Tierläuse

Tierläuse
Kopflaus (Pediculus humanus capitis)

Kopflaus (Pediculus humanus capitis)

Systematik
Unterstamm: Tracheentiere (Tracheata)
Überklasse: Sechsfüßer (Hexapoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Fluginsekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Tierläuse
Wissenschaftlicher Name
Phthiraptera
Haeckel, 1896
Unterordnungen
  • Amblycera
  • Ischnocera
  • Rhynchophthirina
  • Echte Tierläuse (Anoplura)

Die Tierläuse (Phthiraptera), auch bekannt als Lauskerfe oder Läuslinge, sind eine parasitisch lebende Insekten-Ordnung innerhalb der Neuflügler (Neoptera). Etwa 650 bis 1000 der 3500 Arten sind in Mitteleuropa verbreitet, sie werden in der Regel 1 bis 6 mm groß. Die Tiere der Gattung Laemobothrium erreichen eine Gesamtlänge von 11 mm.

Beschreibung

Der Körper der Tierläuse ist in der Regel stark abgeflacht, der Kopf meist vorstehend. In der Regel haben die Tiere stechend-saugende Mundwerkzeuge, vor allem bei den Mallophaga sind sie jedoch auch beißend. Die einzelnen Segmente der Brust (Thorax) sind verwachsen und tragen keine Flügel, die relativ kurzen Beine sind mit Klammermechanismen bestückt, damit sich die Tiere am Wirt festhalten können.

Lebensweise

Alle Tierläuse leben als Ektoparasiten an Vögeln (Federlinge) oder Säugetieren (Echte Tierläuse und Haarlinge). Sie stellen somit die einzige Hauptgruppe der Insekten (Ordnung) dar, bei der alle Mitglieder permanente Parasiten von Vögeln oder Säugetieren sind.[1] Dabei sind die meisten Arten mehr oder weniger spezifisch auf einem Wirt zu finden, häufig bevölkern auch mehrere Arten denselben Wirt. Ohne diesen Wirt sind sie meistens nur wenige Tage lebensfähig. Die Übertragung erfolgt meist bei direktem Körperkontakt oder über das Nest, bei der Kleiderlaus auch über Kleidung.

Abstammung

Entgegen der ursprünglichen Lehrmeinung, die von einem einzigen Vorfahren der heute lebenden Tierlausarten ausgeht, konnte eine internationale Forschergruppe um Kevin Johnson die Abstammung von zwei verschiedenen Urahnen nachweisen.[1] Die parasitischen Tierläuse entwickelten sich demnach trotz ihrer großen morphologischen Ähnlichkeit im Laufe der Evolution unabhängig voneinander zweimal. Die große Übereinstimmung der parasitischen Körpermerkmale ist nach Meinung der Wissenschaftler das Ergebnis der Anpassung an das Wirtstier, jedoch kein Zeichen für die enge Verwandtschaft der Tiere untereinander (siehe auch: Konvergenz).

Systematik

Innerhalb der Tierläuse werden vier Taxa unterschieden, die hauptsächlich anhand der Mundwerkzeuge identifiziert werden können. Gemeinhin werden die Amblycera und die Ischnocera in einem Taxon namens Mallophaga (Haarlinge und Federlinge) zusammengefasst:

Amblycera

Die Tiere des Taxon Amblycera ernähren sich vor allem von keratinhaltigen Substanzen wie Haaren, Hautschuppen und Federn. Sie leben im Fell von Säugetieren oder im Gefieder von Vögeln. Wichtige Vertreter dieser Gruppe sind Gliricola porcelli, welches aus Südamerika mit den Meerschweinchen eingeschleppt wurde und an diesen parasitiert sowie die größte Art der Tierläuse Laemobothrium atrum, der im Gefieder des Blässhuhns lebt.

Ischnocera

Die Ischnocera ernähren sich wie die Amblycera von keratinhaltigen Substanzen und kommen ebenfalls bei Vögeln und Säugetieren vor. In diese Gruppe gehören der Amselfederling (Philopterus merulae), der Hundehaarling (Trichodectes canis), der den Gurkenkernbandwurm (Dipylidium caninum) bei Hunden überträgt und der Katzenhaarling (Felicola subrostratus).

