Onychopoda

Onychopoda
Evadne spinifera

Evadne spinifera

Systematik
Überstamm: Häutungstiere (Ecdysozoa)
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Krebstiere (Crustacea)
Klasse: Krallenschwänze (Onychura)
Unterklasse: Onychopoda
Wissenschaftlicher Name
Onychopoda
Sars, 1865

Die Onychopoda stellen eine Ordnung oder Unterordnung der Krallenschwänze (Onychura) und somit innerhalb der Blattfußkrebse (Branchiopoda) dar. Es handelt sich dabei um räuberische Kleinkrebse, die sowohl im Süßwasser als auch im Meer zu finden sind. Während die Meerwasserformen weltweit vorkommen, beschränken sich die Süßwasserformen auf die nördliche Erdhalbkugel (Holarktis) mit einer besonders hohen Artendichte im Bereich des Kaspischen Meeres.

Bau der Onychopoda

Die Onychopoda erreichen eine maximale Körperlänge von etwa 12 Millimetern, wobei der ziemlich lange Schwanzanhang einen großen Teil dieser Körperlänge ausmacht. Die meisten Arten erreichen allerdings nur etwa 2 Millimeter Körperlänge. Der Kopf und der Thorax sind relativ kurz und gedrungen, der Hinterleib kann ebenfalls kurz und ungegliedert sein. Bei vielen Arten ist er jedoch gestreckt und geht in einen langen Schwanzanhang (Caudalanhang) mit einer Schwanzgabel (Furca) über. Der für die Krallenschwänze eigentlich typische Panzer (Carapax) bildet bei den Onychopoda ähnlich wie bei dem Glaskrebschen (Leptodora kindtii) nur noch einen Brutbeutel, der allerdings deutlich ausgeprägter als bei der letztgenannten Art ist.

Die 1. Antenne ist kurz und röhrenförmig, die 2. Antennen stellen große zweiästige Schwimmbeine mit Schwimmborsten dar. Die 1. Maxille ist deutlich rückgebildet, die 2. Maxille fehlt vollständig. Der Rumpf ist so ausgebildet, dass die vier Paar Thoraxbeine nach vorn ragen. Mit diesen Greifbeinen kann Beute gepackt und zu den Mundwerkzeugen geführt werden. Am Vorderende des Kopfes liegt ein einzelnes, sehr großes Facettenauge.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Fortpflanzung der Onychopoda ist vorwiegend parthenogenetisch, wobei sich die Jungtiere im Brutsack des Weibchens entwickeln. Im Laufe des Jahreszyklus kommt es auch zur sexuellen Vermehrung, bei der meist nur zwei dotterreiche Dauereier entstehen, welche frei ins Wasser abgegeben werden. Die parthenogenetisch entstandenen Eier sind demgegenüber klein und mit wenig Dotter ausgestattet, sie werden vor allem über eine Nährflüssigkeit aus einem speziellen Gewebe im Brutsack versorgt.

Polyphemus pediculus

Systematik der Onychopoda

Die Onychopoda wurden früher gemeinsam mit den Haplopoda (einziger Vertreter ist das Glaskrebschen), den Ctenopoda und den Anemopoda als Wasserflöhe (Cladocera) zusammengefasst, diese Gruppe stellt jedoch wahrscheinlich keine natürliche Einheit dar. Die tatsächliche Zuordnung im System der Krallenschwänze ist umstritten.

Die mitteleuropäischen Vertreter gehören vollständig der Familie Polyphemidae an und lassen sich dort in mehrere Gattungen aufteilen:

  • Evadne; marine Arten, beispielsweise Evadne nordmanni
  • Podon
  • Pleopis; ehemals zu den Podon-Arten gezählt, etwa Pleopis polyphemoides
  • Polyphemus, heimisch nur Polyphemus pediculus
  • Bythotrephes; unter anderem Bytothrephes longmanus

Literatur

  • Ax P (1999): "Das System der Metazoa II. Ein Lehrbuch der phylogenetischen Systematik"; Gustav Fischer Verlag.
  • Gruner HE (1993):"Klasse Crustacea"; in Gruner HE (Hrsg.): "Lehrbuch der Speziellen Zoologie, Band I, 4. Teil: Arthropoda (ohne Insecta)"; Gustav Fischer Verlag
  • Schminke HK (1997): "Crustacea, Krebse"; in Westheide, Rieger (Hrsg.): "Spezielle Zoologie Teil 1: Einzeller und Wirbellose Tiere"; Gustav Fischer Verlag

