Wobla

Wobla
Getrocknete Wobla

Getrocknete Wobla

Systematik
Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
Überfamilie: Karpfenfischähnliche (Cyprinoidei)
Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
Unterfamilie: Weißfische (Leuciscinae)
Gattung: Rutilus
Art: Wobla
Wissenschaftlicher Name
Rutilus caspicus
(Jakowlew, 1870)

Die Wobla (Rutilus caspicus, russisch Вобла) ist eine endemisch im Kaspischen Meer und an der unteren Wolga vorkommende Fischart. Sie ist mit dem Rotauge (Rutilus rutilus) verwandt als dessen Unterart sie lange Zeit angesehen wurde. Sie wird in Russland in getrockneter Form als Snack zum Bier und zu anderen alkoholischen Getränken verzehrt.

Merkmale

Das normale Gewicht der Wobla liegt bei 800 g, die normale Größe bei 30 - 35 cm. Sie können aber auch eine Länge von bis zu 45 Zentimetern bei bis zu zwei Kilogramm Gewicht erreichen. Wobla haben einen seitlich abgeflachten Körper. Das Fischmaul liegt leicht unterständig unter der gerundeten Schnauze. Die Iris des Auges ist silbrig-grau. Die Brust-, Bauch- und Afterflossen sind grau mit dunklen Rändern, im Herbst außerhalb der Laichzeit oft leicht rötlich. Die Rückenflosse weist meist 9 1/2, die Afterflosse 10 1/2 verzweigte Strahlen auf. Das Seitenlinienorgan verläuft durch 39 bis 48, meist 42 bis 44 Schuppen. Während der Laichzeit weisen die Männchen oben und seitlich am Kopf feine Tuberkel auf. [1]

Verbreitung und Lebensweise

Das Kaspische Rotauge auf einer aserbaidschanischen Briefmarke

Das kaspische Rotauge (Wobla) kommt endemisch im Kaspischen Meer vor, nach der Verbreitung unterscheidet man die nordkaspische und aserbaidschanische Wobla im südwestlichen und südlichen Teil des Kaspischen Meeres und die turkmenische im südöstlichen Teil des Kaspischen Meeres.[2]

Die Wobla verbringt den Winter im Kaspischen Meer. Im Herbst kommen große Schwärme an die Küsten und überwintern in Senken unmittelbar an der Mündung der Wolga, in die sie im Unterschied zu anderen Unterarten jedoch zum Überwintern nie hinein schwimmt. Im zeitigen Frühjahr oder sogar gegen Ende des Winters, wenn die anderen Fischarten noch in den Senken liegen, beginnt die Wobla in den Fluss zu wandern. Auf den Beginn der Wanderung der Wobla aus dem Meer in den Fluss hat das Wetter Einfluss, bei Wind vom Meer beginnt die Wanderung früher, kaltes Wetter verzögert die Wanderung. Einzelne Exemplare beginnen die Wanderung bereits unter der Eisdecke, aber in großem Maßstab beginnt sie erst im April, wenn der Fluss schon lange eisfrei ist. Die Schwärme der Wobla breiten sich über alle Arme der Wolga aus, allerdings wandern sie nicht sehr hoch hinauf. Weiter als bis Wolgograd kommen sie so gut wie nie.

Ein großer Teil der Kaspischen Rotaugen bleibt auch zum Laichen in den Flussmündungen. Viele verenden jeweils auf der Wanderung, wenn sich das Wasser aus den Überschwemmungsgebieten zurückzieht, die die Fische zum Laichen aufgesucht haben. Das Laichen erfolgt einmal pro Jahr im April / Mai, der Laich befindet sich in einer Tiefe von 10 bis 70 cm. Eine 10 cm große Wobla legt bis zu vier Tausend Eier; eine 30 cm große Wobla mit einem Alter von etwa 9 Jahren 170 Tausend Eier.[3] Nach dem Laichen kehren sie wieder ins Meer zurück, so dass ab Mitte Mai kein Exemplar mehr im Fluss zu finden ist. Über den Sommer halten sich die ausgewachsenen Fische meist im Brackwasser an der Küste auf, in Tiefen von 2,5 bis 4 Meter.[4]

Wobla (Mitte) zusammen mit anderen getrockneten Fischsorten auf einem russischen Markt

Das kaspische Rotauge dient Kaspischen Robben und Stören als Nahrung.[2] Die Wobla ernährt sich von Wirbellosen, insbesondere Schalentieren und kleinen Krebsen. Sie vermehrt sich im Laufe ihres Lebens im Durchschnitt fünf bis sechs Mal und wird bis zu 10 Jahre[4] alt.

