Indischer Fischotter

Indischer Fischotter
Indischer Fischotter (Lutrogale perspicillata) im Sungai Buloh Wetland Reserve

Indischer Fischotter (Lutrogale perspicillata) im Sungai Buloh Wetland Reserve

Systematik
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Otter (Lutrinae)
Gattung: Lutrogale
Art: Indischer Fischotter
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Lutrogale
Gray, 1865
Wissenschaftlicher Name der Art
Lutrogale perspicillata
(I. Geoffroy Saint-Hilaire, 1826)

Der Indische Fischotter oder Weichfellotter (Lutrogale perspicillata) ist eine in Süd- und Südostasien lebende Raubtierart aus der Unterfamilie der Otter (Lutrinae) innerhalb der Familie der Marder (Mustelidae).

Merkmale

Indische Fischotter ähneln dem Eurasischen Fischotter, unterscheiden sich aber durch ein weicheres, seidiges Fell, einen flacheren Schwanz, einen runderen Schädel mit kürzerer Schnauze und größeren Zähnen. Wie alle Otter haben sie einen langgestreckten, walzenförmigen Körper mit kurzen Beinen. Ihr Fell ist an der Oberseite graubraun gefärbt, die Unterseite ist heller. Die Wangen, die Kehle und die Brust sind weißlich. Diese Tiere erreichen eine Kopfrumpflänge von 65 bis 79 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 40 bis 51 Zentimeter und ein Gewicht von 7 bis 11 Kilogramm, sind also annähernd gleich groß wie der Eurasische Fischotter.

Verbreitung und Lebensraum

Verbreitungsgebiet des Indischen Fischotters

Das Verbreitungsgebiet der Indischen Fischotter erstreckt sich von Pakistan und Indien über Südostasien bis zu den Inseln Borneo und Java, eine isolierte Population lebt im südlichen Irak. Ihr Lebensraum sind Seen, Flüsse und andere Gewässer in Wäldern, Mangrovengebiete, Sümpfe und auch Reisfelder. Obwohl vorwiegend wassergebunden, legen sie auch größere Strecken am trockenen Land zurück, insbesondere in der Trockenzeit.

Lebensweise

Diese Tiere leben in Familiengruppen, die aus einem Männchen, einem Weibchen und dem dazugehörenden Nachwuchs bestehen. Als Ruheplätze verwenden sie selbstgegrabene Baue, die sie im Uferbereich errichten. Eine Gruppe bewohnt ein Revier, das sich ungefähr 7 bis 12 Kilometer entlang eines Gewässers erstreckt.

Nahrung

Fische machen den größten Teil der Nahrung dieser Tiere aus, oft jagen sie im Familienverband und treiben so die Fische zusammen, um sie leichter fangen zu können. Nebenbei nehmen sie auch Insekten, Frösche und Krebstiere zu sich.

Fortpflanzung

Die Trächtigkeitsdauer der Indischen Fischotter beträgt rund 60 Tage, durch eine Keimruhe kann sich die Tragzeit allerdings verlängern. Die zwei bis fünf Jungtiere werden in einem mit Pflanzen gepolsterten Erdbau aufgezogen, nach rund 130 Tagen werden sie entwöhnt. Beide Elternteile kümmern sich um den Nachwuchs und versorgen ihn mit Nahrung, bevor er mit rund einem Jahr selbständig wird. Die Lebenserwartung in freier Wildbahn beträgt rund vier bis zehn Jahre, in menschlicher Obhut bis zu 20 Jahre.

Unterarten

Drei Unterarten werden unterschieden:

  • Lutrogale perspicillata perspicillata (Geoffroy Saint-Hilaire, 1826), verbreitet von Indien über Südostasien bis Indonesien
  • Lutrogale perspicillata sindica (Pocock, 1940), in Pakistan (Synonym Lutrogale perspicillata maxwelli)

Die irakische Population des pakistanischen Fischotters Lutrogale perspicillata sindica, früher als eigenständige Unterart Lutrogale perspicillata maxwelli (Hayman, 1957) betrachtet, wurde in den 1960er-Jahren zuletzt nachgewiesen und gilt nun aufgrund der Trockenlegung der Sümpfe als vermutlich ausgestorben. Weltbekannt wurde die Freundschaft zwischen dem irakischen Fischotter Mijbil und dem schottischen Schriftsteller Gavin Maxwell, die als Vorlage für den Film Mein Freund, der Otter (Ring of Bright Water) diente.

