Guinea-Pavian (Papio papio)

Der Guinea-Pavian (Papio papio) ist in einem kleinen Teil Westafrikas zuhause. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom südlichen Mauretanien und Mali über Guinea, Guinea-Bissau, den Senegal bis ins nordwestliche Sierra Leone. Entlang der östlichen Grenzen des Verbreitungsgebiets kann es zu Vermischungen mit den größeren Anubispavianen (Papio anubis) kommen.


Lebensraum

Guinea-Paviane (Papio papio) bewohnen Wälder, Savannen und die Steppen der Sahel-Zone innerhalb der Reichweite von Wasser. Ferner bewohnen sie im Süden ihres Verbreitungsgebietes Galeriewälder und sekundäre Wälder.

Es gibt nur wenige Berichte über den Lebensraum dieser Pavianart. Sie wurde nur an einem Ort umfassend studiert, im Parc National du Niokolo-Koba im östlichen Senegal. Dieses Naturschutzgebiet liegt an der Grenze der Großlandschaft Sudan und der Guinea-Region [1][3][4].

Die Gegend um den Mont Assirik , wo die Guinea-Paviane (Papio papio) untersucht wurden, ist topographisch komplex. Vom Mont Assirik verlaufen strahlenförmig steile Täler herab. Es gibt einige dauerhafte, tiefe Wasserbecken in diesen Tälern. Entlang der saisonalen Wasserläufe säumen dünne Galeriewaldstreifen die Ufer, die aber weniger als 5% des Lebensraums ausmachen. Andere Vegetationsformen in dieser Region sind Laub- und Bambuswälder sowie baumlose Flächen, die saisonal sehr unterschiedlich aussehen können. Zur Regenzeit wächst dort oft sehr hohes Gras (was von den Guinea-Pavianen gemieden wird), in der Trockenzeit jedoch sieht die Landschaft wie ausgebrannt aus mit ihren kahlen, offenen Lebensräumen [3].


Aussehen

Guinea-Paviane (Papio papio) gelten als die kleinsten Paviane. Obwohl es keine genauen Messungen gibt, kann man davon ausgehen, dass sich ihre Körpergröße am unteren Ende der von Nowak (1999) angegebenen Werte für die Arten P. anubis und P. cynocephalus bewegt [15]. Napier (1981) gibt für Männchen eine Kopfrumpf-Länge von 68,7 cm und eine Schwanzlänge von 56,0 cm an [13]. Männchen sind deutlich größer und schwerer als Weibchen. [7][9][10][15][17]

Das Fell der Guinea-Paviane (Papio papio) ist im Ganzen rotbraun, obwohl es erhebliche geographische Variationen gibt. Im westlichen Teil des Verbreitungsgebietes sind die Tiere heller und röter als im östlichen Teil, wo sie dunkler und bräunlicher sind. Im Gegensatz zu den anderen Pavianarten haben Guinea-Paviane (Papio papio) auf Rücken, Armen, Wangen und Bauch die gleiche Farbe. Einzelne Haare haben mehrere Farbbänder und die Struktur ist wellig. Bei anderen Pavianarten sind die Säuglinge anders gefärbt als die Erwachsenen. Obwohl das Fell neugeborener Guinea-Paviane (Papio papio) nicht beschrieben wurde, kann davon ausgegangen werden, dass sich auch bei ihnen die Kinder von den Erwachsenen unterscheiden [10].

Wie Anubis- und Mantelpaviane haben die Männchen der Guinea-Paviane (Papio papio) eine Mähne, obwohl sie nicht so ausgeprägt ist wie etwa beim Mantelpavian [10].

Die Gesichtshaut von Guinea-Pavianen (Papio papio) ist violett-schwarz. Der unbehaarte Bereich rund um den Analbereich der Männchen ist rosa. Die ano-genitale Haut der Weibchen verfärbt sich je nach Empfängnisbereitschaft und Alter [6][10].

Guinea-Paviane (Papio papio) haben im Vergleich zu anderen Pavianarten einen mittelgroßen Schädel, die lange Schnauze ist normal ausgerichtet und nicht wie beim Bärenpavian (Papio ursinus) gebogen. Erwachsene Tiere haben 32 Zähne. Der erste untere Prämolar ist modifiziert und dient dazu, den oberen Eckzahn zu schärfen. Die großen Backenzähne sind stark bilophodont [7][8][10][14].


