Leucin
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- Proteinogene Aminosäure
- Arzneistoff
| Strukturformel | |||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Datei:L-Leucin - L-Leucine.svg Datei:D-Leucine.svg | |||||||||||||
| L-Leucin (links) bzw. D-Leucin (rechts) | |||||||||||||
| Allgemeines | |||||||||||||
| Name | Leucin | ||||||||||||
| Andere Namen |
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| Summenformel | C6H13NO2 | ||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
schimmernd weiße Kristallschuppen[1] | ||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | |||||||||||||
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| Arzneistoffangaben | |||||||||||||
| ATC-Code | |||||||||||||
| Eigenschaften | |||||||||||||
| Molare Masse | 131,18 g·mol−1 | ||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest | ||||||||||||
| Dichte |
1,29 g·cm−3[2] | ||||||||||||
| Schmelzpunkt |
293–295 °C[1] | ||||||||||||
| pKS-Wert | |||||||||||||
| Löslichkeit |
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| Sicherheitshinweise | |||||||||||||
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| Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. | |||||||||||||
Leucin, abgekürzt Leu oder L, ist eine proteinogene α-Aminosäure. Für höhere Lebewesen ist L-Leucin [Synonym: (S)-Leucin] eine essentielle Aminosäure, die vermutlich für den Energiehaushalt im Muskelgewebe eine zentrale Rolle spielt. Das Spiegelbildisomere (Synonym: Enantiomere) von L-Leucin ist das D-Leucin [Synonym: (R)-Leucin]. Letzteres kommt in Proteinen nicht vor. Leucin kristallisiert in weißen Plättchen, daher leitet sich auch der Name her (gr. λευκός: weiß).
In diesem Artikel betreffen die Angaben zur Physiologie allein die L-Leucin [Synonym: (S)-Leucin]. Wenn in diesem Artikel und in der wissenschaftlichen Literatur ohne jeden Zusatz „Leucin“ erwähnt wird, ist stets L-Leucin gemeint. Racemisches DL-Leucin [Synonym: (RS)-Leucin] und enantiomerenreine D-Leucin [Synonym: (R)-Leucin] sind synthetisch zugänglich und besitzen nur geringe praktische Bedeutung. Die Racemisierung von L-Aminosäuren kann zur Aminosäuredatierung – einer Altersbestimmung für fossiles Knochenmaterial – herangezogen werden.[4]
L-Leucin wird von den Codons UUA, UUG, CUU, CUC, CUA und CUG kodiert.
Leucin gehört zusammen mit seinen Konstitutionsisomeren Isoleucin, Norleucin und tert-Leucin zur Stoffgruppe der Leucine.
Eigenschaften
- Restname: Leucyl-
- essentiell: ja
- Seitenkette: lipophil
- van-der-Waals-Volumen: 124
- Hydrophobizitätsgrad: 3,8
Leucin liegt überwiegend als „inneres Salz“ bzw. Zwitterion vor, dessen Bildung dadurch zu erklären ist, dass das Proton der Carboxygruppe an das einsame Elektronenpaar des Stickstoffatoms der Aminogruppe wandert.
- Datei:Betain-Leucin.pngZwitterionen von L-Leucin (links) bzw. D-Leucin (rechts)
Im elektrischen Feld wandert das Zwitterion nicht, da es als Ganzes ungeladen ist. Genaugenommen ist dies am isoelektrischen Punkt (bei einem bestimmten pH-Wert) der Fall, bei dem das Leucin auch seine geringste Löslichkeit in Wasser hat. Der isoelektrischer Punkt liegt bei 5,98.[5] Racemisches Leucin, welches zum besseren Verständnis der Homochiralität in der Biosphäre zirkular polarisierter Synchrotron-Strahlung ausgesetzt wurde, zeigt einen Enantiomerenüberschuss von 2,6 %.[6]
Vorkommen
Leucin ist Bestandteil tierischen und pflanzlichen Proteins. Die folgenden Beispiele beziehen sich jeweils auf 100 g des Lebensmittels, zusätzlich ist der prozentuale Anteil von Leucin am Gesamtprotein angegeben:[7]
| Lebensmittel | Gesamtprotein | Leucin | Anteil |
|---|---|---|---|
| Rindfleisch, roh | 21,26 g | 1691 mg | 8,0 % |
| Hähnchenbrustfilet, roh | 23,09 g | 1732 mg | 7,5 % |
| Lachs, roh | 20,42 g | 1615 mg | 7,9 % |
| Hühnerei | 12,58 g | 1088 mg | 8,6 % |
| Kuhmilch, 3,7 % Fett | 3,28 g | 321 mg | 9,8 % |
| Walnüsse | 15,23 g | 1170 mg | 7,7 % |
| Weizen-Vollkornmehl | 13,70 g | 926 mg | 6,8 % |
| Mais-Vollkornmehl | 6,93 g | 850 mg | 12,3 % |
| Reis, ungeschält | 7,94 g | 657 mg | 8,3 % |
| Erbsen, getrocknet | 24,55 g | 1760 mg | 7,2 % |
Alle diese Nahrungsmittel enthalten praktisch ausschließlich chemisch gebundenes L-Leucin als Proteinbestandteil, jedoch kein freies L-Leucin.
