Nachtigall

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Nachtigall (Begriffsklärung) aufgeführt.
Nachtigall
Nachtigall (Luscinia megarhynchos)

Nachtigall (Luscinia megarhynchos)

Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
Unterfamilie: Schmätzer (Saxicolinae)
Gattung: Luscinia
Art: Nachtigall
Wissenschaftlicher Name
Luscinia megarhynchos
Brehm, 1831

Die Nachtigall (Luscinia megarhynchos) ist eine Vogelart aus der Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes), Unterordnung Singvögel (Passeres). Nach neueren molekularbiologischen Erkenntnissen zur Phylogenese der Singvögel wird sie heute meist zur Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae) gestellt. Manchmal findet man sie aber auch heute noch bei den Drosseln (Turdidae) eingeordnet. Die nordöstliche Schwesterart der Nachtigall ist der Sprosser.

In Deutschland war die Nachtigall im Jahre 1995 Vogel des Jahres.[1]

Aussehen

Eine ausgewachsene Nachtigall misst vom Schnabel bis zur Schwanzspitze etwa 16,5 cm, ist also etwa so groß wie ein Haussperling (Passer domesticus) und wiegt 18 bis 27 Gramm. Die Körperoberseite der Nachtigall ist heller und wärmer braun, die graue Unterseite ist eher gelbbräunlich, der Schwanz deutlicher rotbraun, die Brust ungefleckt; die Beine sind gelbrosa. Die Nachtigall kann mit dem Sprosser (Luscinia luscinia) verwechselt werden, denn bei beiden sind viele Körperteile gleichfarbig. Der Sprosser ist etwas dunkler gefärbt und hat eine graubraune Brustfleckung. Männchen und Weibchen sind bei der Nachtigall beide gleichfarbig.

Nahrung

Die Nachtigall ernährt sich von Insekten und ihren Larven, Würmern oder Raupen, manchmal auch von Spinnen oder anderen wirbellosen Tieren. Im Herbst und auch im Sommer sind Beeren ihre hauptsächliche Nahrung.

Gesang

Der Gesang der Nachtigall ist reich, wohltönend und laut und wird von Menschen als sehr angenehm und schön empfunden. Der Gesang ist überaus komplex und besteht aus Strophen dicht gereihter Einzel- oder Doppeltöne. Im zeitigen Frühjahr singen unverpaarte Nachtigallenmännchen ab elf Uhr nachts bis in den Morgen; der Nachtgesang dient wohl vor allem zur Anlockung einer Brutpartnerin und wird nach erfolgter Paarbildung eingestellt. Ab Mitte Mai singen daher meist nur noch unverpaarte Männchen nachts. Während der ganzen Brutsaison bis Mitte Juni singen Nachtigallenmännchen aber auch tagsüber. Der Gesang während der Morgendämmerung dient wohl vor allem zur Verteidigung des Revieres gegen andere Männchen. Nachtigallenmännchen erlernen ihren Gesang während der frühen Jugend von benachbarten Vögeln und beherrschen zwischen 120 und 260 unterschiedliche Strophentypen, die meistens zwei bis vier Sekunden lang sind. Das extrem umfangreiche Repertoire ist damit unter den europäischen Singvögeln fast einzigartig. Der Nachtigallengesang ist vor allem aufgrund seiner Komplexität Gegenstand intensiver verhaltensbiologischer Forschung, unter anderem zur Funktion des Gedächtnisses.

Früher galt der Gesang der Nachtigall als schmerzlindernd und sollte dem Sterbenden einen sanften Tod und dem Kranken eine rasche Genesung bringen. Auch der Name der Nachtigall leitet sich von ihrem Gesang ab − ahd. gal bedeutet „Gesang“, die Nachtigall ist also der „Nachtsänger.“

Gesang eines Männchens: Datei:XN Luscinia megarhynchos 017.ogg

Lebensraum

Nachtigallen sind Zugvögel. Sie sind in Asien, Europa und Nordafrika heimisch. Die mitteleuropäischen Nachtigallen überwintern in Afrika. In Australien wurden die Nachtigallen durch weiße Siedler eingeführt. Nachtigallen besiedeln dichtes Gebüsch, oft am Waldrand und in feuchtem Gelände, aber auch in Feldgehölzen (Gebüschwald).

Fortpflanzung

Die Brutzeit ist in Mitteleuropa von Mitte April bis Mitte Juni. In der Regel gibt es nur eine Brut pro Jahr. Unter günstigen klimatischen Bedingungen wird zweimal gebrütet, die sogenannte K-Strategie. Das Gelege besteht aus vier bis sechs grünlich braunen Eiern. Die Eier werden täglich abgelegt und vom Weibchen 13 bis 14 Tage bebrütet. Die Jungen werden von beiden Eltern gefüttert. Nach 11 bis 12 Tagen verlassen die Jungen das Nest, werden aber 14 bis 15 Tage weiterhin betreut.

Nest

Die Nester werden oft am Buschrand oder an Wegrändern im Krautsaum direkt am Boden gebaut. Der Boden besteht aus Laub, innen befinden sich Moos und Halme. Das Weibchen baut das Nest allein.