Ernährung

Guinea-Paviane (Papio papio) sind wie alle Paviane Allesfresser. Sie ernähren sich von Früchten, Blüten, Wurzeln, Knollen und Gräsern. Wenn verfügbar, erweitern sie ihren Speiseplan mit Fleisch [4][14][15]. In einer Studie wurden einem in Gefangenschaft gehaltenen Guinea-Pavian (Papio papio) verschiedene Früchte vorgesetzt und festgehalten, welche Teile der Früchte gefressen wurden. Dem Pavian schienen die Samen der Früchte am besten zu schmecken, obwohl er auch das Perikarp und das Fruchtfleisch fraß. Zur Verarbeitung der Samen nutzte er die Backenzähne, um die Samen zu punktieren und zu zerquetschen. Die Forscher glauben, dass die stark bilophodonten Molaren eine Anpassung an die Ernährung von Samen sind [8].


Sozialverhalten

Der Guinea-Pavian (Papio papio) ist die am wenigsten erforschte Art der Gattung Papio. Da man sie wegen ihres Lebensraums schlecht beobachten kann, ist nicht viel bekannt über diese Affen. Die soziale Organisation scheint mehrere Ebenen zu haben, ähnlich wie dies bei den Mantelpavianen der Fall ist. Bei diesen ist die grundlegende soziale und reproduktive Einheit die "One-Male-Unit" (OMU, zu deutsch: Ein-Männchen-Einheit). Innerhalb dieser OMU gibt es nur ein einziges erwachsenes Männchen, das sich mit einem oder mehreren Weibchen paart. Diese OMUs können sich an Schlafplätzen und in gefährlichen Gebieten (wo es z.B. viele Raubtiere gibt) zu größeren Verbänden zusammenschließen. Die Männchen der Guinea-Paviane (Papio papio) halten im Gegensatz zu den Mantelpavianen ihre Weibchen nicht aggressiv zusammen, obwohl auch sie die Bewegungen der Gruppen kontrollieren [2][5].

Obwohl erwachsene Männchen in der Lage sein müssten, den sexuellen Zugang anderer Männchen zu den Weibchen in ihrer OMU zu unterbinden, wurden mehrere Männchen, sowohl adulte wie subadulte beobachtet, wie sie sich mit dem gleichen Weibchen paarten. Bei diesen Beobachtungen waren die erwachsenen Männchen nicht aggressiv und scheinbar tolerant zueinander [4][5]. Wenn solche polyandrischen Paarungen bei Guinea-Pavianen (Papio papio) die Regel sind, würden sie innerhalb der Gattung Papio eine Ausnahme bilden. Die meisten männlichen Paviane stehen unter großem Wettbewerb um den Zugang zu geschlechtsreifen Weibchen. Aus diesem Wettbewerb heraus gründen sie entweder einzelne Harems, wie es bei den Mantelpavianen der Fall ist, oder sie gehen vorübergehende Partnerschaften mit empfängnisbereiten Weibchen ein, bei denen sie alleinigen Zugang zu den Weibchen haben, wie es bei anderen Pavianarten üblich ist [15][19]. Es sei darauf hingewiesen, dass diese Paarungen beobachtet wurden, während sich die Guinea-Paviane (Papio papio) in ihren Schlafbäumen aufhielten [4]. Diese Bäume sind in der Regel sehr hoch, und da gibt es ein reales Risiko abzustürzen und zu sterben. Daher kann es sein, dass die beobachteten Paarungen nicht auf eine besondere Toleranz der Männchen zurückzuführen sind, sondern dass sie wegen der Gefährlichkeit der Situation nicht aggressiv reagierten [4].


Fortpflanzung

Es gibt praktisch keine Informationen über die Fortpflanzung der Guinea-Paviane (Papio papio). Einige Forscher berichten, dass die Tragzeit etwa 184 Tage dauert und die Weibchen etwa alle 13 bis 14 Monate gebären [9]. In Gefangenschaft zeigen junge Weibchen die sexuellen Schwellungen erstmals in einem Alter knapp unter 4 Jahren. Sie hält für durchschnittlich 13 Tage an. Der Sexualzyklus beträgt 29 Tage. Bei ihrer ersten Schwangerschaft sind die Weibchen knapp 4½ Jahre alt. Das Timing dieser Ereignisse ist in der Regel bei in Gefangenschaft gehaltenen Tieren im Vergleich zu ihren wildlebenden Artgenossen beschleunigt. Es gibt keine Daten über den Zeitpunkt der Geschlechtsreife bei den Männchen der Guinea-Paviane (Papio papio), bei anderen Pavianen werden die Männchen etwa im Alter zwischen 5 und 7 Jahren geschlechtsreif, möglicherweise trifft dies auch für diese Art zu [6][9].


