Nussfrucht

Die Frucht der Gemeinen Hasel:
Die Haselnuss
Keimende Haselnuss

Nussfrüchte sind Schließfrüchte, bei denen alle drei Schichten der Fruchtwand (d. h. des Perikarps) verholzen. Meist wird dabei nur ein einzelner Samen umschlossen.

Schalenobst (auch Schalenfrüchte) ist die handelsübliche Bezeichnung für Obst, dessen Fruchtkerne von einer harten, meist holzigen Schale umgeben sind. Es handelt sich um Nüsse und Kerne, die für den menschlichen Verzehr geeignet sind. Ihre Fruchtwand – die Schale bzw. das Perikarp – ist dagegen nicht zum Verzehr geeignet.

Etymologie

Das Wort Nuss geht ebenso wie englisch nut auf ein urgermanisches Substantiv zurück, das als *χnut- zu rekonstruieren ist. Dieses wiederum setzt ein urindogermanisches Substantiv *knud- fort. Das keltische Wort *knūs, worauf das altirische cnú und das kymrische kneuen zurückgehen, und das lateinische nux (nucis, f.; Wortstamm nuc-), falls aus umgestelltem *dnuk- entstanden, alle mit derselben Bedeutung „Nuss“, setzen wahrscheinlich ebenfalls *knud- fort.[1]

Nüsse im botanischen Sinne

Zu den Nüssen im botanischen Sinne gehören u.a.

Sonderformen der Nussfrucht

Im botanischen Sinne keine Nüsse

Bei den Steinfrüchten ist nur die innere Fruchtwand verholzt und außen von einer weichen Hülle, dem Fruchtfleisch, umgeben.

Die Pinienkerne (Pinoli) sind die Samen der Pinie (Pinus pinea), die als Nacktsamer gar keine Fruchtknoten ausbildet.

Wirkung von Nüssen auf die Gesundheit

Nüsse senken durch ihre mehrfach ungesättigten Fettsäuren nachweislich den Cholesterinspiegel im Blut, stabilisieren den Zuckerwert, unterstützen die Gefäße und mindern das Risiko für Magen- und Prostatakrebs sowie für Infarkte. In einer klinischen Studie aus dem Jahre 1990 wurde durch täglichen Verzehr von 100 g Mandeln nach vier Wochen eine zwölfprozentige Senkung des Blutcholesterinspiegels erreicht. Weitere Studien, in denen geringere Mengen oder andere Nüsse, wie Wal-, Erd- oder Macadamianüsse verzehrt wurden, zeigten vergleichbare Effekte.

Es ist nicht abschließend geklärt, von welchen Inhaltsstoffen neben den ungesättigten Fettsäuren die positiven gesundheitlichen Auswirkungen der Nuss herrühren.[4] Wegen des hohen Fettgehalts sollte weiterhin beachtet werden, wie der Verzehr von Nüssen sich auf die Energiebilanz auswirkt.

Fettgehalte und Brennwerte[5]

Nussfrucht Fettgehalt in g / 100 g Brennwert in kJ / 100 g Brennwert in kcal / 100 g
Cashewnuss 42,2 2377 572
Erdnuss (ungeröstet) 48,1 2337 564
Erdnuss (ungesalzen, geröstet) 49,4 2423 585
Haselnuss (ohne Samenschale) 61,6 2662 644
Kokosnuss 36,5 1498 363
Macadamianuss 73,0 2896 703
Mandel (ohne Samenschale) 54,1 2411 583
Paranuss 66,8 2764 670
Pekannuss 72,0 2897 703
Pistazie (ohne Samenschale) 51,6 2406 581
Walnuss (ohne Samenschale) 62,5 2738 663

Inhaltsstoffe

Die aufgeführten Nährstoffe und Vitalstoffe sind abhängig von der Nusssorte. In ihrer Gesamtheit enthalten Nüsse das wasserlösliche Vitamin B1, das im Körper für den Kohlehydratstoffwechsel verantwortlich ist. Weitere Inhaltsstoffe sind ungesättigte Fettsäuren, hochwertige pflanzliche Eiweiße, Fette, leicht verwertbare Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Natrium, Kalium, Kalzium, Phosphor, Niacin, Eiweiß, essentielle Aminosäuren, Fluor, Proteine, Eisen, Kupfer, Magnesium, diverse B-Vitamine sowie Vitamin A, C, D und E. Des Weiteren Mineralstoffe und Spurenelemente, Zucker, Linolsäure, Linolensäure, Mangan und Folsäure.

Statistik

Jeder Deutsche verzehrt pro Jahr durchschnittlich 3,3 Kilogramm Nüsse. 2004 wurden 271.000 Tonnen Nüsse nach Deutschland importiert. Hauptverarbeiter ist die Süßwarenindustrie.

Literatur

  • Reinhard Lieberei, Christoph Reisdorff: Nutzpflanzenkunde. Begründet von Wolfgang Franke, 7. Auflage. Thieme-Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-13-530407-6
  • Werner Rauh: Morphologie der Nutzpflanzen. 2. Auflage, Quelle & Meyer, Heidelberg 1950.
  • Horst Bickel, Roman Claus, Roland Frank, Gert Haala, Martin Lüdecke, Günther Wichert, Dirk Zohren: NATURA - Biologie für Gymnasiasten. Klett-Verlag, 1. Auflage, Stuttgart 2002, ISBN 3-12-045200-9.

Einzelnachweise

  1. Wolfgang Griepentrog: Die Wurzelnomina des Germanischen und ihre Vorgeschichte. Institut für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck, Innsbruck 1995, S. 471–473
  2. http://www.pm.ruhr-uni-bochum.de/pm2006/msg00255.htm
  3. Nüsse in der Ernährung. Abgerufen am 27. Dezember 2010. Ein Bericht der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel.
  4.  Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie, Garching (Hrsg.): Lebensmitteltabelle für die Praxis. Der kleine Souci · Fachmann · Kraut. 4 Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8047-2541-6, S. 396–406.

Weblinks

 Commons: Nüsse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

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