Altsteinzeit

(Weitergeleitet von Paläolithikum)
Dieser Artikel behandelt eine im deutschen Sprachraum übliche Wortwahl. Für die international verwendete Bezeichnung des ältesten Abschnitts der Steinzeit in Afrika siehe Early Stone Age.
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Steinzeit

Die Altsteinzeit – fachsprachlich Paläolithikum, von griech. παλαιός (palaios) "alt" und λίθος (lithos) "Stein" – war die erste und längste Periode der Urgeschichte. Sie bezeichnet in Afrika, Asien und Europa jeweils den ältesten Abschnitt der Steinzeit, was sich auf die dominierende Überlieferung von Steinwerkzeugen bezieht. Daneben wurden auch bereits Werkzeuge aus Holz und Knochen hergestellt. Die Menschen und homininen Vorfahren der Menschen während der Altsteinzeit lebten als Jäger und Sammler.

Die Altsteinzeit beginnt mit den ersten hergestellten Steinwerkzeugen vor etwa 2,6 Millionen Jahren in Afrika, die wahrscheinlich einem noch nicht bekannten Vorfahren von Homo ergaster zuzuschreiben sind.[1] Sie endet im Vorderen Orient („Fruchtbarer Halbmond“) und in China zwischen etwa 20.000 und 12.000 Jahren mit einer allmählichen Ablösung der wildbeuterischen Lebensweise durch Ackerbau und Tierhaltung (Epipaläolithikum). Die produzierende Lebensweise entstand in anderen Weltregionen wesentlich später. Auch in Europa vollzog sich der Übergang zur Landwirtschaft später, hier folgte auf die Altsteinzeit zunächst die Mittelsteinzeit (Mesolithikum).

Altsteinzeitliche Funde im Wetterau-Museum in Friedberg (Hessen).

Unterteilung

Die Altsteinzeit wird gewöhnlich in drei Perioden unterteilt, das Altpaläolithikum, das Mittelpaläolithikum und das Jungpaläolithikum. Innerhalb dieser Perioden unterscheidet man weiterhin bestimmte archäologische Kulturen, die primär durch die für die jeweiligen Zeitstufen charakteristischen Werkzeuge abgegrenzt werden und gleichzeitig kulturelle Entwicklungsstufen der Menschheit darstellen. Diese Kulturen sind in geowissenschaftlicher Tradition meist nach den ersten Fundorten des jeweiligen Zeitabschnitts benannt, z. B. Oldowan (s. u.). Die chronologische Ordnung und Abfolge der im folgenden dargestellten Abfolge dieser Kulturen lässt sich nicht weltweit übertragen. Auch die Begriffe “Early, Middle und Later Stone Age“ datieren teilweise anders oder sind, abhängig von der Region, zu betrachten. Die folgende Einteilung wird in Mitteleuropa verwendet, wo die längste Forschungstradition herrscht:

  • Altpaläolithikum
    • Oldowan, charakterisiert durch Gerölle mit Schneide, sogenannte Chopper und Chopping Tools ab ca. 2,5 Millionen Jahren
    • Acheuléen, charakterisiert durch feiner gearbeitete Faustkeile, zunächst in Afrika, vor ca. 1,5 Mio Jahren, ab etwa 1 Million Jahre auch in Europa. Mit der Herstellung der ersten Steingeräte werden meist frühe Menschenformen wie Homo ergaster, Homo erectus und Homo heidelbergensis in Verbindung gebracht. Aus dieser Zeit stammen die ältesten erhaltenen Holzwaffen (Wurfspeere und Wurfhölzer), z. B. die Schöninger Speere.
    • Clactonien, ein Technokomplex ohne Faustkeile.
  • Mittelpaläolithikum - Zeit des Neandertalers (Homo neanderthalensis). Levalloistechnik.
    • Moustérien, ca. 200.000 v. Chr. bis 40.000 v. Chr., das durch sehr fein gearbeitete Werkstücke in zahlreichen, auf die Funktion hin gestalteten Formen charakterisiert ist. Typisch sind fein ausgebildete Faustkeile.
    • Micoquien, ca. 130.000 v. Chr. bis 70.000 v. Chr., Technik mit asymmetrischen Faustkeilen
    • Blattspitzen-Gruppen, die flache und ovale Werkzeuge (Blattspitzen) nutzten.
  • Jungpaläolithikum (Europa), mit Klingenindustrien:
    • In Mitteleuropa ab 40.000 v. Chr. aus dem östlichen Mittelmeerraum Vordringen des anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens der Cro-Magnon-Epoche) und vermutlich lange parallele Existenz mit dem Neandertaler
    • Châtelperronien bis ca. 34.000 v. Chr. (regional eingeschränkt, Frankreich und Nordspanien)
    • Aurignacien bis ca. 28.000 v. Chr. erste Tierplastiken und Höhlenmalerei (paläolithische Wandkunst)
    • Gravettien von ca. 28.000 v. Chr. bis ca. 21.000 v. Chr. Erstes Auftreten von Venusfigurinen, u. a. Venus von Willendorf.
    • Solutréen von ca. 22.000 v. Chr. bis ca. 18.000 v. Chr.
    • Magdalénien von ca. 18.000 v. Chr. bis ca. 12.000 v. Chr. Knochenpfeife in Gudenushöhle.

Einzelnachweise

  1. Sileshi Semaw: The World’s Oldest Stone Artefacts from Gona, Ethiopia: Their Implications for Understanding Stone Technology and Patterns of Human Evolution Between 2·6–1·5 Million Years Ago. Journal of Archaeological Science, Band 27, 2000, S. 1197–1214, doi:10.1006/jasc.1999.0592; Volltext auch bei indiana.edu (PDF)

Siehe auch

Weblinks

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