Roter Thun

Roter Thun
Roter Thun (Thunnus thynnus)

Roter Thun (Thunnus thynnus)

Systematik
Barschverwandte (Percomorpha)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Unterordnung: Makrelenartige (Scombroidei)
Familie: Makrelen und Thunfische (Scombridae)
Gattung: Thunfische (Thunnus)
Art: Roter Thun
Wissenschaftlicher Name
Thunnus thynnus
Linnaeus, 1758

Der Rote Thun (Thunnus thynnus), auch Großer Thun, Nordatlantischer Thun oder Blauflossen-Thunfisch genannt, ist eine Thunfischart und ein bedeutender Speisefisch. Mit einer Maximallänge von 4,5 Meter und einem Maximalgewicht von über 650 kg ist er einer der größten Knochenfische.

Verbreitung

Der Rote Thun lebt im Atlantik, nördlich des Äquators, im Mittelmeer, in der Karibik und im Golf von Mexiko. Auch an der Küste Südafrikas soll es eine Population geben.

Merkmale

Rote Thunfische werden für gewöhnlich drei Meter lang und erreichen mit einem Alter von 15 Jahren ein Gewicht von 300 kg. Der größte gefangene Fisch war 4,58 Meter groß und der schwerste Fisch hatte ein Gewicht von 684 Kilogramm. Der Rote Thunfisch hat einen spindelförmigen Körper, der seine größte Höhe in der Mitte der ersten Rückenflosse erreicht. Beide Rückenflossen stehen dicht beieinander, die zweite ist höher als die erste. Hinter der zweiten Rückenflosse und der Afterflosse befinden sich acht bis neun kleine Flössel. Die angelegten Brustflossen reichen bis hinter die Mitte der ersten Rückenflosse. Die Bauchflossen sind sehr klein und immer kürzer als 80 % der Kopflänge. Der Schwanzflossenstiel wird durch zwei seitliche Keile verstärkt.

Flossenformel: Dorsale XII-XIV/13-15, Anale 13-16.

Der Rote Thun ist oben dunkelblau, an den Seiten und am Bauch silbrigweiß und ohne Streifen- oder Fleckenmuster. Die erste Rückenflosse ist bläulich oder gelb, die zweite rotbraun. Die Afterflosse und die Flössel sind graugelb und schwarz umrandet, der Keil in der Mitte der Schwanzflosse bei ausgewachsenen Tieren schwarz.

Lebensweise

Rote Thunfische leben pelagisch im offenen Ozean von der Wasseroberfläche bis in Tiefen von 100 Metern. Jungfische bevorzugen eher wärmere Gewässer, während ausgewachsenen Thune auch in kalte Gewässer vordringen können. Da sie ihre Körpertemperatur gegenüber der umgebenden Wassertemperatur um einige Grade erhöhen können, ist ihre Temperaturtoleranz groß. Ihre Nahrung besteht aus Schwarmfischen der Hochsee, darunter Makrelen, Seehechte, Makrelenhechte, Hornhechte, Fliegende Fische, Sardellen und Heringe sowie aus Kalmaren. Kleinere Beute wird mit der Kiemenreuse aus dem Wasser gefiltert, größere Tiere bei plötzlichen Angriffen, bei denen die Thune eine Geschwindigkeit bis 80 km/h erreichen können, erbeutet.

Rote Thune unternehmen lange Wanderungen, bei denen sie zeitweise den Küsten nahekommen und bewegen sich in Schulen gleich großer Fische oft gemischt mit dem Weißen Thun, dem Gelbflossen-Thun, dem Großaugen-Thun und der Thonine. Dabei überqueren Rote Thune auch den Atlantik, so dass es einen Austausch zwischen der west- und der ostatlantischen Population gibt.

Fortpflanzung

Larve des Roten Thunfisch

Der ostatlantische Bestand der Roten Thune laicht von Juni bis August vor der Straße von Gibraltar und im westlichen Mittelmeer. Ein Weibchen kann bis zu zehn Millionen Eier abgeben, die nur einen Durchmesser von einem Millimeter haben. Eier und Larven sind pelagisch und treiben nah der Wasseroberfläche. Die Larven schlüpfen nach zwei bis drei Tagen und wachsen schnell. Nach drei Jahren sind sie etwa einen Meter lang und haben ein Gewicht von ca. 16 kg. Mit einer Länge von 1,2 bis 1,4 Metern, einem Gewicht von 30 bis 40 kg und einem Alter von vier bis fünf Jahren werden sie geschlechtsreif. Maximal werden sie 15 Jahre alt.

Die Elterntiere der ostatlantischen Population ziehen nach dem Ablaichen auf Nahrungssuche nach Norden an die Küsten von Schottland und Norwegen, in die Nordsee, den Kattegat und selten auch bis in die westliche Ostsee.

Wirtschaftliche Bedeutung

Der Rote Thun ist ein bedeutender Speisefisch. Er hat tiefdunkelrotes Fleisch, das beim Erhitzen auch dunkel bleibt. Zuerst wurden in Japan Thunfische auch lebend gefangen und in Käfigen vor der Küste gemästet, so dass sie fetter (und wertvoller) werden. Diese Methode ist mittlerweile weit verbreitet und unter dem Namen „Thunfischfarm“ bekannt. Wobei hier anzumerken ist, dass der Thunfisch (auch Weibchen und Jungtiere) sich in diesen Käfigen nicht vermehrt sondern nur wächst. Thunfische pflanzen sich nicht in Gefangenschaft fort. 85 % des im Mittelmeer gefangenen Thunfisches wird nach Japan exportiert und zu Sushi verarbeitet.