Zubereitung und Verzehr

Wobla wird in Russland traditionell in getrockneter Form verzehrt, während andere Fische sowohl als Trockenfisch, als auch mariniert oder geräuchert angeboten werden. Die getrocknete Wobla hat einen hohen Eiweißgehalt, der bei bis zu 50 % liegt.[3]

Zur Verarbeitung als getrockneter Fisch wird die Wobla nach dem Entfernen der Kiemen mindestens drei Tage bis zu zwei Wochen in Salzwasserlauge eingelegt und danach für weitere zwei Wochen an der Luft getrocknet. Der Fisch-Charakter der Wobla wird durch anderes, stärkeres Aroma (beispielsweise das Salz) überdeckt, so dass auch diejenigen die Wobla mögen, die an anderem Fisch absolut keinen Gefallen finden, wie zum Beispiel Kinder. Wobla ist geräucherter Wurst viel ähnlicher als irgendwelchen anderen Fischen.

Wobla wird in Läden und auch an Getränkekiosken verkauft und verzehrt. Eine typisch russische Sitte ist es, nach der Sauna Bier zu trinken und Wobla dazu zu essen. Da der kleine getrocknete Fisch stark geschrumpft und sehr hart geworden ist, wird er häufig nicht wirklich gegessen, sondern um des Geschmacks willen gekaut, oder es wird nur daran geleckt oder gelutscht. Um den Fisch doch zu essen, muss das spärlich vorhandene Fleisch in Fasern abgerissen werden. Das Bier spült den extrem salzigen Geschmack des Trockenfischs weg.

Wobla-Bier-Restaurants

Wobla als Snack zum Bier in einem Moskauer Bier-Restaurant

Anknüpfend an eine in Russland verbreitete und in die Zeiten der Sowjetunion zurückreichende Tradition, getrockneten Fisch zu Bier zu essen, bieten die neu entstandenen Bier-Restaurants, Brauhäuser und Bier-Bars (Kneipen) (Volks-Bars, russ: народный бар) oft getrockneten Fisch, darunter Wobla, zum Bier an. Zu diesen speziellen Bier-Restaurants mit rustikaler Möblierung und historischem Design, in denen 20 Biersorten angeboten werden, gehört die Kette „Goldene Wobla“. Sie wurde 1998 eröffnet und ist mittlerweile mit vier Restaurants in Moskau sowie weiteren in Kasan, Kursk, Rjasan und Kaliningrad vertreten.[5]

Das Speisenangebot ist nicht auf Wobla beschränkt, sondern reicht von deutschen Wurst- und Fleischgerichten bis hin zum japanischen Sushi. Bierhäuser, die getrockneten Wobla zum Bier anbieten, gibt es auch in St. Petersburg, Togliatti sowie im kasachischen Almaty.

Belege

Einzelnachweise

  1.  Maurice Kottelat, Jörg Freyhof: Handbook of European Freshwater Fishes. Berlin 2007, ISBN 978-2-8399-0298-4, S. 239.
  2. 2,0 2,1 Fisch-Enzyklopädie: Wobla (russ.)
  3. 3,0 3,1 Wir fangen die kaspische Wobla auf: Angelsport (russ.), abgerufen am 7. Oktober 2010
  4. 4,0 4,1 Rutilus caspicus (Yakovlev, 1870) auf fishbase.org, abgerufen am 6. Oktober 2010
  5. Über die Restaurantkette „Golden Wobla“ (russ.)

Weblinks

 Commons: Rutilus caspicus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News