Einsatz als Jagdtier

In den Sundarbans werden Fischotter von Fischern als Jagdgehilfen eingesetzt. Dabei werden die Otter an Leinen ins Wasser gelassen, wo sie die Fische in die Netze treiben. Sie werden auch als Köder für die Jagd auf Gangesdelfine eingesetzt.

Gefährdung

Durch Waldrodungen, Eindämmung von Flüssen und Wasserverschmutzung wird der Lebensraum der Indischen Fischotter immer mehr eingeschränkt. In einigen Regionen sind sie bereits selten geworden oder ausgestorben, insgesamt wird die Art von der IUCN als gefährdet (vulnerable) gelistet. Über den Status der isolierten Population im Südirak ist wenig bekannt, da ihr Verbreitungsgebiet Schauplatz von kriegerischen Auseinandersetzungen war und die dortigen Sumpfgebiete immer mehr trockengelegt werden, dürfte auch sie bedroht sein.

Name

Der Gattungsname Lutrogale ist eine Kombination aus lutra ("Otter") und gale ("Wiesel"). Der Artname perspicillata bedeutet "auffällig".

Literatur

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, 1999 ISBN 0-8018-5789-9
  • Yeen Ten Hwang, Serge Larivière: Lutrogale perspicillata. Mammalian Species Nr. 786, 2005.

Weblinks

 Commons: Indischer Fischotter (Lutrogale perspicillata) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference
  • Lutrogale perspicillata in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2010.4. Eingestellt von: Hussain, S.A., de Silva, P.K. & Mostafa Feeroz, M., 2008. Abgerufen am 2. May 2011.

