Amöbe

Amoeba proteus
Amöbe (Zeichnung von 1900). n. Zellkern (nucleus); w.v. Wasservakuole; c.v. kontraktile Vakuole; f.v. Nahrungsvakuole.“

Die Amöben (griechisch amoibos = wechselnd) oder Wechseltierchen sind eine große, vielgestaltige Gruppe von Einzellern, die keine feste Körperform besitzen, sondern durch Ausbildung von Scheinfüßchen (Pseudopodien) ihre Gestalt laufend ändern. Amöben sind eine Lebensform, keine Verwandtschaftsgruppe (Taxon).

Formen

Amöben sind zwischen 0,1 und über 0,3 mm groß. Die meisten Arten sind nackt; es gibt aber auch beschalte Formen (Thecamoeben). Neben den heterotrophen Arten, die sich durch Phagozytose ernähren, gibt es auch amöboid bewegliche Einzeller, die Chloroplasten enthalten und Photosynthese betreiben. Am bekanntesten sind die „Riesenamöben“ der Gattungen Amoeba und Chaos.

Systematische Verbreitung

Amöbenartige Lebensformen haben sich getrennt voneinander in verschiedensten Taxa entwickelt. Sie bilden daher eine Lebensform oder Organisationsstufe, aber keine taxonomische Gruppe.

Die heterotrophen, also keine Photosynthese betreibenden Amöben (mit Ausnahme der Schleimpilze) wurden traditionell zu den Wurzelfüßern (Rhizopoda) gerechnet. Nach heutiger Systematik verteilt sich der Großteil auf die Amoebozoa (einschließlich Schleimpilze), die Rhizaria (zusammen mit den anderen Gruppen der Wurzelfüßer wie Foraminiferen, Strahlentierchen und einem Großteil der Sonnentierchen) und die Heterolobosea innerhalb der Excavata (z. B. die Fließamöben, Vahlkampfia). Hinzu kommen verschiedene autotrophe (Photosynthese treibende), traditionell zu den Algen gezählte Vertreter der Chromalveolata.[1] Bemerkenswert sind auch die Chlorarachniophyta, Vertreter der Rhizaria, die früher wegen ihrer Chloroplasten zu den Grünalgen gestellt wurden.

Vorkommen

Amöben sind fast überall zu finden. Manche Gattungen sind global von der Arktis bis zur Antarktis verbreitet, und viele können sogar aus der Luft isoliert werden, wobei es sich zumeist um Dauerstadien (Zysten) handelt. Besonders zahlreich sind sie in feuchten Böden vorhanden, viele Gattungen sind aber auch im Süßwasser und im Meerwasser verbreitet.[2]

Zellaufbau

Amöben sind meist durchsichtig und können ihre Form ständig verändern. Im Zellinneren sieht man das körnige Endoplasma (auch: Entoplasma) pulsieren, das viele kleine Bläschen enthält. Weiter außen liegt das strukturlos wirkende Ektoplasma. Der Zellkern ist meistens schlecht erkennbar.

Fortbewegung

Zur Fortbewegung bilden Amöben Plasmafortsätze, die Scheinfüßchen oder Pseudopodien, aus. Dies geschieht durch lokale Kontraktion des Cytoskeletts, durch die das dortige Cytoplasma unter Druck gesetzt wird. Es entsteht eine Cytoplasmaströmung in Bereiche niedrigeren Drucks, was dort zur Ausbildung von Pseudopodien führt. Durch Anheftungspunkte (Adhäsions-Plaques) der Pseudopodien besteht ein Kontakt zum Untergrund. Im Grunde verläuft die Fortbewegung in drei Schritten: 1. Extension: Die Pseudopodien werden in Fortbewegungsrichtung ausgebildet. 2. Adhäsion: Die Scheinfüßchen werden durch neue Adhäsionspunkte auf der Unterlage befestigt. 3. Retraktion: Der restliche amöboide Körper wird nachgezogen.

Diese Fortbewegung unter laufender Gestaltänderung bezeichnet man als amöboid.

Nahrungsaufnahme

Amöben fangen ihre Beute, Bakterien und andere Einzeller, indem sie diese mit ihren Scheinfüßchen umfließen und dann in ihrem Körper innerhalb von Nahrungsvakuolen einschließen und verdauen. Diese Art der Aufnahme fester Nahrungspartikel nennt man Phagozytose. Im Inneren der Nahrungsvakuole wird die Nahrung durch Verdauungsenzyme zerkleinert und in eine wasserlösliche Form gebracht. Verwertbares wird durch die Vakuolenmembran in das Zytoplasma übernommen; diesen Vorgang nennt man Resorption.

Daneben gibt es auch die Aufnahme von Flüssigkeiten und darin gelösten Substanzen in Form der Pinozytose. Oft bilden die Amöben dafür einen längeren Pinozytosekanal aus, an dessen Ende ein flüssigkeitsgefülltes Bläschen ins Zellinnere abgeschnürt wird.

Wasserausscheidung

Süßwasser-Amöben verfügen über eine kontraktile Vakuole, die den Wasserhaushalt regelt. Da Amöben durch die Nahrung ständig Ionen aufnehmen, kommt es in ihrem Innern zur Erhöhung des osmotischen Drucks, weil Wasser aus der hypotonischen Umgebung in das höher konzentrierte Cytoplasma diffundiert. Dies muss die Amöbe unter Energieeinsatz ausgleichen, um nicht zu platzen. Dazu pumpt die pulsierende Vakuole Wasser aus der Zelle.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung der Amöben erfolgt grundsätzlich asexuell durch simple Teilung. Verbreitet scheinen jedoch auch parasexuelle Aktivitäten vorzukommen, und vereinzelt gibt es Hinweise auf echte Sexualität, die bislang aber in keinem Fall gesichert sind.[3] Etliche Arten bilden außerdem begeißelte Schwärmer (Zoosporen).

Pathogenität

Viele Amöben sind pathogen, einige von ihnen können auch beim Menschen schwere Krankheiten verursachen. So ruft die Magna-Form von Entamoeba histolytica die Amöbenruhr, eine schwere Magen-Darm-Erkrankung, hervor. Darüber hinaus beherbergen viele Amöben-Arten pathogene Bakterien wie etwa Legionellen.[4]

Sonstiges

  • Amöben dienen als Vorbilder der Amöbenorganisation, einer Form der Unternehmensführung.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Adl et al.: The New Higher Level Classification of Eukaryotes with Emphasis on the Taxonomy of Protists. The Journal of Eukaryotic Microbiology 52 (5), 2005; Seiten 399-451, vgl. Literaturangabe in Amoebozoa.
  2. Maciver, Ecology of the amobae
  3. Maciver, Sex and the single Amoeba, letztes Update 8/02
  4. Maciver, The Amoebae

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