Groppenartige

Groppenartige
Groppe (Cottus gobio)

Groppe (Cottus gobio)

Systematik
Teilkohorte: Eurypterygii
Ctenosquamata
Acanthomorpha
Stachelflosser (Acanthopterygii)
Barschverwandte (Percomorpha)
Ordnung: Groppenartige
Wissenschaftlicher Name
Cottiformes
Berg, 1940

Die Groppenartigen (Cottiformes) sind eine neu aufgestellte Ordnung der Percomorpha [1], der barschähnlichen Fische, die zwei bisher in anderen Ordnungen geführte Unterordnungen vereint, die Groppenverwandten (Cottoidei) aus der Ordnung der Drachenkopfartigen (Scorpaeniformes) und die Aalmutterartigen (Zoarcoidei) aus der Ordnung der Barschartigen (Perciformes). Die neue Ordnung ist notwendig geworden, nachdem man festgestellt hat, dass beide alte Ordnungen polyphyletisch sind und Cottoidei und Zoarcoidei näher miteinander verwandt sind als mit den anderen Unterordnungen der Scorpaeniformes bzw. der Perciformes.[2][3]

Der Lebensraum der Groppenartigen sind vor allem die kühlen Meere der nördlichen Erdhalbkugel. Nur die etwa 60 Arten der Gattung Cottus und die phylogenetisch innerhalb der Gattung Cottus stehenden Groppen des Baikalsees kommen in Süßgewässern vor.

Merkmale

Zu den Groppenartigen gehören vor allem langgestreckte Bodenbewohner. Eine Schwimmblase, die dazu dient, das spezifische Gewicht des Fisches dem des umgebenden Wassers anzugleichen, so dass der Fisch im Wasser schweben kann, fehlt allen Arten. Insgesamt geben die japanischen Ichthyologen Imamura & Yabe 13 Synapomorphien für das Taxon an [2]. Weitere sind:

  • Parasphenoid und Pterosphenoid, zwei Schädelknochen, sind zusammengewachsen.
  • Es gibt sechs Branchiostegalstrahlen.
  • Das dritte Epibranchiale (Knochenstütze des oberen Astes des dritten Kiemenbogens) ist ohne Zahnplatte.
  • Das seitliche Extrascapulare (ein Schädelknochen) besteht aus zwei Einzelknochen.
  • Die Flossenstrahlenträger (Pterygiophor) der Rückenflosse stehen einzeln in den Zwischenräumen zwischen den Neuralfortsätzen der Wirbel. [1]
  • Auf dem Scheitelbein (Parietale) ist das Seitenlinienorgan ohne Stacheln.

Die Synapomorphien der Groppenartigen treten in unterschiedlichen Kombinationen auch bei verschiedenen Familien der Scorpaeniformes und in einigen Barschfamilien auf [1]. Die nahe Verwandtschaft der beiden Gruppen gründet sich deshalb vor allem auf molekularbiologische Untersuchungen [2].

Systematik

Zur Ordnung der Cottiformes gehören zwei Unterordnungen, 23 Familien, etwa 250 Gattungen und 1000 Arten [4].

Steinpicker (Agonus cataphractus)
Seehase (Cyclopterus lumpus)
Gestreifter Seewolf
(Anarhichas lupus)

Nach Ansicht einiger Wissenschaftler gehören auch die Stichlingsartigen i.e.S. (Gasterosteoidei) in die Cottiformes [3][5][6][7].

Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 E. O. Wiley & G. David Johnson: A teleost classification based on monophyletic groups. Joseph S. Nelson, Hans-Peter Schultze & Mark V. H. Wilson: Origin and Phylogenetic Interrelationships of Teleosts. 2010, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, ISBN 978-3-89937-107-9
  2. 2,0 2,1 2,2 H. Imamura & M. Yabe: Demise of the Scorpaeniformes (Actinopterygii: Percomorpha): An Alternative Phylogenetic Hypothesis. Bulletin of Fisheries Sciences, Hokkaido University , VOL.53, NO.3, PAGE.107-128(2002) Abstract
  3. 3,0 3,1 William Leo Smith and Ward C. Wheeler: Polyphyly of the mail-cheeked fishes (Teleostei: Scorpaeniformes): evidence from mitochondrial and nuclear sequence data, Molecular Phylogenetics and Evolution Volume 32, Issue 2, August 2004, Pages 627–646 Abstract online
  4. Joseph S. Nelson: Fishes of the World. Seite 333 und 396, John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7
  5. Chen W.-J., Bonillo, C. & Lecointre, G. (2003): Repeatability of clades as a criterion of reliability: a case study for molecular phylogeny of Acanthomorpha (Teleostei) with larger number of taxa. – Molec. Phylogenet. Evol. 26(2): 262-288.
  6. Masaki Miya et al. (2003): Major patterns of higher teleostean phylogenies: a new perspective based on 100 complete mitochondrial DNA sequences. Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 26, Issue 1, January 2003, Pages 121-138 doi:10.1016/S1055-7903(02)00332-9
  7. Agnès Dettai & Guillaume Lecointre: Further support for the clades obtained by multiple molecular phylogenies in the acanthomorph bush. Comptes Rendus Biologies, Volume 328, Issue 7, July 2005, Pages 674-689 doi:10.1016/j.crvi.2005.04.002

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