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News

28.02.2021
Anthropologie | Genetik
64 menschliche Genome als neue Referenz für die globale genetische Vielfalt
Eine internationale Forschungsgruppe hat 64 menschliche Genome hochauflösend sequenziert.
28.02.2021
Neurobiologie | Insektenkunde
Wie Insekten Farben sehen
Insekten und ihre hochentwickelte Fähigkeit Farben zu sehen und zum Beispiel Blüten unterscheiden zu können, sind von zentraler Bedeutung für die Funktion vieler Ökosysteme.
28.02.2021
Genetik | Virologie
Retroviren schreiben das Koala-Genom um
Koalas sind mit zahlreichen Umwelt- und Gesundheitsproblemen konfrontiert, die ihr Überleben bedrohen.
26.02.2021
Ökologie | Paläontologie
Student entwickelt ein neues Verfahren, um Millionen Jahre alte Ökosysteme zu rekonstruieren
Niklas Hohmann, Masterstudent der Geowissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), hat einen neuen Algorithmus entwickelt, mit dem sich die Abfolge von Ökosystemen durch die Erdgeschichte besser rekonstruieren lässt.
26.02.2021
Klimawandel | Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Unterirdische Biodiversität im Wandel
Durch den globalen Wandel wird die Vielfalt der Bakterien auf lokaler Ebene voraussichtlich zunehmen, während deren Zusammensetzung sich auf globaler Ebene immer ähnlicher wird.
25.02.2021
Botanik | Ökologie | Klimawandel | Video
Wald im Trockenstress: Schäden weiten sich weiter aus
Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020 zeigen: Die anhaltenden Dürrejahre fordern Tribut.
24.02.2021
Physiologie | Primatologie
Geophagie: Der Schlüssel zum Schutz der Lemuren?
Kürzlich wurde eine transdisziplinäre Forschung über die Interaktionen zwischen Böden und Darm-Mykobiom (Pilze und Hefen) der Indri-Indri-Lemuren veröffentlicht.
24.02.2021
Mikrobiologie | Evolution
Vom Beginn einer evolutionären Erfolgsstory
Unser Planet war bereits lange von Mikroorganismen besiedelt, bevor komplexere Lebewesen erstmals entstanden und sich nach und nach zur heute lebenden Tier- und Pflanzenwelt entwickelten.
24.02.2021
Genetik
Cre-Controlled CRISPR: konditionale Gen-Inaktivierung wird einfacher
Die Fähigkeit, ein Gen nur in einem bestimmten Zelltyp auszuschalten, ist für die modernen Lebenswissenschaften wesentlich.
24.02.2021
Land-, Forst- und Viehwirtschaft | Fischkunde
Bald nur noch ängstliche Fische übrig?
Über die Fischerei werden vor allem größere und aktivere Fische aus Populationen herausgefangen.
23.02.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Placebos wirken auch bei bewusster Einnahme
Freiburger Forschende zeigen: Scheinmedikamente funktionieren auch ohne Täuschung. Probanden waren über Placebo-Effekt vorab informiert.
23.02.2021
Botanik | Klimawandel
Auswirkungen des Klimas auf Pflanzen mitunter erst nach Jahren sichtbar
Die Auswirkungen von Klimaelementen wie Temperatur und Niederschlag auf die Pflanzenwelt werden möglicherweise erst Jahre später sichtbar.
23.02.2021
Ökologie | Klimawandel
Biologische Bodenkrusten bremsen Erosion
Forschungsteam untersucht, wie natürliche „Teppiche“ Böden gegen das Wegschwemmen durch Regen schützen.
23.02.2021
Mikrobiologie | Meeresbiologie
Süße Algenpartikel widerstehen hungrigen Bakterien
Eher süß als salzig: Mikroalgen im Meer produzieren jede Menge Zucker während der Algenblüten.
21.02.2021
Evolution | Biochemie
Treibstoff frühesten Lebens – organische Moleküle in 3,5 Milliarden Jahre alten Gesteinen nachgewiesen
Erstmalig konnten biologisch wichtige organische Moleküle in archaischen Fluideinschlüssen nachgewiesen werden. Sie dienten sehr wahrscheinlich als Nährstoffe frühen Lebens auf der Erde.
21.02.2021
Evolution | Biochemie
Origin of Life - Begann die Darwin’sche Evolution schon, bevor es Leben gab?
Ehe Leben auf der Erde entstand, gab es vor allem eines: Chaos.
21.02.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Kommunikationsfähigkeit von Menschen im REM-Schlaf
Mit schlafenden Versuchspersonen lassen sich komplexe Nachrichten austauschen. Das haben Wissenschaftler jetzt in Studien gezeigt.
21.02.2021
Paläontologie | Insektenkunde
Fossile Larven - Zeitzeugen in Bernstein
Eine ungewöhnliche Schmetterlingslarve und eine große Vielfalt an Fliegenlarven. LMU-Zoologen haben in Bernstein fossile Bewohner Jahrmillionen alter Wälder entdeckt.
21.02.2021
Ethologie | Ökologie
Wölfe in der Mongolei fressen lieber Wild- als Weidetiere
Wenn das Angebot vorhanden ist, ernähren sich Wölfe in der Mongolei lieber von Wildtieren als von Weidevieh.
21.02.2021
Meeresbiologie
Neuer Wohnort im Plastikmüll: Biodiversität in der Tiefsee
Ein internationales Forscherteam findet einen neuen Hotspot der Biodiversität – und zwar ausgerechnet im Plastikmüll, der sich seit Jahrzehnten in den Tiefseegräben der Erde ansammelt.
19.02.2021
Meeresbiologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Durch Aquakultur gelangt vom Menschen produzierter Stickstoff in die Nahrungskette
Ausgedehnte Aquakulturflächen entlang der Küsten sind in Südostasien sehr verbreitet.
19.02.2021
Anthropologie | Paläontologie
Das Aussterben der größten Tiere Nordamerikas wurde wahrscheinlich vom Klimawandel verursacht
Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Überjagung durch den Menschen nicht für das Verschwinden von Mammuts, Riesenfaultieren und anderen nordamerikanischen Großtieren verantwortlich war.
18.02.2021
Anthropologie | Virologie
Neandertaler-Gene und Covid-19 Verläufe
Letztes Jahr entdeckten Forscher, dass wir den wichtigsten genetischen Risikofaktor für einen schweren Verlauf der Krankheit Covid-19 vom Neandertaler geerbt haben.
18.02.2021
Taxonomie | Fischkunde
Wüstenfische „under cover“ – neu entdeckte Vielfalt auf der arabischen Halbinsel
Das Landschaftsbild des Oman ist geprägt durch ausgedehnte Wüstenlandschaften und karge, trockene Hochgebirgsketten.
18.02.2021
Genetik | Immunologie | Biochemie
Rätsel des pflanzlichen Immunsystems gelöst
Wie bauen Pflanzen eine Resilienz auf? Ein internationales Forschungsteam hat die molekularen Mechanismen des pflanzlichen Immunsystems untersucht.