Lemuren auf Madagaskar



Die Lemuren sind von allen heutigen Primaten mit dem Menschen am wenigsten verwandt. Sie kommen nur auf Madagaskar vor und lassen sich in vier Familen einteilen.

Zur Familie der eigentlichen Lemuren (Lemuridae) zählt beispielsweise der Katta (Lemur catta) . Er fällt durch seinen schwarz-weiß geringelten, buschigen Schwanz auf, den er bei der Fortbewegung auf dem Boden weit in die Höhe streckt. Kattas werden etwa so groß wie eine Hauskatze und leben überwiegend auf den Bäumen, wo sie sich springend von Ast zu Ast forbewegen, suchen aber auch oft den Boden auf.

Alle Arten der eigentlichen Lemuren sind tagaktiv. Sie ernähren sich hauptsächlich von Früchten und ihr Gebiss ist das vollständigste unter den Primaten, was bedeutet, dass die Anzahl der Zähne noch weitgehend der von ursprünglichen Säugetieren entspricht.


Eulemur fulvus sanfordi
Brauner Mausmaki (Microcebus rufus)
Brauner Mausmaki (Microcebus rufus) auf Madagaskar
Fingertier (Daubentonia madagascariensis),

Alle heute lebende Feuchtnasenaffen haben zwei spezielle Merkmale gemeinsam, die auch bei Fossilien identifiziert werden können - ihr ungewöhnlicher Zahnkamm , damit verbundene kleine obere Schneidezähne und die "Putzkralle" auf dem zweiten Zeh ihrer Füße. Kattas verwenden dieses Kammgebiss beispielsweise zur Reinigung des Fells, andere Lemuren verwenden ihn zu anderen Zwecken, etwa als Sieb beim Fressen.

Zu einer weiteren Familie gehören die Indriartigen (Indriidae) , zu der man die größten Lemurenarten zählt. Als besonderes Merkmal besitzen sie sehr lange Hinterbeine, mit denen sie hervorragend springen können. Sifakas etwa schaffen weite Sätze von mehreren Metern. Auch auf dem Boden kann man sie antreffen, dort bewegen sie sich auf zwei Beinen hüpfend fort, was einer Art, dem Larvensifaka (Propithecus verreauxi) , den englischen Namen "Dancing Sifaka" einbrachte. Sifakas und Indris haben weniger Zähne als die Eigentlichen Lemuren. Für den Zahnkamm stehen ihnen nur noch insgesamt vier Schneidezähne zur Verfügung.

Die dritte Familie stellt die Katzenmakis (Cheirogaleiden) dar, zu denen die kleinsten Primaten der Welt gehören. So wird der etwa der Mausmaki nur zwölf Zentimeter groß und passt damit bequem in den Handteller eines Menschen. Cheirogaleiden sind nachtaktive Tiere mit übergroßen Augen, die sie sehr gut bei ihrer nächtlichen Nahrungssuche gebrauchen können. Die Ernährung der Cheirogaleiden umfasst Pflanzen und Insekten.

Eine vierte Familie repräsentiert das Fingertier oder Aye-Aye , das der einzige heute lebende Vertreter der Daubentoniiden ist. Eine ausgestorbene Art, das Riesenfingertier (Daubentonia robusta) soll bis vor wenigen Jahrhunderten gelebt haben. Das Fingetier ernährt sich von Larven, die es mit seinem besonders langen, kräftigen Mittelfinger aus Baumlöchern oder unter der Rinde hervorfischt. Der Zahnkamm seiner Vorfahren hat sich auf einen einzigen, riesigen und nachwachsenden Zahn pro Quadrant weiterentwicktelt, mit dem es Baumrinde zerkleinert. Dieses Merkmal macht das Fingertier einem Nagetier nicht unähnlich, zu denen frühere Biologen diesen Primaten auch zählten.


Systematik

Literatur

Mittermeier R. A, Ganzhorn J. U., Konstant W. R., Glander K., Tattersall I., Groves C. P . , Rylands A. B., Hapke A. et al. 2008. Lemur Diversity in Madagascar . International Journal of Primatology 29 (6): 1607–1656. doi: 10.1007/s10764-008-9317-y

E. L. Simons. 1994. The giant aye-aye Daubentonia robusta. Folia Primatol 62(1-3):14-21. DOI: 10.1159/000156759