Wasser-Ampfer

Wasser-Ampfer
Wasser-Ampfer (Rumex aquaticus) Illustration von Jacob Sturm

Wasser-Ampfer (Rumex aquaticus) Illustration von Jacob Sturm

Systematik
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Knöterichgewächse (Polygonaceae)
Gattung: Ampfer (Rumex)
Art: Wasser-Ampfer
Wissenschaftlicher Name
Rumex aquaticus
L.
Der Wasser-Ampfer am Rande eines Entwässerungsgrabens in der Schwalmaue in Nordhessen (Deutschland)

Der Wasser-Ampfer (Rumex aquaticus), veraltet auch Wasser-Mönchsrhabarber, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Ampfer (Rumex).

Beschreibung

Der Wasser-Ampfer ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 0,8 und 2 Metern erreicht.

Die Laubblätter sind gestielt und die Stiele sind ungefähr so lang wie die Spreite. Die Grundblätter sind bis zu 45 cm lang und etwa 25 cm breit, sie sind länglich und von dreieckig-eiförmiger Form. Die Basis ist tief herzförmig mit abgerundeten Basallappen. In der oberen Blatthälfte ist der Blattrand fast gerade und die Blattspitze oft spitz oder spitzlich. Die Blätter sind am Rand durchgehend fein gewellt und von dunkelgrüner Farbe. Die Nebenblattscheiden sind braun gefranst.

Von Juli bis August bilden die Pflanzen sehr dichte Rispen als Blütenstände aus. Diese nehmen an den Hauptachsen oft die halbe Stängellänge ein (Das heißt bis zu einem Meter lang!). Die Blüten sind zwittrig und in vielblütigen sich meist überlappenden Knäueln angeordnet.

Die Valven sind 5 bis 9 mm lang und zwischen 4 und 7 mm breit. Sie sind dreieckig-eiförmig mit abgerundeten oder gestutztem Grund. Der Rand ist schwielenlos und von grünlicher bis rotbräunlicher Farbe. Die Früchte sind gestielt, wobei die Stiele direkt unter der Frucht schwach verdickt sind. Die sich ausbildenden Nüsse sind zwischen 3,4 und 3,8 mm lang und von hellbrauner Farbe.

Verbreitung

Der Wasser-Ampfer ist in Asien und im östlichen Europa beheimatet. Die Westgrenze seines Hauptareals verläuft durch das westliche Rhein-Main-Gebiet, am nördlichen Oberrhein und östlich des Schwarzwaldhauptkammes. Die europäische Südgrenze verläuft durch die Alpen und auf der Balkanhalbinsel. Die europäische Nordgrenze liegt am Nordkap. Nach Osten erstreckt sich das Verbreitungsgebiet durch ganz Sibirien bis zum Pazifik, in Russland, Kasachstan, Kirgisistan, der Mongolei und in der Volksrepublik China. Natürliche Vorkommen gibt es auch in Japan. In Nordamerika bestehen neophytische Vorkommen. Arealsplitter finden sich in Schottland, in Zentralfrankreich, im Saarland und im Kaukasus.

Die Art bevorzugt feuchte bis nasse, zeitweise überschwemmte oder überstaute Böden im Bereich von meso- bis eutrophen Gewässern. Die Böden sind meist basenreich und kiesig bis tonig. Mitunter findet sich der Wasser-Ampfer auch auf nährstoffreichen Niedermoorböden.

Rumex aquaticus wächst zumeist in Ufer-Röhrichten oder Hochstaudenfluren, vor allem von Bach- und Flussufern sowie an Gräben und Stillgewässern. Seltener werden auch Niedermoorflächen in Flutmulden im Bereich von Feuchtwiesen besiedelt, vor allem dann, wenn diese zeitweise überschwemmt werden.

Systematik

Der Name Rumex aquaticus wurde 1753 von Carl von Linné erstveröffentlicht.[1]

Nach Herbarbelegen bildet die Art mit Krausem Ampfer (Rumex crispus), Fluss-Ampfer (Rumex hydrolapathum) und Stumpfblatt-Ampfer (Rumex obtusifolius) natürliche Hybride. Der Bastard mit Fluss-Ampfer ist in Gebieten in denen beide Arten vorkommen nicht selten. Im Habitus ähnelt er mehr dem Fluss-Ampfer.

Gefährdung

Die Art ist wird deutschlandweit als nicht gefährdet angesehen. Der Bestand des Wasser-Ampfers ist jedoch durch Flussverbauungen vielerorts stark zurückgegangen. Im Oberrheingebiet und im Neckarraum gehört die Art zu dem aussterbenden Arten. Dort sind nur noch sehr kleine Rest-Populationen vorhanden. Auf den Roten Listen der gefährdeten Gefäßpflanzen der Bundesländer wird sie in Sachsen-Anhalt, im Saarland und in Baden-Württemberg als gefährdet (Gefährdungskategorie 3) geführt. In Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist sie stark gefährdet (Gefährdungskategorie 2). In Berlin gilt sie als vom Aussterben bedroht (Gefährdungskategorie 1). In Hamburg ist die Art bereits ausgestorben (Gefährdungskategorie 0).

Verwendung

Pflanzenteile enthalten reichlich Oxalsäure, die in größeren Mengen für den Menschen, besonders für Nierenkranke, gesundheitsschädlich ist. Nach dem Kochen verringert sich der Anteil an Oxalsäure aber merklich und die Pflanze kann ähnlich wie Spinat zubereitet gegessen werden.

