Historische Blattflohsammlung erweist sich als wertvoller Schatz für die Wissenschaft



Bio-News vom 07.11.2023

Eine historische Blattflohsammlung des deutschen Forstwissenschaftlers Theodor Hartig aus den Jahren 1834 bis 1851 wurde vor Kurzem in der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) wiederentdeckt und analysiert. Die Sammlung erwies sich nun als wissenschaftlich äußerst wertvolles Archiv sogenannter Originalbelege vieler Blatt- und Schildlausarten. Artenforscher aus Kanada, den USA und Deutschland veröffentlichten ihre Erkenntnisse jetzt im zoologischen Fachjournal Zootaxa.

Naturkundliche Sammlungen wachsen historisch über sehr lange Zeiträume, so auch die Zoologische Staatssammlung München – dort werden seit über 200 Jahren Tierpräparate gesammelt, aufbewahrt, archiviert und wissenschaftlich bearbeitet. Insgesamt lagern inzwischen über 23 Millionen Sammlungsexemplare in den Münchner Magazinen.


Die historische Blattflohsammlung sowie das Tagebuch des deutschen Forstwissenschaftlers Theodor Hartig (1805-1880).

Publikation:


Bryan M.T. Brunet, Michael J. Raupach, Heinz-Otto Rehage, Nathan P. Havilli, Robert G. Foottit
Discovery of the primary aphid (Hemiptera: Aphidomorpha) and scale insect (Hemiptera: Coccomorpha) type specimens from the collection of Theodor Hartig (1805-1880)

Zootaxa 5369 (1): 089–116 (2023)

DOI: 10.11646/zootaxa.5369.1.4



Erst kürzlich entdeckten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dort eine vor 150 Jahren aus den Augen verlorene Kleinsammlung von Blattflöhen des deutschen Forstwissenschaftlers Theodor Hartig (1805-1880) wieder. 155 kleine Blattflöhe versteckten sich offenbar seit über 100 Jahren getrocknet und sicher aufbewahrt in den Beständen der ZSM – um sich nun als wissenschaftliche Schätze für die Forschenden zu erweisen.

Röhrenschildläuse (Aphididae) aus der historischen Blattflohsammlung des deutschen Forstwissenschaftlers Theodor Hartig.

Eine kürzlich veröffentlichte Forschungsarbeit um Bryan Brunet vom Ottawa Research and Development Centre, Kanada mit Beteiligung von Michael Raupach, Kurator für Hemiptera an der Zoologischen Staatssammlung München belegt den wissenschaftlichen Wert der historischen Blattflohsammlung. Die Sammlung enthält sogenannte Primärtypen für 29 Arten, die einst von Hartig beschrieben wurden. Sieben davon sind nur durch ein einziges Exemplar vertreten, diese werden als Holotypus bezeichnet.

Sogenannte zoologische „Typen-Exemplare“ sind Originalbelege von Tieren, die Artenfor-scher:innen als Grundlage für die Beschreibung bisher unbekannter Arten dienen. In der Zoologie ist es (wie auch in der Botanik) üblich, dass jede neu entdeckte Art von den Forschenden anhand eines solchen „Typus-Exemplars“ belegt wird. So hat auch der bedeutende Forstwissenschaftler und Blattflohforscher Theodor Hartig in den Jahren 1834 bis 1851 zahlreiche neue Blatt- und Schildlausarten in mehreren Publikationen wissenschaftlich beschrieben. Die Originalbelege bzw. Referenzexemplare der Insekten galten allerdings nach seinem Tod 1880 als verschollen. Wie sich nun gezeigt hat, gelangte die winzige Blattflohsammlung offenbar zusammen mit der Hautflügler-Sammlung Hartigs durch den ehemaligen ZSM Kurator Joseph Kriechbauer (1819-1902) unerkannt in die Bestände der ZSM.

Die nun erfolgte Identifizierung der Blatt- und Schildlausarten gelang insbesondere mit Hilfe von Hartigs historischen Tagebuchaufzeichnungen - eine wahre Detektivarbeit. Heinz-Otto Rehage vom LWL-Museum für Naturkunde mit Planetarium Münster entschlüsselte hierfür eine von Hartig selbst entwickelte spezielle Farb- und Zahlenkodierung.



Raupach weiter: „Physische Belegexemplare - egal wie alt - sind für unsere Forschung unerlässlich. Sie konservieren nicht nur die sichtbaren Merkmale des jeweiligen Insekts, sondern oft auch mikroskopische Details oder mit etwas Glück sogar noch molekulare Informationen, wie alte DNA-Fragmente. Die sichere und fachgerechte Aufbewahrung insbesondere von Typusexemplaren in naturhistorischen Sammlungen ist Kern unserer Arbeit. Forschenden kommen und gehen, die Sammlungen bleiben“.


Diese Newsmeldung wurde mit Material Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns via Informationsdienst Wissenschaft erstellt.

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