MYH9

Idiogramm des menschlichen Chromosom 22. MYH9 befindet sich auf Band q11.2

MYH9 (Myosin, heavy chain 9) ist ein Gen, welches sich beim Menschen auf Chromosom 22 Genlocus q11.2 befindet.[1][2][3]

Mit MYH9 assoziierte Syndrome und Anomalien

Punktmutationen auf MYH9 sind für vier sehr seltene autosomal-dominante Erbkrankheiten verantwortlich:

Die May-Hegglin-Anomalie ist von diesen ausgesprochen seltenen Erkrankungen die häufigste Form.[4]

Die vier mit Punktmutationen in MYH9 assoziierten Syndrome unterscheiden sich im Ort der Punktmutation, was wiederum zu unterschiedlichen Symptomen führt:[5]

Syndrom / Anomalie Makrothrombozytopenie Leukozyten-Einschlüsse Glomerulonephritis Hörstörung Grauer Star
May-Hegglin-Anomalie (MHA) + + - - -
Sebastian-Syndrom (SBS) + + - - -
Epstein-Syndrom (EPS) + - + + -
Fechtner-Syndrom (FTNS) + + + + +

Eine Makrothrombozytopenie ist durch einen Mangel an Thrombozyten (eine sogenannte Thrombozytopenie) und übergroßen Thrombozyten gekennzeichnet.

Insbesondere bei Menschen schwarzafrikanischer Abstammung sind Einzelnukleotid-Polymorphismen von MYH9 assoziiert mit einer ungünstigen Prognose bei Nephrosklerose [6] und fokal segmentaler Glomerulosklerose. [7] Verantwortlich für das erhöhte Risiko ist wahrscheinlich nicht MYH9 selbst, sondern das direkt benachbarte Gen APOL1. Varianten dieses Gens verleihen den Trägern eine Resistenz gegenüber Infektionen mit Trypanosoma brucei rhodesiense und damit einen Selektionsvorteil.[8] Das Gen APOL1 codiert für das Protein Apolipoprotein L-I (APOL1), das nur beim Menschen und bei Gorillas gefunden wurde.[9] Wenn Trypanosomen APOL1 durch Endozytose aufnehmen, bildet APOL1 in der Membran der Lysosomen Poren, die zu einer Lyse der Parasitenzellen führen. Der Pathomechanismus, über den APOL1 beim Menschen zu Nierenschäden führt, ist bislang noch nicht bekannt.

Genetik und Aufbau

Das MHY9-Gen kodiert für die schwere Kette eines Nicht-Muskel-Myosins Typ IIA (NMMHC-IIA). Dieses Protein wird in einigen Blutzellen, unter anderem in Monozyten und Thrombozyten, in der Hörschnecke (Cochlea) und in den Nieren exprimiert.

Das menschliche MYH9-Gen enthält, wie auch das murine, 41 Exons. Das aus dem MYH9-Gen codierte murine NMMHC-IIA-Protein besteht aus 1960 Aminosäuren und ist zu 98 % mit dem menschlichen identisch.[10]

Einzelnachweise

  1. UCSC Genome Browser on Human Mar. 2006 Assembly: chr22:35,007,273-35,113,958
  2. genome.ucsc.edu: Human Gene MYH9 (uc003apg.1) Description and Page Index
  3. J. A. Martignetti u. a.: The gene for May-Hegglin anomaly localizes to a <1-Mb region on chromosome 22q12.3-13.1. In: Am J Hum Genet 66/2000, S.1449–54. PMID 10739770
  4. M. Picu u. a.: An 8-Year-Old Girl With Thrombocytopenia In: Archives of Pathology and Laboratory Medicine 129/2005, S. 214–7.
  5. K. E. Heath u. a.: Nonmuscle myosin heavy chain IIA mutations define a spectrum of autosomal dominant macrothrombocytopenias: May-Hegglin anomaly and Fechtner, Sebastian, Epstein, and Alport-like syndromes. In: Am J Hum Genet 69/2001, S. 1033–45. PMID 11590545
  6. W H Linda Kao, et al.: MYH9 is associated with nondiabetic end-stage renal disease in African Americans. In: Nature Genetics. 40, Nr. 10, 2008, S. 1185-1192. doi:10.1038/ng.232. Abgerufen am 10. Mai 2010.
  7. Jeffrey B Kopp, et al.: MYH9 is a major-effect risk gene for focal segmental glomerulosclerosis. In: Nature Genetics. 40, Nr. 10, 2008, S. 1175-1184. doi:10.1038/ng.226. Abgerufen am 10. Mai 2010.
  8. Giulio Genovese, et al.: Association of trypanolytic ApoL1 variants with kidney disease in African Americans. In: Science (New York, N.Y.). 329, Nr. 5993, 13. August 2010, S. 841-845. doi:10.1126/science.1193032. Abgerufen am 30. Oktober 2010.
  9. Pays E, Vanhollebeke B, Vanhamme L, Paturiaux-Hanocq F, Nolan DP, Pérez-Morga D. The trypanolytic factor of human serum. In: Nat Rev Microbiol. 2006 Jun;4(6):477-86. PMID 16710327
  10. M. D'Apolito u. a.: Cloning of the murine non-muscle myosin heavy chain IIA gene ortholog of human MYH9 responsible for May-Hegglin, Sebastian, Fechtner, and Epstein syndromes. In: Gene 286/2002, S. 215-22. PMID 11943476

Literatur

  • E. Jantunen: Inherited giant platelet disorders. In: Eur J Haematol 53/1994, S. 191-6. PMID 7957801
  • P. Mhawech, S. Abdus: Inherited Giant Platelet Disorders: Classification and Literature Review. In: American Journal of Clinical Pathology 2000, S. 176–90. PMID 10664620
  • P. Noris u. a.: Thrombocytopenia, giant platelets, and leukocyte inclusion bodies (May-Hegglin anomaly): clinical and laboratory findings. In: Am J Med 104/1998, S. 355–60. PMID 9576409
  • N. Pujol-Moix u. a.: Ultrastructural analysis of granulocyte inclusions in genetically confirmed MYH9-related disorders. In: Haematologica, 89/2004, S. 330–7. PMID 15020273
  • M. Seri u. a.: MYH9-related disease: May-Hegglin anomaly, Sebastian syndrome, Fechtner syndrome, and Epstein syndrome are not distinct entities but represent a variable expression of a single illness. In: Medicine (Baltimore) 82/2003, S. 203–15. PMID 12792306

Weblinks

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