Isisaurus

Isisaurus
Zeitraum
Maastrichtium (Oberkreide)
70,6 bis 65,5 Mio. Jahre
Fundorte
  • Indien (Lameta-Formation)
Systematik
Dinosaurier (Dinosauria)
Echsenbeckensaurier (Saurischia)
Sauropodomorpha
Sauropoden (Sauropoda)
Titanosauria
Isisaurus
Wissenschaftlicher Name
Isisaurus
Wilson & Upchurch, 2003
Art
  • Isisaurus colberti (Jain & Bandyopadhyay, 1997)

Isisaurus ist eine Gattung sauropoder Dinosaurier aus der Gruppe der Titanosauria. Bisher ist ein einziges fragmentarisches, schädelloses Skelett bekannt, das aus der Oberkreide (Maastrichtium) Indiens stammt. Einzige Art ist Isisaurus colberti. Anfangs wurde dieses Skelett 1997 als Art von TitanosaurusTitanosaurus colberti – beschrieben. 2003 stellten Jeffrey Wilson und Paul Upchurch fest, dass diese Art tatsächlich einer eigenen Gattung zugeschrieben werden muss, die sie Isisaurus nannten.[1]

Merkmale

Isisaurus war ein mittelgroßer Sauropode. Wie alle Sauropoden war dieser Pflanzenfresser durch einen tonnenförmigen Körper und einen langen Hals und Schwanz gekennzeichnet. Isisaurus gehörte zu den fortschrittlicheren (abgeleiteteren) Titanosauria, was sich an einer Reihe gemeinsam abgeleiteter Merkmale (Synapomorphien) zeigt: So fehlten beispielsweise die für andere Sauropodengruppen typischen zusätzlichen mechanischen Verbindungselemente der Rückenwirbel, die Hyposphen-Hypantrum-Verbindungen, was die Wirbelsäule flexibler machte. Außerdem zeigte die Elle (Ulna) ein ausgeprägtes Olekranon, ein Knochensporn, der sich am oberen Ende bis über die Gelenkknorren erstreckte. Des Weiteren waren die vorderen Dornfortsätze der Schwanzwirbel relativ breit, während die Wirbelkörper der vorderen und mittleren Schwanzwirbel auf der Vorderseite stark konkav (procoel) waren.[1]

Von anderen Titanosauria unterscheidet sich Isisaurus durch verschiedene einzigartige Merkmale (Autapomorphien) an den Wirbeln: So waren beispielsweise die Parapophysen der Schwanzwirbel in Richtung der Körperachse (anteroposterior) verlängert. Zudem waren die Chevron-Knochen in Richtung der Körperachse verkürzt.[1]

Systematik

Die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Titanosauria sind umstritten. Für gewöhnlich wird Isisaurus innerhalb der Lithostrotia (=Titanosauriae) eingeordnet, eine Gruppe fortschrittlicherer Titanosauria.[2] Innerhalb der Lithostrotia wird häufig die Gruppe Saltasauridae geführt, welche sehr fortgeschrittene Titanosauria wie Saltasaurus beinhaltet. Während Wilson (2002) Isisaurus für das Schwestertaxon der Saltasauridae hält[1] – die Gattung also außerhalb der Saltasauridae einordnet – schlägt Curry Rogers (2005) eine Einordnung innerhalb der Saltasauridae vor – als Vertreter der Opisthocoelicaudiinae.[3]

Paläobiologie

Forscher um Neeta Sharma (2005) entdeckten versteinerten Dung (Koprolithe), der von Isisaurus stammen könnte. Diese Koprolithe enthielten verschiedene Pilze, die über die Blätter von Bäumen in den Darmtrakt dieser Tiere gelangen. Daraus schließen die Forscher, dass Isisaurus die Kronen von Bäumen abweidete.[4]

