Dorngespenstschrecke

Dieser Artikel beschreibt die Art Eurycantha calcarata. Für andere Gespenstschreckenarten die gelegentlich ebenfalls als Dorngespenstschrecken bezeichnet werden, siehe Dorngespenstschrecke (Begriffsklärung).
Dorngespenstschrecke
Paar der Dorngespenstschrecke (Eurycantha calcarata), Männchen rechts

Paar der Dorngespenstschrecke (Eurycantha calcarata), Männchen rechts

Systematik
Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
Unterordnung: Verophasmatodea
Familie: Phasmatidae
Unterfamilie: Eurycanthinae
Gattung: Eurycantha
Art: Dorngespenstschrecke
Wissenschaftlicher Name
Eurycantha calcarata
Lucas, 1869

Die Dorngespenstschrecke (Eurycantha calcarata) ist eine der bekanntesten Arten der Gespenstschrecken. Selten wird sie bezugnehmend auf das sehr feste Exoskelett der Imagines auch Panzerschrecke genannt. Außerdem finden sich auch die Namen Neuguinea Riesengespenstschrecke, Braune Dornengespenstschrecke[1] oder einfach nur Riesengespenstschrecke, was in letzterem Fall zu Verwechslungen mit anderen ebenso bezeichneten größeren Gespenstschreckenarten führen kann. Weiterhin wird auch noch der Name „Riesendornschrecke“ gebraucht, welcher besser die zwar kleinere, aber nur unter diesem Trivialnamen zu findende Trachyaretaon carmelae bezeichnet. Auch der Name Stachelgespenstschrecke ist zu finden, ist aber ebenfalls nicht eindeutig, da auch er für andere in diesem Fall dornige bzw. stachlige Arten Verwendung findet.

Merkmale

Die Weibchen von Eurycantha calcarata sind größer und insbesondere am Abdomen breiter als die Männchen. Sie haben einen deutlich erkennbaren Legeapparat (Ovipositor) und werden mit etwa 140 bis 150 Millimeter Länge größer als die etwa 120 Millimeter langen Männchen. Diese sind insgesamt schmaler, aber stärker sklerotisiert. Die Dornen, die beide Geschlechter am gesamten Seitenrand von Thorax und Abdomen tragen, sind leicht nach hinten gerichtet. Besonders auffällig sind die massigen Hinterschenkel der Männchen mit dem besonders großen mittleren Dorn. Die adulten Tiere können braun, schwarz oder grünlich gefärbt sein. Die Nymphen sind heller.

Vorkommen und Lebensweise

Die Dorngespenstschrecke kommt in Papua-Neuguinea, Neukaledonien, Neuguinea und auf den Salomonen vor. Sie hält sich tagsüber in Sträuchern nahe dem Boden auf und ist vorwiegend nachtaktiv. Die Männchen können sehr aggressiv werden, wenn man sie reizt. Sie stellen sich auf die Vorder- und Mittelbeine, recken die bedornten Hinterbeine dem Angreifer entgegen und klappen bei Berührung die Schienen zangenartig gegen die Schenkel, um dem Gegner die mächtigen Dornen der Schenkel in die berührenden Körperteile zu schlagen. Die Imagines können 1 bis 1,5 Jahre alt werden.

Fortpflanzung

Einige Wochen nach der Paarung beginnen die Weibchen mit der Eiablage. Dazu bohren sie ihren Hinterleib in den Boden und legen dort die etwa acht Millimeter langen und vier Millimeter breiten, 80 Milligramm schweren, braunen Eier ab. Aus diesen schlüpfen schon nach vier Monaten die 25 Millimeter langen Nymphen. Diese sind während ihrer gesamten Entwicklung wesentlich lebhafter gezeichnet als die Imagines, wobei sie eine meist helle, oft grüne bis beige, flechtenartige Zeichnung zeigen. Bei ihrer Entwicklung durchlaufen die Männchen fünf, die Weibchen sechs Häutungen und sind nach vier bis sechs Monaten adult.[2]

Haltung im Terrarium

Dorngespenstschrecken sind relativ einfach zu halten. Sie fressen sowohl die als Phasmidenfutter sehr beliebten Blätter von Brombeeren und Himbeeren, als auch die verschiedener anderer Pflanzen wie Hasel oder Eiche und selbst Efeublätter werden nicht verschmäht. Allerdings neigen die Dorngespenstschrecken dazu die Blätter direkt am Blattgrund abzufressen, so dass häufiger frische, beblätterte Zweige angeboten werden müssen. Da die Tiere sehr gern trinken, sollte man die Futterpflanzen täglich ausgiebig mit lauwarmem Wasser besprühen. Ein zusätzliches flaches Trinkgefäß kann ebenfalls angeboten werden, wenn sichergestellt ist, dass keine kleineren Nymphen ertrinken können. Die Männchen neigen auch untereinander zu aggressivem Verhalten. Deshalb sollte man entsprechend große Terrarien wählen oder nur wenige Tiere gemeinsam halten.
Die Phasmid Study Group führt unter der PSG-Nummer 23 einen 1977 auf Neubritannien gesammelten Zuchtstamm. Außerdem wird unter der PSG-Nummer 44 noch eine zur Zeit als unbeschriebene Unterart gehandhabte Form (Eurycantha calcarata ssp.) geführt. Diese ist vermutlich in den frühen 1980er Jahren aus Neuguinea eingeführt worden und unterscheidet sich vom anderen Stamm durch eine blassere Färbung, längere Dornen am Körper und die geringfügig größere Körperlänge. Mit diesen Merkmalen entspricht sie eher der Beschreibung von Eurycantha calcarata als die Tiere der PSG-Nummer 23. Mittlerweile sind beide Stämme stark miteinander vermischt worden und kaum noch in ihrer ursprünglichen Form zu finden.[3][4]

Bilder

Weblinks

 Commons: Dorngespenstschrecke – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Referenzen

  1. Oliver Zompro: Grundwissen Pasmiden – Biologie - Haltung - Zucht. Sungaya Verlag, Berlin 2012, S. 48, ISBN 978-3-943592-00-9
  2. Christoph Seiler, Sven Bradler, Rainer Koch: Phasmiden - Pflege und Zucht von Gespenstschrecken, Stabschrecken und Wandelnden Blättern im Terrarium, bede, Ruhmannsfelden 2000. ISBN 3-933646-89-8
  3. Phasmidenseite von Frank H. Hennemann & Oskar V. Conle
  4. www.phasmida.myspecies.info - Phasmid Study Group Culture List (eng.)

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