Simeticon

Strukturformel
Strukturformel von Simeticon
Allgemeines
Freiname Simeticon
Andere Namen
  • α-(Trimethylsilyl)-ω-methylpoly[oxy(dimethylsilylen)] (WHO)
  • Simeticonum (Latein)
  • Dimeticon-Siliciumdioxid
  • SIMETHICONE (INCI)
Summenformel (C2H6OSi)n · (SiO2)m
CAS-Nummer 8050-81-5
PubChem 6433516
ATC-Code

A03AX13

Kurzbeschreibung

viskose, grauweiße, opaleszierende Flüssigkeit [1]

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Carminativa

Verschreibungspflichtig: nein
Eigenschaften
Molare Masse variabel
Dichte

0,965–0,970 g·cm−3 [2]

Löslichkeit

praktisch unlöslich in Wasser und Methanol, sehr schwer löslich bis praktisch unlöslich in absolutem Ethanol, teilweise mischbar mit Dichlormethan, Ethylacetat, 2-Butanon und Toluol [1]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
keine Einstufung verfügbar

H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4]
keine Gefahrensymbole
R- und S-Sätze R: keine R-Sätze
S: 25
LD50

900 mg·kg−1 (Hund i.v.) [5]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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Simeticon ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Carminativa, der oral eingenommen wird und Völlegefühl und Schmerzen lindern kann, die durch zu viel Gas im Magen-Darm-Trakt ausgelöst werden. Bei Vergiftungen mit Tensiden wird Simeticon als Antidot gegen die übermäßige Schaumbildung eingesetzt.

Klinische Angaben

Anwendungsgebiete (Indikationen)

  • Bei übermäßiger Gasbildung und Gasansammlung im Magen-Darm-Bereich (Meteorismus) mit gastrointestinalen Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl und Spannungsgefühl im Oberbauch, die zum Beispiel durch Aerophagie (Luftschlucken) oder durch Ernährungs- beziehungsweise Diätfehler hervorgerufen werden können.
  • Die Gabe von Simeticon bei der postoperativen Darmatonie und dem Ogilvie-Syndrom wirken dem Meteorismus entgegen.[6]
  • Zur symptomatischen Behandlung der funktionellen Dyspepsie[7]
  • Zur symptomatischen Behandlung bei Säuglingskolik (Dreimonatskolik). [8]
  • Bei verstärkter Gasbildung nach Operationen, sowie dem Roemheld-Syndrom
  • Als Hilfsmittel zur Diagnostik im Bauchbereich zur Reduzierung von Gasschatten (Sonographie, Röntgen und Gastroskopie).
  • Als Sofortmaßnahme nach oraler Ingestion von tensidhaltigen Spül- und Waschmitteln zum Entschäumen. Geeignet zur Anwendung von Laien im Haushalt; vor allem wirksam bei Aufnahme großer Tensidmengen.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Bei einer Überempfindlichkeit gegen Simeticon sowie bei einem Darmverschluss (Ileus) dürfen Simeticon-haltige Arzneimittel nicht verabreicht werden.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Obwohl bisher keine Wechselwirkungen bekannt sind, sind auf Grund der oberflächenaktiven Eigenschaften der Wirksubstanz Einflüsse auf die Resorption anderer Arzneisubstanzen nicht auszuschließen. Die hier beschriebenen Interaktionen sind Einzelfälle.

  • Digoxin: erhöhte Spiegel von Digoxin[9]
  • Ribavirin: erniedrigte Spiegel von Ribavirin – AUC = −14 %
  • Warfarin: erhöhte Spiegel von Warfarin
  • Carbamazepin: Toxizitätssteigerung von Carbamazepin – Einzelbericht[10]

Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit

Da Simeticon nicht vom Körper aufgenommen wird, können die entsprechenden Arzneimittel während der Schwangerschaft und Stillperiode eingenommen werden. Allerdings sollte während der Schwangerschaft die Anwendungsdauer drei Tage nicht überschreiten und danach ein therapiefreies Intervall von 14 Tagen eingehalten werden.[11]