Rhynchophthirina

Bei den Rhynchophthirina ist der vordere Kopfbereich rüsselartig verlängert und nach vorn ausgezogen. Dieses Merkmal teilt die Gattung Elefantenlaus (Haematomyzus) mit ihren Wirten, den Elefanten und Warzenschweinen.

Anoplura Echte Tierläuse

Hundelaus (Linognathus setosus), weiblich

Die Echten Tierläuse sind blutsaugende Insekten, die auf Säugetieren leben. Sie besitzen keine Flügel und werden ein bis sechs Millimeter groß. Ihre Eier, die so genannten Nissen, kleben sie an den Haaren des Wirtes fest. Läuse sind zum Teil Krankheitsüberträger. Etwa 400 Arten von Läusen sind bekannt, in Mitteleuropa kommen etwa 20 vor.

In diese Gruppe gehören die bekanntesten Vertreter der Läuse, die Menschenläuse (Pediculidae) wie die Filzlaus (Pthirus pubis) und die beiden Unterarten der Menschenlaus, die Kleiderlaus (Pediculus humanus humanus) und die Kopflaus (Pediculus humanus capitis). Daneben existieren viele weitere Arten, etwa die auf Seehunden lebende und entsprechend salzwassertolerante Seehundlaus (Echinophthirius horridus) und die Schweinelaus (Haematopinus suis) am Hausschwein.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Johnson, K. P. et al.: Multiple origins of parasitism in lice. In: Proc Biol Sci. 271, Nr. 1550, 2004, S. 1771-1776. PMID 15315891.

Weblinks

 Commons: Tierläuse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

13.05.2021
Botanik | Klimawandel | Biodiversität | Bioinformatik
Mit Smartphones den ökologischen Wandel erfassen
Smartphone-Apps zur Pflanzenbestimmung wie „Flora Incognita“ können nicht nur Pflanzenarten erkennen, sie erfassen auch großräumige ökologische Muster.
13.05.2021
Genetik | Evolution | Immunologie
Neue Erkenntnisse über die Evolution des Immunsystems
Der menschliche Körper verfügt, wie alle anderen Lebewesen auch, über ein sogenanntes angeborenes Immunsystem.
13.05.2021
Toxikologie | Biochemie | Insektenkunde
Meerrettich-Erdfloh: Geschützt mit den Waffen seiner Nahrungspflanze
Wenn Meerrettich-Erdflöhe an ihren Wirtspflanzen fressen, nehmen sie nicht nur Nährstoffe, sondern auch Senfölglykoside, die charakteristischen Abwehrstoffe des Meerrettichs und anderer Kreuzblütengewächse, auf.
13.05.2021
Toxikologie | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Die Achillesferse eines Käfers: Glyphosat
Der Getreideplattkäfer lebt in enger Gemeinschaft mit symbiotischen Bakterien.
13.05.2021
Zoologie | Ökologie
Globaler Atlas soll große Tierwanderungen bewahren
Wildtiere soweit das Auge reicht: Millionen von Gnus ziehen gemeinsam mit Zebras, Gazellen und Antilopen durch das grüne Gras weiter Ebenen in Ostafrika.
11.05.2021
Zytologie | Physiologie | Bioinformatik
Wie man als Einzeller ans Ziel gelangt
Wie ist es ohne Gehirn und Nervensystem möglich, sich gezielt in die gewünschte Richtung zu bewegen? Einzellern gelingt dieses Kunststück offenbar problemlos.
11.05.2021
Ökologie
Studie zur Funktionsweise aquatischer Ökosysteme
Die Funktionen wassergeprägter Ökosysteme können durch hydrologische Schwankungen erheblich beeinflusst und verändert werden.
11.05.2021
Klimawandel | Meeresbiologie
Mit Bakterien gegen die Korallenbleiche
Korallen sind das Rückgrat mariner Ökosysteme der Tropen.
11.05.2021
Zoologie | Ökologie
Afrikanische Wildhunde als Botschafter für das weltweit grösste Naturschutzgebiet
Das weltweit grösste Landschutzgebiet liegt im Süden Afrikas und umfasst 52039000 Quadratkilometer in fünf Ländern.
10.05.2021
Physiologie
Orientierungssinn von Fledermäusen
Säugetiere sehen mit den Augen, hören mit den Ohren und riechen mit der Nase.