Verhalten

Bei anderen Pavianarten gibt es spezifische Muster der Verbreitung von Männchen und Weibchen, die wichtig sind bei der Strukturierung des sozialen Systems. Zum Beispiel verlassen bei Mantelpavianen die Weibchen ihre Geburtsgruppen und jedes wird Teil einer sozialen Einheit, die von einem einzigen Männchen kontrolliert wird. Bei Steppen- und Anubispavianen bleiben die Weibchen ein Leben lang in ihrer Geburtsgruppe und pflegen langfristige Bindungen mit ihren weiblichen Verwandten. Die soziale Struktur der Gruppe wird durch die Verwandtschaftsbeziehungen der Weibchen mit stabilen Hierarchien geprägt. Die Männchen wandern in neue soziale Gruppen aus und müssen sich dort erst einen Platz in der Dominanzhierarchie suchen [18]. Es ist weder bekannt, ob bei Guinea-Pavianen (Papio papio) die Männchen oder die Weibchen abwandern, noch ob es einen stabilen weiblichen Kern innerhalb einer Gruppe gibt. Die Stabilität der OMUs über eine gewisse Zeit wurde noch nicht untersucht und die Verwandschaftsbeziehungen zwischen den Männchen, deren OMUs sich zu Verbänden zusammenschließen, sind nicht bekannt.

Obwohl wenig über die sozialen Beziehungen dieser Paviane in freier Wildbahn bekannt ist, zeigen einige Studien in Gefangenschaft, dass die Beziehungen zwischen männlichen Paviane sehr stark und vertrauensvoll sein können. Zum Beispiel weiß man, dass erwachsene Männchen zur Begrüßung ihre Genitalien einander anfassen, um die Absicht von Kooperation zu vermitteln. Angesichts der potenziellen Schäden, die ein Konkurrent an den Genitalien während des Grußes anrichten kann, muss es offenbar eine starke Bindung und großes Vertrauen geben. Männchen mit engen Beziehungen neigen eher dazu, sich so zu begrüßen, als bloße Bekannte. Solches Vertrauen und Zusammenarbeit zwischen den Männchen könnte in freier Wildbahn notwendig sein, um OMUs vorrübergehend in größeren Verbänden zusammenzuführen [20]

Guinea-Paviane (Papio papio) sind tagaktive, vor allem bodenlebende, vierbeinige Primaten. Während des Gehens tragen sie ihr Gewicht vorne auf der Unterseite der Finger und hinten entlang der gesamten Sohle der Füße. Sie sind wendige Kletterer und verbringen die Nacht in der Regel in großen Bäumen [4][14]. Guinea-Paviane (Papio papio) werden vor der Morgendämmerung aktiv und beginnen den Tag mit Wasserlassen und Stuhlgang. Die Jugendlichen sind zuerst wach, die erwachsenen Männchen zuletzt. In der trockenen Jahreszeit, wenn die Sonne später aufgeht, neigen die Paviane dazu, ihre Schlafbäume früher zu verlassen. Sobald einige Tiere den Baum verlassen folgen schnell die anderen - die gesamte Schlafgemeinschaft ist innerhalb weniger Minuten auf dem Boden [1].

Nach dem Verlassen ihrer Schlafplätze beginnen Guinea-Paviane (Papio papio) mit ihrer täglichen Futtersuche. Dabei teilt sich die frühere Schlafgruppe in kleinere Parteien auf. Laute ermöglichen den Gruppen in Kontakt miteinander zu bleiben, auch wenn sie außer Sichtweite sind. Die Bewegungen der Gruppen werden offenbar durch diese Laute koordiniert, da die Untergruppen erneut zusammenkommen, etwa bei der Ankunft in offenes, und vermutlich gefährliches Gelände [3].

Forscher haben kürzlich entdeckt, dass Guinea-Paviane (Papio papio) Höhlen nutzen. Im Gegensatz zu Bärenpavianen (Papio ursinus), die manchmal in Höhlen schlafen, scheinen Guinea-Paviane (Papio papio) die Höhlen zu betreten, um die Wände zu lecken. Diese Art der Geophagie kann ein Weg sein, um an essentielle Salze zu gelangen. Ein ganzer Trupp ist beim Verlassen einer Höhle gesehen worden, was darauf hindeutet, dass die Höhlennutzung eine Gruppenangelegenheit ist, und nicht nur von wenigen Individuen praktiziert wird [12].