Pharmakologische Eigenschaften

Pharmakodynamik und Pharmakokinetik

Gestörte Verdauungsvorgänge führen oft zu Blähungen. Die vermehrten Gase liegen im Magen-Darmtrakt als träger, feinblasiger Schaum vor. Dadurch wird die normale Aufnahme der Gase durch die Darmwand erschwert oder völlig unmöglich gemacht. Simeticon ist ein stabiles, oberflächenaktives Polydimethylsiloxan. Es verringert die Oberflächenspannung der im Nahrungsbrei und im Schleim des Verdauungstraktes eingebetteten Gasblasen, die dadurch zerfallen. Die dabei frei werdenden Gase können von der Darmwand resorbiert sowie durch die Darmperistaltik eliminiert werden. Simeticon wirkt ausschließlich physikalisch, beteiligt sich nicht an chemischen Reaktionen und ist pharmakologisch und physiologisch eine inerte Substanz. In einer Konzentration von 0,1 mg/ml zerstört Simeticon Schäume in 3–6 Sekunden, auch eine Schaumverhinderung findet bei dieser Konzentration statt. Diese hält für etwa 24 Stunden an.[12]

Nach der oralen Gabe von Simeticon findet keine Resorption statt, der Wirkstoff wird nach der Magen-Darm-Passage unverändert wieder mit den Faeces ausgeschieden.[11]

Sonstige Informationen

Chemische und pharmazeutische Informationen

Simeticon – α(Trimethylsilyl)-ω-methylpoly[oxy(dimethylsilylen)], Mixtur mit Siliciumdioxid – ist die Kurzbezeichnung für mit 4–7 % Siliciumdioxid aktiviertes Dimeticon, es enthält 90,5–99,0 % Polydimethylsiloxan. Das Siliciumdioxid wird an der Oberfläche durch Einbau von Methylsilyl-Gruppen verändert.

Siehe auch

  • Entschäumer

Handelsnamen

Monopräparate: Aero-OM (A, CH), Antiflat (A), Elugan (D), Endo-Paractol (D), Espumisan (D), Flatulex (CH), Imogas (D), Lefax (D), Lefaxin (A), Sab simplex (D, A), Uluxan (CH), sowie diverse Generika

Kombinationspräparate: Andursil (CH), Enzym-Lefax (D), Helopanflat (A), Imodium akut complex/ plus (D, A, CH), Rennie Deflatin (CH)

Markennamen: Antifoam AF, Silbione 70454

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1  Europäische Arzneibuch-Kommission (Hrsg.): EUROPÄISCHE PHARMAKOPÖE 5. AUSGABE. 5.0–5.8, 2006.
  2. The Merck Index: An Encyclopedia of Chemicals, Drugs, and Biologicals, 14. Auflage (Merck & Co., Inc.), Whitehouse Station, NJ, USA, 2006; ISBN 978-0-911910-00-1.
  3. In Bezug auf ihre Gefährlichkeit wurde die Substanz von der EU noch nicht eingestuft, eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  4. Datenblatt für BC Simethicone Antifoam C100EP – Basildon Chemical Company 8. Januar 2009.
  5. Simeticon bei ChemIDplus.
  6. O. [Hrsg.] H. P. [Hrsg.] ; Trentz R. ; Bruch Berchtold: Berchtold Chirurgie mit StudentConsult-Zugang. Urban & Fischer in Elsevier, München 2006, ISBN 978-3-437-44480-7.
  7. G. Holtmann et al.:A randomized placebo-controlled trial of simethicone and cisapride for the treatment of patients with functional dyspepsia Aliment Pharmacol Ther. 2002 Sep;16(9):1641–1648 Volltext (HTML) Volltext (PDF), PMID 12197843.
  8. Simeticon bei Säuglingskoliken wirksam und verträglich Anwendungsbeobachtung in: Pharmazeutische Zeitung (Ausgabe 28/2004).
  9. J C McElnay et al.:Interaction of digoxin with antacid constituents. Br Med J. 1978 June 10; 1(6126): 1554; PMID 656806; PMC 1604992.
  10. Ozlem Guneysel et al.:Carbamazepine overdose after exposure to simethicone: a case report Journal of Medical Case Reports 2008, 2:242 Volltext (PDF) doi:10.1186/1752-1947-2-242.
  11. 11,0 11,1 Fachinformation (Mustertext des BfArM für Simeticon), Stand: 21. Dezember 2000.
  12. M. Dittrich, S. E. Miederer, B. Havertz, R. Krastev: Schaumzerstörung und Schaumverhinderung: Der Wirkmechanismus von Simeticon in vitro. (PDF) In: Journal für Gastroenterologische und Hepatologische Erkrankungen. Nr. 8, 2010, S. 1–7. Abgerufen am 26. Juli 2010.

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