlichen Baumhöhle und trennt sich mit etwa drei Jahren von seiner Geburtsgruppe.

Gefährdung

Regional stellt die Zerstörung seines Lebensraums eine Gefahr für den Westlichen Gabelstreifenmaki dar, insgesamt ist die Art aber weit verbreitet und nach IUCN-Angaben nicht bedroht.

Literatur

Weblinks

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

23.06.2021
Botanik | Physiologie | Biochemie
Wie kleine Moleküle Pflanzen bei ihrer Stressbewältigung helfen
Ein Team von Wissenschaftlerinnen hat in einer aktuellen Studie ein neuartiges regulatorisches kleines Molekül untersucht und beschrieben.
23.06.2021
Zytologie | Genetik | Biochemie
Flashmob im Zellkern
Der Zellkern ist weit mehr als eine Art Aufbewahrungs-Behälter für Chromosomen: In ihm sitzt auch die komplexe Maschinerie, die Abschriften der gerade benötigten Gene herstellt und in die Zelle entlässt.
23.06.2021
Anthropologie | Primatologie
Dem Affen in die Augen geschaut
Das Weiße in unserem Auge ist etwas Besonderes, denn die Lederhaut ist nicht pigmentiert, weshalb wir gut verfolgen können, wohin unser Gegenüber schaut.
23.06.2021
Physiologie | Ökologie | Biodiversität
Der Duft macht’s
Pflanzliche Inzucht mindert die Attraktivität für Bestäuber, das zeigt ein Forschungsteam am Beispiel der Weißen Lichtnelke.
23.06.2021
Anthropologie | Physiologie | Primatologie
Das Alter lässt sich nicht betrügen
Die Lebenserwartung in Primatenpopulationen wird durch die Überlebensrate der Jüngeren bestimmt.
23.06.2021
Botanik | Physiologie | Klimawandel
Warum Bäume nachts wachsen
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Bäume mehrheitlich tagsüber wachsen.
21.06.2021
Neurobiologie
Wählerische Nervenzellen
Der visuelle Thalamus ist klassischerweise dafür bekannt, die von der Netzhaut kommenden visuellen Reize an die Großhirnrinde weiterzuleiten.
21.06.2021
Botanik | Genetik | Klimawandel
Gene für Dürreresistenz in Buchen: Hitzesommer überleben oder austrocknen?
Forscherinnen identifizieren Gene für Dürreresistenz in Buchen, aber nicht jeder Baum hat das genetische Rüstzeug für einen Klimawandel.
21.06.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Mimik-Erkennung: Warum das Gehirn dem Computer (noch) überlegen ist
Die Corona-Maskenpflicht macht uns derzeit bewusst: Mimik ist eines unserer wichtigsten Kommunikationssignale.
20.06.2021
Physiologie | Paläontologie
Kleiner Elefant hörte tiefe Töne
Der ausgestorbene Zwergelefant Palaeoloxodon tiliensis von der griechischen Insel Tilos besaß offenbar ein ähnliches Hörspektrum wie seine großen, heute lebenden Verwandten.
20.06.2021
Biodiversität | Insektenkunde
In Deutschland Gewinner und Verlierer: Libellen
In den letzten 35 Jahres hat sich die Verteilung der Libellenarten in Deutschland stark verändert.
18.06.2021
Ethologie | Insektenkunde
Die komplexe Organisation einer Ameisenkolonie
Eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie über räuberische Ameisen erklärt, wie kleine Unterschiede zwischen Einzeltieren die kollektive Organisation der Kolonie verändern.
18.06.2021
Ethologie | Primatologie
Schimpansen-Waisen erholen sich vom Verlust der Mutter
Chronischer Stress könnte ein Grund dafür sein, warum manche Tierwaisen eine kürzere Lebenserwartung haben und weniger Nachkommen bekommen.
18.06.2021
Ökologie | Insektenkunde
Stickstoffüberschuss gefährdet Schmetterlinge
Stickstoff aus Landwirtschaft, Verkehrsabgasen und Industrie bringt Schmetterlinge in der Schweiz in Bedrängnis.
18.06.2021
Insektenkunde | Entwicklungsbiologie
Steinfliegen: Jugend beeinflusst Erwachsenenleben
Die Metamorphose führt bei Insekten meist zu völlig verschieden aussehenden Larven- und Erwachsenenstadien: Schmetterlinge unterscheiden sich etwa drastisch von ihren Jungstadien, den Raupen.
18.06.2021
Ökologie | Vogelkunde
Dramatische Veränderung der Brutvogelgemeinschaft
Im Bonner Stadtteil Dottendorf hat die Zahl der Brutvogelarten in den vergangenen 50 Jahren deutlich abgenommen.