Dichtung

Die Nachtigall ist unter anderem bekannt durch die Zeile „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“ aus Shakespeares Romeo und Julia; ebenso durch die berlinerische Redewendung „Nachtigall, ick hör' dir trapsen“, die aus Des Knaben Wunderhorn stammt. (Parodie der Anfangszeilen der ersten und zweiten Strophe: „Nachtigall, ich hör dich singen“ und „Nachtigall, ich seh dich laufen“. Bezeichnet wird damit eine Vorahnung.)[2]

Doch schon im 12. Jahrhundert verband Walther von der Vogelweide im Gedicht Under der linden den Gesang der Nachtigall mit den Liebenden („/schône sanc diu nahtegal.“). In der Dichtung wird Philomele metonymisch für die Nachtigall gebraucht. Hans Sachs rühmte Martin Luther in seinem gleichnamigen Gedicht als die „Wittenbergische Nachtigall“.

Sie kommt auch in dem Märchen Jorinde und Joringel vor. Hans Christian Andersen schrieb das Märchen Des Kaisers Nachtigall, John Keats die Ode an eine Nachtigall. Oscar Wilde erzählte die Geschichte Die Nachtigall und die Rose.

Auch Theodor Storm widmete der Nachtigall ein Gedicht, Die Nachtigall: „Das macht, es hat die Nachtigall die ganze Nacht gesungen. Da sind von ihrem süßen Schall, Da sind in Hall und Widerhall, Die Rosen aufgesprungen“.

Harper Lees Romantitel To Kill a Mockingbird (etwa: „Eine Spottdrossel töten“) wurde nur in der deutschen Übersetzung zu Wer die Nachtigall stört.

„Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall“ ist eine deutsche Redewendung; der Gesang beider Vögel ist unterschiedlich und gefällt unterschiedlichen Menschen.

Der irische Dichter Eugene McCabe untermalt in seinem Roman Tod und Nachtigallen (Originaltitel: Death and Nightingales) die Handlung, die im Jahre 1883 während der irischen Nationalbewegung spielt, mit Vogelstimmen.

Die Nachtigall als Symbol

In den Volkstraditionen kündigt die Nachtigall den Frühling an, es ist der Vogel des Monats Mai, aber er ist auch und besonders das Symbol der Liebe. In der persischen Literatur ist die angeblich in die Rose verliebte Nachtigall das Symbol des Liebenden, des Dichters und des Gottsuchers schlechthin (so wie die Rose Symbol alles Schönen ist).

Einzelnachweise

  1. Vogel des Jahres (Deutschland): 1995
  2. Nachtigall ick hör dir trapsen auf wissen.de

Weblinks

 Commons: Nachtigall (Luscinia megarhynchos) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Nachtigall – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Ähnliche Artikel wie "Nachtigall"

25.08.2013
Physiologie | Ethologie | Ökologie
Kommunikation bei Nachtigallen
Ältere Männchen trillern besser

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

16.06.2021
Genetik
Genome aus ihren Puzzleteilen wieder zusammensetzen
Ein Forscherteam des Friedrich-Miescher-Labors für biologische Arbeitsgruppen hat eine neue Methode zur DNA-Sequenzierung entwickelt, die schnelles und effizientes Aufspüren von genetischer Information ermöglicht.
16.06.2021
Ökologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Kleingewässer in Agrarlandschaften stark mit Pestiziden belastet
Pestizide sichern die Erträge in der Landwirtschaft, indem sie schädliche Insekten, Pilze und Unkräuter bekämpfen.
13.06.2021
Anthropologie | Virologie | Immunologie
Wie Viren Immunzellen zu Trojanischen Pferden machen
Zytomegalieviren programmieren Fresszellen der Lunge so um, dass sie selbst Viren produzieren und diese in der Lunge verbreiten.
13.06.2021
Bionik und Biotechnologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Zuckerhirse: Süßes Versprechen für die Umwelt
Zuckerhirse lässt sich zur Herstellung von Biogas, Biokraftstoffen und neuen Polymeren nutzen, zudem kann sie dazu beitragen, Phosphatdünger zu ersetzen.
13.06.2021
Botanik | Physiologie
Todesduft der Pfeifenwinde lockt Sargfliegen in die Blüten
Ein internationales Pflanzenforscherteam hat in einer neuen Studie eine ungewöhnliche und bisher unbekannte Fortpflanzungsstrategie bei Pflanzen entdeckt.
11.06.2021
Ökologie | Biodiversität | Meeresbiologie
Untermieter auf Manganknollen: Schwämme sorgen für Artenreichtum
Tief auf dem Meeresgrund lagern wertvolle Rohstoffe – beispielsweise Knollen aus Mangan, Eisen, Kobalt und Kupfer.
11.06.2021
Morphologie
Das Metallgebiss des Borstenwurms
Metallatome sind für die bemerkenswerte Stabilität von Borstenwurm-Kiefern verantwortlich, zeigen Experimente der TU Wien.
11.06.2021
Paläontologie | Entwicklungsbiologie
Versteinert: 99 Millionen Jahre alte Geburt
Einem Forschungsteam ein außergewöhnlicher Fund gelungen: Sie fanden eine fossile weibliche Landschnecke, die gemeinsam mit ihren fünf Jungtieren in einem 99 Millionen Jahre alten Bernstein eingeschlossen wurde.