Fund, Forschungsgeschichte und Namensgebung

Die Fundstelle befindet sich nahe Dongargaon Hill im Distrikt Chandrapur in Maharashtra im zentralen Indien. Die Gesteine der Fundstelle gehören zur Lameta-Formation und wurden während des Maastrichtiums, der letzten Stufe der Oberkreide, abgelagert. Das Skelett (Holotyp, Exemplarnummer ISI R335/1-65) ist assoziiert und gut erhalten, im Gegensatz zu fast allen anderen indischen Dinosaurierfunden, die meistens nur aus isoliert vorgefundenen Knochen bestehen. Es besteht aus Teilen der Wirbelsäule, dem Schultergürtel, dem Becken sowie einem Vorderbein ohne Handskelett. Schädelknochen wurden nicht gefunden.[1]

Dieses Skelett wurde von Jain und Bandyopadhyay 1997 erstmals wissenschaftlich beschrieben, als Titanosaurus colberti. Das Skelett überlappt sich mit dem Typmaterial von Titanosaurus, das lediglich aus zwei mittleren Schwanzwirbeln besteht, was einen direkten Vergleich erlaubt. Jain und Bandyopadhyay bemerkten wichtige Unterschiede, wie beispielsweise die Form der Wirbelkörper und die Ausgeprägtheit der Ansatzstellen der Chevron-Knochen. Upchurch und Wilson (2003) bemerken jedoch, dass diese Unterschiede zu groß und die gemeinsamen Merkmale nicht ausreichend seien, um Titanosaurus colberti weiterhin als Art von Titanosaurus zu betrachten. Somit beschrieben sie das Skelett als neue Gattung – Isisaurus.[1]

Der Name Isisaurus ehrt das Indische Statistik-Institut (Indian Statistical Institute, ISI), dessen Wissenschaftler das Skelett entdeckt und erstmals beschrieben haben. Die Endung saurus ist altgriechisch für Echse.[1]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6  Jeffrey A. Wilson, Paul Upchurch: A Revision of Titanosaurus Lydekker (Dinosauria - Sauropoda), the first dinosaur genus with a 'gondwanan' distribution. In: Journal of Systematic Palaeontology. 1, Nr. 3, 2003, S. 125–160.
  2.  Upchurch, Barrett, Dodson: Sauropoda. In: Weishampel, Dodson, Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. 2te Auflage. University of California Press, 2004, ISBN 0-520-24209-2, S. 259–322.
  3.  Kristina Curry Rogers: Titanosauria. In: Rogers, Wilson (Hrsg.): The Sauropods: Evolution and Paleobiology. University of California Press, 2005, ISBN 0-520-24623-3.
  4. Sharma, N., Kar, R. K., Agarwal, A., Kar, R. (2005): Fungi in dinosaurian (Isisaurus) coprolites from the Lameta Formation (Maastrichtian) and its reflection on food habit and environment. Micropaleontology, 51 (1), Seiten 73–82

