Schmielen

Die Schmielen (Deschampsia) sind eine Gattung der Süßgräser (Poaceae). Die Gattung ist weltweit verbreitet und besteht aus rund 50 Arten. Benannt ist sie nach dem französischen Arzt Louis-Auguste Deschamps (1765–1842). Die Bezeichnung Schmielen führte zur Benennung sumpfiger Gelände als Schmiedel.

Merkmale

Die Vertreter der Gattung sind meist ausdauernde, seltener einjährige horstbildende Gräser. Selten bilden sie kurze Ausläufer. Die Erneuerungstriebe wachsen innerhalb der Blattscheiden (intravaginal) hoch. Der Halm besitzt geriefte, kahle Knoten. Die Blattscheiden sind am Grund offen. Das Blatthäutchen ist ein häutiger Saum. Die Blattspreiten sind in der Knospenlage eingerollt oder zusammengefaltet. Später sind sie flach bis borstenförmig, an der Oberseite deutlich gerippt und rau, an der Unterseite kaum gerippt.

Die Rispe ist groß, während der Blüte locker, ansonsten zusammengezogen und dicht. Die Rispenäste zweigen zu 2 bis 10 von der Hauptachse ab und sind kantig und rau. Die Ährchen bestehen aus meist zwei, seltener aus einer bis drei Blüten. Sie sind 2 bis 8 mm lang und seitlich abgeflacht. Alle Blüten sind zwittrig und fallen zur Reife aus den stehenbleibenden Hüllspelzen aus. Die Ährchenachse ist an den Kanten behaart und trägt über der oberen Blüte einen stielförmigen Fortsatz. Die beiden Hüllspelzen sind fast gleichartig und etwa gleich lang wie die Blüte. Sie sind spitz, gekielt, häutig und wenigstens auf

Blatt der Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa) mit Ligula

dem Mittelnerv der oberen Hälfte rau. Die untere Hüllspelze ist einnervig, die obere ein- bis dreinervig, die auch leicht länger und breiter als die untere ist. Die Deckspelzen sind fünfnervig, häutig und rau oder glatt. Am oberen Rand sind sie gestutzt und tragen vier Zähne, die selbst wieder gezähnelt sein können. Auf dem Rücken des untersten Viertels oder in der Mitte sitzt eine Granne. Diese ist gerade und überragt die Deckspelze kaum, oder sie ist zwischen den Spelzen verborgen, oder sie ist gekniet und überragt die Deckspelze klar. Die Vorspelzen sind zweinervig und kürzer als die Deckspelzen. Sie haben eine lanzettliche Form, sind oben abgerundet oder zweispitzig, und sind zarthäutig. Es gibt drei Staubblätter. Der Fruchtknoten ist eiförmig und kahl. Die beiden Griffel stehen endständig und tragen dicht fiedrige Narben, die seitlich aus den Blüten ragen. Die Frucht (Karyopse) ist 2 bis 3 mm lang, kahl und locker von den Spelzen umhüllt. Der Embryo ist ein Fünftel bis ein Viertel so lang wie die Frucht. Der Nabel ist punktförmig bis schmalelliptisch und grundständig.

Systematik

Die Gattung Deschampsia wird innerhalb der Familie der Süßgräser der Unterfamilie Pooideae und der Tribus Poeae oder Aveneae zugeordnet.

Draht-Schmiele (Deschampsia flexuosa)
Draht-Schmiele (Deschampsia flexuosa)

Sie besteht aus rund 50 Arten. In Mitteleuropa kommen folgende Arten vor:[1][2]

