Dodo



Dodo

Dodo (Raphus cucullatus)

Systematik
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
Familie: Tauben (Columbidae)
Gattung: Raphus
Art: Dodo
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Raphus
Brisson 1760
Wissenschaftlicher Name der Art
Raphus cucullatus
(Linnaeus 1758)

Der Dodo oder auch die Dronte, seltener Doudo oder Dudu (Raphus cucullatus, „kapuzentragender Nachtvogel“) war ein etwa einen Meter großer, flugunfähiger Vogel, der ausschließlich auf den Inseln Mauritius und Réunion im Indischen Ozean vorkam. Der Dodo lebte von vergorenen Früchten und nistete auf dem Boden.

Die Forschung geht aktuell davon aus, dass die Spezies um 1690 ausstarb.

Aussehen

Darstellung eines Dodo durch Ustad Mansur, 1612

Aus Berichten weiß man, dass der Dodo ein blaugraues Gefieder, einen etwa 23 Zentimeter langen, schwärzlichen, gebogenen Schnabel mit einem rötlichen Punkt sowie sehr kleine nutzlose Flügel und einen Büschel mit gekräuselten Federn als Schwanz hatte und gelbe Eier legte. Dodos waren sehr groß und wogen über 20 Kilogramm. Wegen seiner schwachen Brustmuskulatur konnte der Dodo nicht fliegen. Das war auch nicht nötig, da er auf Mauritius keine Fressfeinde hatte.

Traditionell hat man vom Dodo die Vorstellung eines fetten, plumpen und unbeholfenen Vogels. Der Biologe Andrew Kitchen erklärt den Eindruck dadurch, dass die alten Zeichnungen überfettete, in Gefangenschaft lebende Vögel zeigen. Da Mauritius trockene und feuchte Jahreszeiten hat, hat der Dodo sich möglicherweise am Ende der Regenzeit Fett angefressen, um so die Trockenperioden, in denen Nahrungsmangel herrschte, zu überdauern. In Verbindung mit der Gefangenschaft, in der Nahrung das ganze Jahr vorhanden war, wurde der Dodo überfüttert und somit besonders fett.

Eine der wenigen realistischen Abbildungen eines lebenden Dodo schuf der indische Maler Ustad Mansur zu Beginn des 17. Jahrhunderts.

Aussterben

1690 berichtete der Engländer Benjamin Harry zum letzten Mal von einem Dodo auf Mauritius. Hauptgrund für das Aussterben der Art dürften eingeschleppte Ratten sowie eingeführte und verwilderte Haustiere gewesen sein und hier vor allem Schweine und Affen, welche die Gelege der bodenbrütenden Vögel zerstörten, indem sie ihre Eier fraßen. Da der Dodo ursprünglich keine Feinde besaß, verfügte er über kein Flucht- oder Verteidigungsverhalten. Die Zutraulichkeit des Dodo und die Flugunfähigkeit machten ihn für Menschen zu einer leichten Beute. Er war zwar nicht wohlschmeckend, aber geeignet als Frischfleisch für lange Seefahrten. Auch die Eier wurden von Seeleuten in Massen gegessen.

Weniger als 100 Jahre nach seiner Entdeckung war der Dodo ausgestorben. Davon wurde wenig Notiz genommen, bis der Dodo 1865 in Alice im Wunderland von Lewis Carroll erwähnt wurde. Mit der Popularität des Buches wuchs auch die Popularität des Vogels.

Forschung

Einem Forscherteam der Oxford-Universität um Beth Shapiro gelang es 2002, DNA-Bruchstücke aus Knochen zu isolieren. Der DNA-Vergleich zeigte eine enge Verwandtschaft des Dodo zu dem ebenfalls ausgestorbenen Rodrigues-Solitär und der heute noch lebenden ostasiatischen flugfähigen Kragentaube.

Im Juni 2006 entdeckte eine von dem niederländischen Geologen Kenneth Rijsdijk geleitete Forschergruppe auf Mauritius ein ganzes Depot von Tierknochen und Pflanzensamen in einer Grube in einem ehemaligen Moor. Unter diesen wurden auch viele Skelett-Teile des Dodos gefunden, etwa auch ein vollständiges Bein und ein sehr selten gefundener Schnabel. Rijsdijk schätzte seinen Dodo-Fund als den umfangreichsten überhaupt ein. Der Fund des Dodo-Massengrabes wird von dem niederländischen Forschungsteam auch als Indiz dafür gewertet, dass eine Naturkatastrophe noch vor Ankunft des Menschen einen signifikanten Teil des Dodo-Ökotops und der Dodo-Population ausgelöscht hat. Bei der Naturkatastrophe könnte es sich um einen Zyklon oder ein plötzliches Ansteigen des Meeresspiegels gehandelt haben.

Obwohl einige Museen eine Kollektion von Dodo-Skeletten ausstellen, gibt es bisher weltweit kein vollständig erhaltenes Skelett. Anfang 2011 wurde im Grant-Museum für Zoologie und vergleichende Anatomie der Universität London bei einem Umzug in einer Schublade die Hälfte eines Dodos entdeckt.[1] Ein Dodo-Ei wird im East London Museum in Südafrika gezeigt.