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

03.08.2021
Mikrobiologie | Evolution | Video
Zunehmend längere Tage: Wie der Sauerstoff auf die Erde kam
Das heutige Leben auf der Erde ist ohne Sauerstoff unvorstellbar.
03.08.2021
Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Eine Alternative zum Fischfang
Schon heute gelten rund 90 Prozent aller Fischbestände als maximal befischt oder überfischt, doch angesichts der wachsenden Weltbevölkerung sind immer mehr Menschen auf Fisch als Proteinquelle angewiesen.
03.08.2021
Evolution | Insektenkunde
Die Evolution der Wandelnden Blätter
Ein internationales Forschungsteam hat die Evolution der Wandelnden Blätter untersucht: Wandelnde Blätter gehören zu den Stab- und Gespenstschrecken, die anders als ihre etwa 3000 astförmigen Verwandten keine Zweige imitieren.
02.08.2021
Biodiversität | Insektenkunde
Verlust der Gefleckten Schnarrschrecke
Eine Senckenberg-Wissenschaftlerin hat mit einem internationalen Team das Verschwinden der Gefleckten Schnarrschrecke in Europa untersucht.
02.08.2021
Mikrobiologie | Ökologie | Virologie
Nahrungskette in der Dunkelheit
Die Entdeckung ist bahnbrechend: Im Untergrund unseres Planeten leben bisher unbekannte Viren, sie befallen einzellige Mikroorganismen, die sogenannten Altiarchaeen.
02.08.2021
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Entwicklungsbiologie | Video
Drei weitere Embryonen des Nördlichen Breitmaulnashorns
In einem weiteren Schritt zur Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns hat das BMBF-geförderte BioRescue-Konsortium von internationalen Organisationen aus Wissenschaft und Artenschutz drei weitere Embryonen des Nördlichen Breitmaulnashorns erzeugt.
02.08.2021
Physiologie | Neurobiologie | Biochemie
Energie für eine ungestörte Ruhe
Ein Hormon sorgt bei der Taufliege Drosophila für ein Gleichgewicht zwischen Ruhe und Aktivität.
02.08.2021
Physiologie | Ökologie | Vogelkunde | Insektenkunde
Viel Licht, wenig Orientierung
Lichtverschmutzung erschwert Mistkäfern die Orientierung im Gelände. Das dürfte auch auf andere nachtaktive Insekten und Vögel zutreffen, vermutet ein internationales Forschungsteam.
02.08.2021
Physiologie | Neurobiologie
Die komplexe Aufgabe Kurs zu halten
Mit verbundenen Augen geradeaus zu laufen, ist ein schwieriges Unterfangen: Meist endet es darin, dass wir im Kreis laufen.
31.07.2021
Ökologie | Neobiota
Teure Invasoren
Wissenschaftlerinnen haben die durch invasive Arten entstandenen Kosten in Europa und Deutschland untersucht.
31.07.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Lernpausen sind gut fürs Gedächtnis
Wir können uns Dinge länger merken, wenn wir während des Lernens Pausen einlegen.
31.07.2021
Botanik | Immunologie | Parasitologie
Eichenwälder widerstandsfähiger machen
Kahlgefressene Eichen sind ein Bild, das in den letzten Jahren immer wieder zu sehen war. Verursacher sind häufig die massenhaft auftretenden Raupen des Eichenwicklers.
29.07.2021
Ökologie | Toxikologie
Wasser blau – Badestrand grün
Viele klare Seen der Welt sind von einem neuen Phänomen betroffen: In Ufernähe, wo Menschen spielen oder schwimmen, ist der Seeboden mit grünen Algenteppichen bedeckt.
29.07.2021
Anatomie | Paläontologie
Patagonischer Langhalssaurier neu beleuchtet
Ein Team der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) untersuchte im Rahmen einer Neubeschreibung die Überreste des Langhalssauriers Patagosaurus fariasi (175 Mio Jahre) aus Argentinien.
29.07.2021
Anthropologie | Virologie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik
Hochwirksame und stabile Nanobodies stoppen SARS-CoV-2
Ein Forscherteam hat Mini-Antikörper entwickelt, die das Coronavirus SARS-CoV-2 und dessen gefährliche neue Varianten effizient ausschalten.
29.07.2021
Zytologie | Biochemie
Pflanzen haben ein molekulares „Gedächtnis“
Wie eine Pflanze wächst, hängt einerseits von ihrem genetischen Bauplan ab, zum anderen aber davon, wie die Umwelt molekulare und physiologische Prozesse beeinflusst.
29.07.2021
Ökologie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Meeresbiologie
Forschungsfahrt: Hydrothermale Wolken in der Nähe der Azoren
Sie entstehen, wenn von glühendem Magma aufgeheizte Lösungen aus der Erdkruste in der Tiefsee austreten und auf kaltes Meerwasser treffen: Hydrothermale Wolken stecken voller Leben, sie versorgen die Ozeane mit Nährstoffen und Metallen.
28.07.2021
Physiologie | Bionik, Biotechnologie und Biophysik
Spurensuche im Kurzzeitgedächtnis des Auges
Was wir sehen, hinterlässt Spuren: Mit schnellen Bewegungen, sogenannten Sakkaden, springt unser Blick zwischen verschiedenen Orten hin und her, um möglichst scharf abzubilden, was sich vor unseren Augen abspielt.