Die Art hat medizinischen Nutzen, die Wurzel hilft gegen Magenbeschwerden und Durchfall. Ein Auszug aus den Wurzel heilt verschiedene Hautkrankheiten. Die pulverisierte Wurzel kann als Zahnpastaersatz verwendet werden.

Literatur

  •  Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 1: Allgemeiner Teil, Spezieller Teil (Pteridophyta, Spermatophyta): Lycopodiaceae bis Plumbaginaceae. 2., ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 1993, ISBN 3-8001-3322-9, S. 556–559.
  • Li Anjen, Alisa E. Grabovskaya-Borodina, Sergei L. Mosyakin: Rumex. In:  Wu Zhengyi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 5: Ulmaceae through Basellaceae. Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 2003, ISBN 1-930723-27-X, S. 336. (online) (in englischer Sprache).

Einzelnachweise

  1. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Impensis Laurentii Salvii, Holmiae 1753, S. 336, Digitalisat

Weblinks

 Commons: Wasser-Ampfer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference
Verbreitungskarten

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

23.06.2021
Botanik | Physiologie | Biochemie
Wie kleine Moleküle Pflanzen bei ihrer Stressbewältigung helfen
Ein Team von Wissenschaftlerinnen hat in einer aktuellen Studie ein neuartiges regulatorisches kleines Molekül untersucht und beschrieben.
23.06.2021
Zytologie | Genetik | Biochemie
Flashmob im Zellkern
Der Zellkern ist weit mehr als eine Art Aufbewahrungs-Behälter für Chromosomen: In ihm sitzt auch die komplexe Maschinerie, die Abschriften der gerade benötigten Gene herstellt und in die Zelle entlässt.
23.06.2021
Anthropologie | Primatologie
Dem Affen in die Augen geschaut
Das Weiße in unserem Auge ist etwas Besonderes, denn die Lederhaut ist nicht pigmentiert, weshalb wir gut verfolgen können, wohin unser Gegenüber schaut.
23.06.2021
Physiologie | Ökologie | Biodiversität
Der Duft macht’s
Pflanzliche Inzucht mindert die Attraktivität für Bestäuber, das zeigt ein Forschungsteam am Beispiel der Weißen Lichtnelke.
23.06.2021
Anthropologie | Physiologie | Primatologie
Das Alter lässt sich nicht betrügen
Die Lebenserwartung in Primatenpopulationen wird durch die Überlebensrate der Jüngeren bestimmt.
23.06.2021
Botanik | Physiologie | Klimawandel
Warum Bäume nachts wachsen
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Bäume mehrheitlich tagsüber wachsen.
21.06.2021
Neurobiologie
Wählerische Nervenzellen
Der visuelle Thalamus ist klassischerweise dafür bekannt, die von der Netzhaut kommenden visuellen Reize an die Großhirnrinde weiterzuleiten.
21.06.2021
Botanik | Genetik | Klimawandel
Gene für Dürreresistenz in Buchen: Hitzesommer überleben oder austrocknen?
Forscherinnen identifizieren Gene für Dürreresistenz in Buchen, aber nicht jeder Baum hat das genetische Rüstzeug für einen Klimawandel.
21.06.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Mimik-Erkennung: Warum das Gehirn dem Computer (noch) überlegen ist
Die Corona-Maskenpflicht macht uns derzeit bewusst: Mimik ist eines unserer wichtigsten Kommunikationssignale.
20.06.2021
Physiologie | Paläontologie
Kleiner Elefant hörte tiefe Töne
Der ausgestorbene Zwergelefant Palaeoloxodon tiliensis von der griechischen Insel Tilos besaß offenbar ein ähnliches Hörspektrum wie seine großen, heute lebenden Verwandten.
20.06.2021
Biodiversität | Insektenkunde
In Deutschland Gewinner und Verlierer: Libellen
In den letzten 35 Jahres hat sich die Verteilung der Libellenarten in Deutschland stark verändert.
18.06.2021
Ethologie | Insektenkunde
Die komplexe Organisation einer Ameisenkolonie
Eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie über räuberische Ameisen erklärt, wie kleine Unterschiede zwischen Einzeltieren die kollektive Organisation der Kolonie verändern.
18.06.2021
Ethologie | Primatologie
Schimpansen-Waisen erholen sich vom Verlust der Mutter
Chronischer Stress könnte ein Grund dafür sein, warum manche Tierwaisen eine kürzere Lebenserwartung haben und weniger Nachkommen bekommen.
18.06.2021
Ökologie | Insektenkunde
Stickstoffüberschuss gefährdet Schmetterlinge
Stickstoff aus Landwirtschaft, Verkehrsabgasen und Industrie bringt Schmetterlinge in der Schweiz in Bedrängnis.
18.06.2021
Insektenkunde | Entwicklungsbiologie
Steinfliegen: Jugend beeinflusst Erwachsenenleben
Die Metamorphose führt bei Insekten meist zu völlig verschieden aussehenden Larven- und Erwachsenenstadien: Schmetterlinge unterscheiden sich etwa drastisch von ihren Jungstadien, den Raupen.
18.06.2021
Ökologie | Vogelkunde
Dramatische Veränderung der Brutvogelgemeinschaft
Im Bonner Stadtteil Dottendorf hat die Zahl der Brutvogelarten in den vergangenen 50 Jahren deutlich abgenommen.