Überfischung

Ein im einem Fischernetz verfangener Roter Thun.

Der Rote Thun ist massiv überfischt und steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten der IUCN (Weltnaturschutzorganisation). Nach neueren wissenschaftlichen Studien gibt es heute im Mittelmeer und im Ostatlantik nur noch etwa sechs Prozent der ursprünglich vorhandenen Bestände. Am 11. Juni 2007 erließ die EU die Verordnung (EG) Nr. 41/2007 für die Erhaltung der Thunfischbestände des Atlantiks.[1] Damit soll die Ausrottung dieser Thunfischart verhindert und die Bestände wieder aufgebaut werden. Mit der Verordnung werden unter anderem Schonzeiten im Ostatlantik und im Mittelmeer verhängt.[2]

Umweltschutzorganisationen wie der WWF halten diese Maßnahmen für unzureichend.[3] Der Direktor der Fischereiabteilung der Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten, NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) kündigte im Oktober 2007 an, dass die USA ein fünfjähriges totales Fangverbot für den Roten Thun im Mittelmeer fordern werden.

Mitte Juni 2008 beschloss EU-Fischereikommissar Joe Borg, die Fischerei auf den Roten Thun im Mittelmeer und im östlichen Atlantik ab dem 16. Juni für alle Ringwadennetze einsetzenden Thunfischfänger, die die zyprische, französische, griechische, italienische oder maltesische Flagge führen, bis zum Ende des Jahres einzustellen. Für spanische Thunfischwadenfänger gilt das Verbot ab dem 23. Juni. Als Grund werden schwerwiegende Verstöße gegen internationale Fischereirichtlinien und die Nichteinhaltung vorgegebener Fangquoten angeführt.[4]

Umweltorganisationen bezweifeln die Wirksamkeit dieser Maßnahme. Bereits kurz nach dem Fangverbot wurden italienische Ringwadenfänger auf Fangfahrt entdeckt sowie mit den Fischern kooperierende Suchflugzeuge zum Aufspüren der Thunfischschwärme, deren Einsatz illegal ist.[5]

Auf dem Weltnaturschutzkongress in Barcelona im Oktober 2008 haben sich die beiden Nationen Spanien und Japan zur Unterstützung eines vorübergehenden Fangstopps für den bedrohten roten Thunfisch bereiterklärt. In der Laichsaison von Mai bis Juni soll demnach der Fang ganz eingestellt und im Rest des Jahres stark eingeschränkt werden. Spanien ist die wichtigste Fangnation, Japan ist der Hauptabsatzmarkt für Thunfisch.[6]

Im April 2009 veröffentlichte die Umweltstiftung WWF eine Analyse der Populationsbestände und der vorhandenen Zahl an fortpflanzungsfähigen Tieren, die zeigt, dass bei gleichbleibendem Befischungsgrad der Rote Thun im Mittelmeer im Jahr 2012 ausgerottet sein wird.[7] Im November des gleichen Jahres scheiterte die Internationale Schutzkommission für den Thunfisch im Atlantik (ICCAT) bei einer Konferenz in Recife dabei, sich auf ein absolutes Fangverbot zu einigen.[8]

Im März 2010 stimmten die Delegierten der CITES-Konferenz in Doha gegen einen internationalen Handelsstopp. Monaco hatte einen entsprechenden Antrag eingebracht, den jedoch nur 20 Länder annahmen, während ihn 68 Länder – bei 30 Enthaltungen – ablehnten. Die Entscheidung wurde vor allem in Japan begrüßt, wohin 80 Prozent des atlantischen Roten Thuns importiert und zu Sushi verarbeitet wird.[9][10]

Der Filmemacher Mark S. Hall behandelt die Überfischung des Blauflossenthunfisches in dem 2011 produzierten Dokumentarfilm Sushi - The Global Catch.[11]

Literatur

  • Bent J. Muus: Die Meeresfische Europas. In Nordsee, Ostsee und Atlantik. Franckh-Kosmos Verlag, ISBN 3-440-07804-3
  • Kurt Fiedler: Lehrbuch der Speziellen Zoologie, Band II, Teil 2: Fische. Seite 389, Gustav Fischer Verlag Jena, 1991, ISBN 3-334-00339-6

Einzelnachweise

  1. EU-Verordnung (EG) Nr. 41/2007
  2. Die Dosen-Thunfischindustrie und ihre Auswirkungen auf Thunfischbestände
  3. EU-Beschlüsse gegen illegale Fischerei und Bodenschleppnetze sind unzureichend
  4. Fischerei auf Roten Thun einstellen und damit seine Zukunft sichern
  5. Jagd auf Roten Thun eingestellt
  6. Spanien und Japan für Fangstopp
  7. Tunfisch im Mittelmeer bis 2012 ausgestorben?
  8. Fangverbot für bedrohten Blauflossen-Thunfisch gescheitert Die Zeit vom 16. November 2009
  9. Handel mit Rotem Thunfisch bleibt erlaubt Die Zeit vom 18.März 2010
  10. Japan wendet Handelsverbot für Sushi-Thunfisch ab Handelsblatt vom 19. März 2010
  11. Sushi - The Global Catch, Dokumentarfilm von Mark S. Hall, 2011, Rezension auf taz.de, 7. Juni 2012

Weblinks

 Commons: Roter Thun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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