Antarktische Schmiele (Deschampsia antarctica) in der Antarktis (Collins Glacier)
Antarktische Schmiele (Deschampsia antarctica) in der Antarktis (Petermann-Insel)
Deschampsia nubigena auf Hawaii (Maui)
  • Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa (L.) P. Beauv.); Heimat: Eurasien, Nordamerika
  • Draht-Schmiele (Deschampsia flexuosa (L.) Trin., von einigen Autoren in die monotypische Gattung Avenella ausgelagert); Heimat: Eurasien, Nordafrika, Grönland, Nordamerika, Argentinien, Chile, in Neuguinea, auf den Philippinen, auf Kalimantan und in Neuseeland eingebürgert
  • Bodensee-Schmiele (Deschampsia littoralis (Gaudin) Reut.); Heimat: Zentralalpen
  • Binsen-Schmiele (Deschampsia media (Gouan) Roem. & Schult.); Europa (Südeuropa, Frankreich, Mitteleuropa), Transkaukasus
  • Borsten-Schmiele (Deschampsia setacea (Huds.) Hack.); Heimat: Europa (Spanien, Frankreich, Großbritannien, Irland, Niederlande, Belgien, Nord- und Ostdeutschland, Dänemark, Südskandinavien)
  • Sumpf-Schmiele oder Elbe-Rasenschmiele (Deschampsia wibeliana (Sond.) Parl.); Heimat: Nordwestdeutschland, am Unterlauf von Elbe, Eider und Weser, hier endemisch

Die GrassBase von Kew Gardens listet darüber hinaus noch folgende Arten auf:[3]

  • Deschampsia airiformis (Steud.) Benth. & Hook. f. ex B.D. Jacks.
  • Deschampsia angusta Stapf & C.E. Hubb.
  • Antarktische Schmiele (Deschampsia antarctica É. Desv.), eine von nur zwei Blütenpflanzen-Arten, die in der Antarktis ursprünglich vorkommen
  • Deschampsia argentea Lowe
  • Deschampsia atropurpurea (Wahlenb.) Scheele
  • Deschampsia berteroana (Kunth) F. Meigen
  • Deschampsia chapmanii Petrie
  • Deschampsia christophersenii C.E. Hubb.
  • Deschampsia cordilleranum Hauman
  • Deschampsia danthonioides (Trin.) Benth.
  • Deschampsia domingensis Hitchc. & Ekman
  • Deschampsia elongata (Hook.) Munro
  • Deschampsia foliosa Hack.
  • Deschampsia gracillima Kirk
  • Deschampsia kingii (Hook. f.) É. Desv.
  • Deschampsia klossii Ridl.
  • Deschampsia koelerioides Regel
  • Deschampsia laxa Phil.
  • Deschampsia liebmanniana (E. Fourn.) Hitchc.
  • Deschampsia ligulata (Stapf) Henrard
  • Deschampsia looseriana Parodi
  • Deschampsia maderensis (Hack. & Bornm.) Buschm.
  • Deschampsia mejlandii C.E. Hubb.
  • Deschampsia mendocina Parodi
  • Deschampsia mildbraedii Pilg.
  • Deschampsia minor Clayton
  • Deschampsia nubigena Hillebr.
  • Deschampsia parvula (Hook. f.) É. Desv.
  • Deschampsia patula (Phil.) Skottsb.
  • Deschampsia pusilla Petrie
  • Deschampsia robusta C.E. Hubb.
  • Deschampsia tenella Petrie
  • Deschampsia venustula Parodi
  • Deschampsia wacei C.E. Hubb.

Literatur

  • Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv (CD-ROM); Wiebelsheim: Quelle & Meyer, 2001/2002; ISBN 3-494-01327-6
  • Walter Erhardt u. a.: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2008. ISBN 978-3-8001-5406-7
  • Hans Joachim Conert: Deschampsia. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Aufl., Band I, Teil 3, Seite 302-317. Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg, 1987. ISBN 3-489-52320-2

Einzelnachweise

  1. M.A. Fischer, K. Oswald, W. Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. Dritte Auflage, Land Oberösterreich, Biologiezentrum der OÖ Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9
  2. Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv (CD-Rom), Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2001/2002, ISBN 3-494-01327-6
  3. W.D. Clayton, K.T Harman, H. Williamson: GrassBase - The Online World Grass Flora. 2006ff., abgerufen 18. Juli 2008

Weblinks

 Commons: Schmielen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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