Funktionen
L-Leucin ist wichtig für den Erhalt und Aufbau von Muskelgewebe. Es unterstützt die Proteinsynthese in Muskulatur und Leber, hemmt den Abbau von Muskelprotein und unterstützt Heilungsprozesse. Wie L-Isoleucin dient auch L-Leucin als Energielieferant. Die Einschätzungen des Tagesbedarfs für gesunde Erwachsene reichen, je nach verwendeter Methode, von 10 bis 50 mg Leucin pro Kilogramm Körpergewicht.[8] Ein Mangel ist entweder durch ungenügende Zufuhr mit der Nahrung oder Unterversorgung mit Vitamin B6 bedingt.
Verwendung
L-Leucin ist neben Glycin und anderen proteinogenen L-Aminosäuren wirksamer Bestandteil von Infusionslösungen. Im Kraftsport wird Leucin als Nahrungsergänzungsmittel mit dem Ziel des Muskelaufbaus verwendet.
Siehe auch
- Enantiomer
- Fischer-Nomenklatur
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Holger Knapp, in: Roempp Online - Version 3.5, 2009, Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Datenblatt Leucin (PDF) bei Carl Roth
- ↑ 3,0 3,1 Hans Beyer und Wolfgang Walter: Lehrbuch der Organischen Chemie, S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1991, ISBN 3-7776-0485-2, S. 823.
- ↑ Hans-Dieter Jakubke, Hans Jeschkeit: Aminosäuren, Peptide, Proteine, Verlag Chemie, Weinheim, 62, 1982, ISBN 3-527-25892-2.
- ↑ P. M. Hardy: The Protein Amino Acids in G. C. Barrett (Herausgeber): Chemistry and Biochemistry of the Amino Acids, Chapman and Hall, 1985, ISBN 0-412-23410-6, S. 9.
- ↑ Meierhenrich: Amino acids and the asymmetry of life, Springer-Verlag, 2008, ISBN 978-3-540-76885-2.
- ↑ Nährstoffdatenbank des US-Landwirtschaftsministeriums, 21. Auflage.
- ↑ A. V. Kurpad, M. M. Regan, T. Raj, J. V. Gnanou: "Branched-chain amino acid requirements in healthy adult human subjects", in: J. Nutr., 2006, 136(1 Suppl), S. 256S–263S; PMID 16365094.
Literatur
- Hans Beyer und Wolfgang Walter: Lehrbuch der Organischen Chemie, 20. Auflage, S. Hirzel Verlag, Stuttgart, 1984, ISBN 3-7776-0406-2.
- Hans-Dieter Jakubke und Hans Jeschkeit: Aminosäuren, Peptide, Proteine, Verlag Chemie, Weinheim, 1982, ISBN 3-527-25892-2.
- Jesse Philip Greenstein und Milton Winitz: Chemistry of Amino Acids, John Wiley & Sons, 1962, Bände 1 bis 3, ISBN 0-471-32637-2.
- Yoshiharu Izumi, Ichiro Chibata und Tamio Itoh: "Production and Utilization of Amino Acids", Angewandte Chemie International Edition in English, 1978, 17, S. 176–183.
Weblinks
- Wikibooks: Biochemie und Pathobiochemie: Valin-, Leucin- und Isoleucin-Stoffwechsel – Lern- und Lehrmaterialien