Systematik


Kommunikation

Guinea-Paviane (Papio papio) sind sehr kommunikative Primaten. Sie kommunizieren miteinander mit einer Vielzahl von Lauten und physichen Interaktionen. Neben den Lautäußerungen, die füreinander bestimmt sind, haben diese Tiere Vokalisationen, die anscheinend an Raubtiere gerichtet sind [3][20].

Die Lebenserwartung bei Guinea-Pavianen (Papio papio) ist nicht bekannt. Allerdings weiß man von Mantelpavianen, dass sie ca. 35 Jahre alt werden können - in Gefangenschaft wurde ein Tier 45 Jahre alt. Es ist wahrscheinlich, dass die Lebenerwartung der Guinea-Paviane (Papio papio) ähnlich sind. [9][15]


Gefahren

Spezifische Details über Räuber, die Guinea-Pavianen (Papio papio) gefährlich werden können, sind nicht verfügbar. Allerdings wird vermutet, dass die großen afrikanischen Fleischfresser, wie afrikanische Wildhunde, Löwen, Leoparden und Hyänen Jagd auf die Paviane machen [3]. Guinea-Paviane (Papio papio) scheinen zwei Strategien zu verfolgen, um Verluste an Raubtiere zu vermeiden. Wenn mutmaßliche Räuber des nachts bemerkt werden, beginnen erwachsene männliche Paviane mit langen Ruf-Salven. Diese können die Raubtiere auf die Anwesenheit der erwachsenen Männchen aufmerksam machen und sie so vor einem riskanten Angriff auf die Schlafgruppe warnen. Wenn Raubtiere bereits sehr nahe sind, scheinen sich die Paviane auf Tarnung zu verlassen - sie werden mucksmäuschenstill, bis das Raubtier den Schlafbaum passiert hat [3].

Darüber hinaus schlafen Guinea-Pavianen (Papio papio) in sehr großen Bäumen, die für Raubtiere möglicherweise schwer zugänglich sind. In der Tat haben die Paviane selbst einige Schwierigkeiten beim Erklettern ihrer Schlafplätze - sie können die Krone eines großen Baumes oft nur von den Ästen kleinerer Bäume aus erreichen. Die Nutzung solch schwieriger Schlafplätze kann als ein Verhalten gewertet werden, um Rauptierangriffe zu vereiteln [4][11].

Guinea-Paviane (Papio papio) leiden unter verschiedenen Parasiten, deren Wirte sie sind. McGrew et al. (1989) untersuchten die Darmparasiten der Guinea-Paviane (Papio papio) am Mont Assirik. Sie fanden heraus, dass Guinea-Paviane (Papio papio) von Nematoden, Trematoden und Protozoen befallen sind. Es ist nicht bekannt, was dieser Parasitenbefall für die Gesundheit der Paviane bedeutet [11].

Ganz anders als bei anderen Pavianen gibt es bei Guinea-Pavianen (Papio papio) angesichts der landwirtschaflichen Expansion Grund zu der Annahme, dass ihre Ausdehnung zurückgegangen ist. Auch Jagd und Verfolgung scheinen dazu beizutragen, dass die Populationen in den vergangenen 30 Jahren möglicherweise in der Größenordnung von etwa 20-25% zurückgegangen sind. Ihre Anpassungsfähigkeit an eine Vielzahl von Lebensräumen ermöglichte es jedoch, dass sie gebietsweise immer noch recht häufig sind. Die Weltnaturschutzunion führt die Art auf ihrer Vorwarnliste (Near Threatened).

[1] Anderson und McGrew, 1984; [2] Boese, 1973; [3] Byrne 1981; [4] Dunbar und Nathan, 1972; [5] Galat-Luong et al., 2005; [6] Gauthier, 1999; [7] Groves, 2001; [8] Happel, 1988; [9] Harvey et al., 1987; [10] Jolly, 1993; [11] McGrew et al., 1989; [12] McGrew et al., 2003; [13] Napier, 1981; [14] Napier und Napier, 1985; [15] Nowak, 1999; [16] Oates, J.F., Gippoliti, S. & Groves, C.P. 2008. Papio papio. In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 04 June 2010; [17] Primate Info Net 2010; [18] Pusey und Packer, 1987; [19] Smuts, 1987b; [20] Whitham und Maestripieri, 2003; [21] Rowe, N. 1996.
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