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

23.06.2021
Botanik | Physiologie | Biochemie
Wie kleine Moleküle Pflanzen bei ihrer Stressbewältigung helfen
Ein Team von Wissenschaftlerinnen hat in einer aktuellen Studie ein neuartiges regulatorisches kleines Molekül untersucht und beschrieben.
23.06.2021
Zytologie | Genetik | Biochemie
Flashmob im Zellkern
Der Zellkern ist weit mehr als eine Art Aufbewahrungs-Behälter für Chromosomen: In ihm sitzt auch die komplexe Maschinerie, die Abschriften der gerade benötigten Gene herstellt und in die Zelle entlässt.
23.06.2021
Anthropologie | Primatologie
Dem Affen in die Augen geschaut
Das Weiße in unserem Auge ist etwas Besonderes, denn die Lederhaut ist nicht pigmentiert, weshalb wir gut verfolgen können, wohin unser Gegenüber schaut.
23.06.2021
Physiologie | Ökologie | Biodiversität
Der Duft macht’s
Pflanzliche Inzucht mindert die Attraktivität für Bestäuber, das zeigt ein Forschungsteam am Beispiel der Weißen Lichtnelke.
23.06.2021
Anthropologie | Physiologie | Primatologie
Das Alter lässt sich nicht betrügen
Die Lebenserwartung in Primatenpopulationen wird durch die Überlebensrate der Jüngeren bestimmt.
23.06.2021
Botanik | Physiologie | Klimawandel
Warum Bäume nachts wachsen
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Bäume mehrheitlich tagsüber wachsen.
21.06.2021
Neurobiologie
Wählerische Nervenzellen
Der visuelle Thalamus ist klassischerweise dafür bekannt, die von der Netzhaut kommenden visuellen Reize an die Großhirnrinde weiterzuleiten.
21.06.2021
Botanik | Genetik | Klimawandel
Gene für Dürreresistenz in Buchen: Hitzesommer überleben oder austrocknen?
Forscherinnen identifizieren Gene für Dürreresistenz in Buchen, aber nicht jeder Baum hat das genetische Rüstzeug für einen Klimawandel.
21.06.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Mimik-Erkennung: Warum das Gehirn dem Computer (noch) überlegen ist
Die Corona-Maskenpflicht macht uns derzeit bewusst: Mimik ist eines unserer wichtigsten Kommunikationssignale.
20.06.2021
Physiologie | Paläontologie
Kleiner Elefant hörte tiefe Töne
Der ausgestorbene Zwergelefant Palaeoloxodon tiliensis von der griechischen Insel Tilos besaß offenbar ein ähnliches Hörspektrum wie seine großen, heute lebenden Verwandten.
20.06.2021
Biodiversität | Insektenkunde
In Deutschland Gewinner und Verlierer: Libellen
In den letzten 35 Jahres hat sich die Verteilung der Libellenarten in Deutschland stark verändert.
18.06.2021
Ethologie | Insektenkunde
Die komplexe Organisation einer Ameisenkolonie
Eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie über räuberische Ameisen erklärt, wie kleine Unterschiede zwischen Einzeltieren die kollektive Organisation der Kolonie verändern.
18.06.2021
Ethologie | Primatologie
Schimpansen-Waisen erholen sich vom Verlust der Mutter
Chronischer Stress könnte ein Grund dafür sein, warum manche Tierwaisen eine kürzere Lebenserwartung haben und weniger Nachkommen bekommen.
18.06.2021
Ökologie | Insektenkunde
Stickstoffüberschuss gefährdet Schmetterlinge
Stickstoff aus Landwirtschaft, Verkehrsabgasen und Industrie bringt Schmetterlinge in der Schweiz in Bedrängnis.
18.06.2021
Insektenkunde | Entwicklungsbiologie
Steinfliegen: Jugend beeinflusst Erwachsenenleben
Die Metamorphose führt bei Insekten meist zu völlig verschieden aussehenden Larven- und Erwachsenenstadien: Schmetterlinge unterscheiden sich etwa drastisch von ihren Jungstadien, den Raupen.
18.06.2021
Ökologie | Vogelkunde
Dramatische Veränderung der Brutvogelgemeinschaft
Im Bonner Stadtteil Dottendorf hat die Zahl der Brutvogelarten in den vergangenen 50 Jahren deutlich abgenommen.