18.01.2021
Zytologie | Entwicklungsbiologie
Die ersten Löwen-Embryonen aus eingefrorenen Eizellen
E
18.01.2021
Mikrobiologie | Biochemie | Biotechnologie
Mikroorganismus baut Phenol unter extremen Bedingungen ab
Forschende vom Leibniz-Institut DSMZ in Braunschweig haben den Abbau von Phenol durch Saccharolobus solfataricus charakterisiert.
18.01.2021
Physiologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Methanausstoß von Milchkühen messen
Wissenschaftler des Instituts für Nutztierbiologie Dummerstorf haben ein neues Verfahren zur Vorhersage des Methanausstoßes einer Milchkuh entwickelt.
18.01.2021
Zoologie | Genetik | Ethologie
Berliner Igel bilden keine genetisch isolierten Bestände
Igel leben sowohl auf dem Lande als auch in größeren Städten.
16.01.2021
Botanik | Taxonomie
Die einzigartige Flora Neukaledoniens
Sieben neue Arten der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae) haben Forscher*innen der Universität Bayreuth in Neukaledonien entdeckt. Auf den Spuren des britischen Entdeckers James Cook untersuchten sie im Frühjahr 2019 die Flora auf der Inselgruppe im Südwestpazifik.
16.01.2021
Taxonomie | Fischkunde
Neue Fischgattung aus Indien: Der Kiemenschlitzaal
Senckenberg-Wissenschaftler Ralf Britz hat gemeinsam mit internationalen Kolleg*innen eine neue Fischgattung beschrieben.
16.01.2021
Anthropologie
Wo man lebt, prägt das Verhalten
Je nachdem, wo auf der Welt sie leben, organisieren Menschen aus Jäger- und Sammlergesellschaften sich ihr Leben zum Beispiel bei der Nahrungssuche, Fortpflanzung, Betreuung des Nachwuchses und sogar hinsichtlich ihres sozialen Umfelds ähnlich wie Säugetier- und Vogelarten, mit denen sie ihren Lebensraum teilen.
16.01.2021
Ökologie | Biochemie
Wie Pflanzen Abwehrgifte bilden ohne sich selbst zu schaden
In einer neuen Studie klären Forschende des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie und der Universität Münster die Biosynthese und genaue Wirkungsweise von Diterpen-Glykosiden in wilden Tabakpflanzen auf.
13.01.2021
Zoologie | Ethologie | Meeresbiologie
Kegelrobben fressen Seehunde, Schweinswale – und ihre Artgenossen
Kegelrobben (Halichoerus grypus) sind Deutschlands größte freilebende Raubtiere. Viele Feriengäste kennen das Bild, wenn sie auf Helgoland am Strand oder in anderen Nordseeregionen auf Sandbänken liegen – friedlich nebeneinander oder neben Seehunden.
12.01.2021
Botanik | Ökologie | Insektenkunde
Schmetterling beweist: Karpaten waren in der Eiszeit teilweise bewaldet
Senckenberg-Wissenschaftler haben die Rückzugsorte des Tagfalters Erebia aethiops während der letzten Eiszeit in Europa untersucht.
12.01.2021
Mikrobiologie | Biochemie
Bakterium produziert pharmazeutische Allzweckwaffe
Ein Wirkstoff aus den Blättern einer Zierpflanze gilt seit einigen Jahren als möglicher Vorreiter einer neuen Gruppe potenter Medikamente.
11.01.2021
Zoologie | Physiologie | Video
Neon-grünes Leuchten beim Wüstengecko
Forschende der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), der LMU und der Hochschule München haben entdeckt, dass der Wüstengecko Pachydactylus rangei aus Namibia unter UV-Licht stark neon-grün fluoreszierende Streifen an den Körperseiten und um die Augen zeigt.
11.01.2021
Ethologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Ziegen mögen Denksport
Wissenschaftler untersuchten in einem Deutsch-Schweizer Projekt die Lernfähigkeit von Ziegen.
09.01.2021
Ethologie | Neurobiologie
Schlaf für Erholung des Gehirns unersetzlich
Forscher*innen des Universitätsklinikums Freiburg weisen erstmals direkt nach, dass während des Schlafens im Gehirn aktive Erholungsprozesse ablaufen, die sich nicht durch Ruhe ersetzen lassen. Die Erkenntnisse sind relevant für optimale Leistung.
07.01.2021
Ökologie | Biodiversität
Starker Rückgang einer einst zahlreichen Tierart
Eine erneute Untersuchung der Puku-Antilopen im Kasanka Nationalpark in Sambia dokumentiert einen starken Rückgang.
07.01.2021
Ethologie | Video | Primatologie
Guineapaviane grunzen mit Akzent
Vokales Lernen führt zur Anpassung der Lautstruktur in einer mehrstufigen Pavian-Gesellschaft.
07.01.2021
Klimawandel | Meeresbiologie
Das neue Gesicht der Antarktis
Die Antarktis könnte künftig ergrünen und von neuen Arten besiedelt werden. Andererseits dürften Spezies verschwinden.
07.01.2021
Klimawandel | Meeresbiologie | Neobiota
Biodiversitäts-Kollaps im östlichen Mittelmeer
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Paolo G.
07.01.2021
Botanik | Klimawandel
Klimawandel verursachte Mangrovensterben in Oman
Vor rund 6.000 Jahren verschwanden die meisten Mangroven-Bestände an den Küsten Omans.
04.01.2021
Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Angepasste Konzepte für die Vielfalt der Waldbewirtschaftung
Europas Wälder müssen heute viele Funktionen gleichzeitig erfüllen. Wer Holz nutzt und die Biodiversität fördert, deckt zwei wichtige davon ab.
01.01.2021
Physiologie | Paläontologie
Früher Säuger mit erstaunlich präzisem Biss
Wissenschaftlern ist es gelungen, die Kaubewegung eines frühen Säugetiers zu rekonstruieren, das vor knapp 150 Millionen Jahren gelebt hat. Demnach arbeitete sein Gebiss äußerst präzise und mit erstaunlich hoher Effizienz.
29.12.2020
Klimawandel | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Klimakrise lässt Seen schrumpfen
Autoren plädieren in Fachartikel für mehr Aufmerksamkeit für Regionen, in denen der Wasserpegel sinkt.
28.12.2020
Zoologie | Physiologie | Ethologie
Globale Studie über Frequenzen von Vogelgesängen
Viele Tiere kommunizieren über akustische Signale.
25.12.2020
Zytologie | Neurobiologie
Stammzellen des Gehirns teilen sich über Monate
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Zürich konnten erstmals beobachten, wie sich Stammzellen im erwachsenen Gehirn der Maus über Monate hinweg teilen, um neue Nervenzellen zu bilden.
25.12.2020
Meeresbiologie
Zahlreiche Flohkrebse in den Korallenriffen südöstlich von Island entdeckt
Das Naturhistorische Museum Wien und das Centrum für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg untersuchen gemeinsam Kaltwasserriffe südlich von Island und fanden unzählige kaum erforschte Flohkrebse, Amphipoda.