Der Vogel und der Dodobaum

Der Samen des Calvariabaumes (Dodobaum) Sideroxylon grandiflorum, eines früher häufig vorkommenden Baumes auf Mauritius, kann nur schwer zum Keimen gebracht werden. Die Theorie, dass er nur nach Passage des Darmtrakts des Dodo keimt, ist aber nicht ausreichend belegt.

Namensgebung

Der früheste schriftliche Beleg für das Wort Dodo stammt aus dem Tagebuch von Kapitän Willem van West-Zanen von 1602.[2] Allerdings ist nicht auszuschließen, dass der Begriff Dodo auch früher schon verwendet wurde. Der Ursprung des Wortes Dodo ist unbekannt und wird daher kontrovers beschrieben:

  • Eine Theorie besagt, dass Dodo von dodaar stammt, dem niederländischen Namen des Zwergtauchers. Der Zwergtaucher kann genauso schlecht laufen, und dies machte ihn früher zu einer leichten Beute für niederländische Segler.
  • Eine andere Theorie leitet das Wort vom veralteten portugiesischen doudo ab, was so viel bedeutet wie „Narr“ oder „Einfaltspinsel“. Der Vogel soll diesen Namen von den Seefahrern erhalten haben, da dieser Vogel den Menschen immer sehr nahe kam und es leicht war, ihn zu erlegen.
  • David Quammen vermutet, dass Dodo eine onomatopoetische Annäherung an den vom Dodo abgegebenen Laut ist: ein zweitöniger taubenähnlicher Ruf, der sich wie doo-doo anhörte.[3]

Verwandte Arten

Mit dem Rodrigues-Solitär auf Rodrigues wurde der Dodo (früher wissenschaftlich auch Didus ineptus genannt) in der Familie der Dronten (Raphidae) innerhalb der Ordnung Taubenvögel zusammengefasst. Nach Gesichtspunkten der Abstammungsgeschichte (Phylogenese) müssen diese zwei Arten in die Familie der Tauben (Columbidae; A. Janoo 2005) gestellt werden. Alle Dronten waren flugunfähige, große Vögel, die ausschließlich auf je einer der Inseln des Maskarenen-Archipels lebten.

Vom rätselhaften Réunion-Solitär („Raphus solitarius“, „Weißer Dodo“) von der Insel Réunion sind nur einige schwer interpretierbare Abbildungen übriggeblieben. Nach einer neueren Theorie ist er identisch mit dem ausgestorbenen Ibis Threskiornis solitarius. Nach anderen Ansichten handelte es sich um Vögel, die durch Seefahrer von Mauritius nach Réunion gebracht worden waren. Das hellere Gefieder wäre dann dadurch erklärbar, dass es sich um Albinos oder um Jungvögel gehandelt haben könnte.

Bilder von Dodos

Heraldik

Der Dodo ist das Wappentier im Wappen von Mauritius. Hier ist er der (heraldisch) rechte Schildhalter.

Literatur

  • Anthony Cheke, Julian Hume: Lost Land of the Dodo. Poyser, 2008, ISBN 0-7136-6544-0
  • Errol Fuller: Dodo – A brief history. Collins, London 2003, ISBN 0-00-714572-1
  • Errol Fuller: Dodo, from extinction to icon. Collins, London 2002, ISBN 0-00-714572-1
  • Errol Fuller: The Dodo – Extinction in Paradise. Bunker Hill, Charleston MA 2003, ISBN 1-59373-002-0
  • Georg Menting, Gerhard Hard: Vom Dodo lernen – Öko-Mythen um einen Symbolvogel des Naturschutzes. In: Naturschutz und Landschaftsplanung. Ulmer, Stuttgart 2001,1. ISSN 0940-6808
  • Clara Pinto-Correia: Return of the Crazy Bird – The Sad, Strange Tale of the Dodo. Copernicus Books, New York 2002, ISBN 0-387-98876-9
  • David Quammen: Der Gesang des Dodo. Ullstein, München 2001, ISBN 3-548-60040-9
  • Henry Nicholls (2006): Digging for Dodo. In: Nature 443, 138-140
  • Vincent Ziswiler: Der Dodo – Fantasien und Fakten zu einem verschwundenen Vogel. Ausstellungskatalog. Zoologisches Museum der Universität Zürich, Zürich 1996, ISBN 3-9521043-1-0
  • Padma Rao: Blick ins Paradies. In: Der Spiegel. Nr. 41, 2006, S. 220 (online).

Weblinks

Commons: Dodo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Dodo – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Deutschlandradio Kulturnachrichten vom 22. Februar 2011
  2. France Staub: Dodo and solitaires, myths and reality. In: Proceedings of the Royal Society of Arts & Sciences of Mauritius, 1996.
  3. David Quammen: The Song of the Dodo: Island Biogeography in an Age of Extinction. Touchstone, New York 1996.

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