Luch

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Luch (Begriffsklärung) aufgeführt.
Blick vom Ländchen Bellin ins Rhinluch

Der Begriff Luch bezeichnet ursprünglich eine ausgedehnte, vermoorte Niederung in Nordostdeutschland, speziell in Brandenburg. Man findet Luche vor allem in den Jungmoränengebieten; sie kommen aber auch in der Altmoränenlandschaft vor.

Lage und Geschichte

Havelländisches Luch und Rhinluch:
Höhen gelbgrün < 40 m bis bräunlich > 45 m,
Wald = grün unabh. von der Höhenlage
Schwarzpappel im Havelländischen Luch

Luche haben sich im Allgemeinen in den großen Urstromtälern oder in ihren Seitentälern, den Urstromtalungen, gebildet. Nach dem Ende der Eiszeit führte in der Nacheiszeit ein steigender Grundwasserspiegel zur Entstehung von Versumpfungsmooren. Die Torfmächtigkeit ist aber für gewöhnlich nicht groß. Meistens liegt sie unter 2 m. Vor der Anlage künstlicher Entwässerungsnetze blieb in den Luchen überschüssiges Wasser oft in Tümpeln stehen. Auf den Unterschied zu Niederungen mit natürlichen Fließgewässern deutet der Namensunterschied zu benachbarten „Bruchen“ wie dem Oderbruch im Osten und dem von der Havel berührten Hohennauenschen Bruch im Westen.

Die meisten Luche in Brandenburg sind mittlerweile durch den Menschen umgewandelt und in Kultur genommen worden. Nach der Melioration werden sie jetzt für gewöhnlich als Grünland genutzt. Archäologen wie Klaus Goldmann erwägen, dass die Urbarmachung teilweise schon in slawischer Zeit begann, später aber durch Verschlechterung der Abflussbedingungen wie die Mühlenstaue der Havel wieder zunichtegemacht wurden.

Es gibt in Brandenburg zahlreiche Luche, die größeren sind auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Auch einige Ortsnamen leiten sich vom Begriff Luch ab. Beispiele sind Luckenwalde und Doberlug.

Wenn die Kurzfassung Luch verwendet wird, ist meist das Gebiet des Havelländischen Luchs oder des Rhinluchs gemeint.

Wortherkunft

Für die Herkunft des Wortes Luch gibt es mehrere Theorien: Zurückzuführen ist die Bezeichnung aller Wahrscheinlichkeit nach auf die miteinander verwandten slawischen Worte luza („sumpfige Landschaft“; auch der Landschaftsname Lausitz, im Jahre 1005 noch Luzici, dürfte darauf zurückgehen)[1] oder lug (polnisch łęg), das „feuchte Wiese“ bedeutet. In der ältesten Version des Ortsnamens Doberlug ist es sogar mit frikativem Auslaut überliefert: „Dobraluh“[2]. Bei manchen Feuchtgebieten wurde die slawische Bezeichnung nicht phonetisch übernommen, sondern übersetzt, so bei der Friedländer Großen Wiese, die von der Nutzung her erst im 20. Jahrhundert vom Moor zur Wiese wurde und Laßzins Wiese bei Peitz.

Die Einführung des Wortes durch niederländische Kultivatoren ist weniger wahrscheinlich: Die niederländische Version desselben indoeuropäischen Wortstammes ist lek mit der auch im Deutschen bekannten Bedeutung „das Leck“, außerdem Name eines Mündungsarmes des Rheines, vgl. Lek.

Beispiele

Heutige Kulturlandschaft im Havelländischen Luch

– Manche dieser Luche sind Teile ebenfalls aufgelisteter größerer Luche –

  • Golmer Luch
  • Havelländisches Luch
  • Rhinluch
    • Kremmener Luch
    • Wustrauer Luch
  • Rotes Luch
  • Langes Luch
  • Alt Zaucher Luch

Belege

  1. Kreil: Amtsbereich Friesack - Streifzüge durch Ländchen und Luch-, Geiger-Verlag (1996), Seite 12/13, ISBN 3-89570-131-9
  2. http://www.doberlug-kirchhain.de/texte/seite.php?id=1335

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