Schnabelwale

Schnabelwale
Mesoplodon bidens auf einer Briefmarke der Färöer

Mesoplodon bidens auf einer Briefmarke der Färöer

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
Familie: Schnabelwale
Wissenschaftlicher Name
Ziphiidae
Gattungen

Die Schnabelwale (Ziphiidae) sind eine Familie der Zahnwale. Obwohl sie neunzehn Arten umfassen und damit nach den Delfinen die artenreichste Walfamilie sind, ist sehr wenig über sie bekannt. Das hängt damit zusammen, dass sie ausgesprochen selten in Küstennähe anzutreffen sind. Viele der Arten wurden erst in jüngerer Vergangenheit beschrieben.

Anatomie

Benannt sind Schnabelwale nach ihrer langgezogenen Schnauze, die sie von anderen größeren Walen unterscheidet. Bei manchen Arten geht der Kopf wie bei einem Delfin geradlinig in diese Schnauze über, bei anderen aber ist die Schnauze markant vom Kopf abgesetzt wie ein Vogelschnabel. Die Körpergröße der Schnabelwale beträgt 4 bis 13 m.

Für gewöhnlich haben Schnabelwale im Unterkiefer zwei oder vier Zähne, während der Oberkiefer ganz zahnlos ist. Nur der Shepherd-Wal hat im Oberkiefer funktionstüchtige, kleine Zähne. Bei vielen Arten tragen dagegen nur die Männchen ein Paar hauerartig vorstehender Zähne. Diese werden als Waffen in Kämpfen untereinander eingesetzt, was die Narben auf ihren Körpern beweisen. Bei der Gattung der Zweizahnwale können diese Hauer bizarre Formen annehmen, etwa beim Layard-Wal (Mesoplodon layardii), dessen Zähne über dem Schnabel nach innen gebogen sind und seine Öffnung einschränken.

Lebensweise

Schnabelwale sind Hochseebewohner, die in allen Ozeanen verbreitet sind. Sie ernähren sich überwiegend von Kalmaren (Teutophagie), die sie in der Tiefsee erbeuten, indem sie mit ihrem stark ausgeprägten Zungenbein einen Unterdruck erzeugen, mit dem die Kalmare regelrecht eingesaugt werden. Auf der Jagd unternehmen sie Tauchzüge von bemerkenswerter Dauer und Tiefe – bis zu 80 Minuten und 1000 Meter Tiefe sind belegt. Neueste Forschungen haben gezeigt, dass Cuvier-Schnabelwale sogar Tauchtiefen von 1900 Metern erreichen können, Blainville-Schnabelwale können ebenfalls extrem tief (bis 1200 Metern) tauchen [1] [2].

Über das Verhalten vieler Arten ist wenig bekannt, weil die Tiere selten auf See gesichtet werden. Zumeist werden kleine Gruppen beobachtet. Die wesentlichen Informationsquellen sind jedoch tote Körper gestrandeter Wale. Am besten sind die Entenwale sowie die Schwarzwale erforscht, was mit der Verfolgung dieser Arten durch Walfänger zusammenhängt.

Einfluss des Menschen

Abgesehen von diesen Gattungen, ist der direkte Einfluss des Menschen auf die Population der Schnabelwale unbedeutend. Eine zunehmende Bedrohung stellt jedoch die Verbreitung giftiger Chemikalien im Meer dar, sowie die Vermüllung mit Plastikabfällen.

Eine im Jahr 2009 veröffentlichte Studie stützt die These, dass Schnabelwale stärker durch den Einsatz von Sonargeräten gefährdet sind als andere Meeressäuger. Aufgeschreckt durch das Sonar tauchen die Wale zu schnell auf. Folge davon ist die Dekompressionskrankheit, die zum Tod führen kann.[3][4][5]

Evolution

Unter den Zahnwalen scheinen Schnabelwale keine nahen Verwandten zu haben. Fossil sind sie seit dem Miozän belegt und sind damit eine sehr alte Familie der Zahnwale.

Klassifikation

Blainville-Schnabelwal (Mesoplodon densirostris)

Noch immer werden laufend neue Arten beschrieben. Der Perrin-Schnabelwal wurde erst 2002 beschrieben. Der Longman-Schnabelwal, der manchmal auch unter dem mehrdeutigen Namen „Pazifischer Schnabelwal“ geführt wird, war lange nur von zwei in Australien bzw. Ostafrika angespülten Schädeln bekannt; im Jahr 2002 wurde ein bisher unbekannter Wal an die japanische Küste gespült, in dem man diese lange Zeit rätselhafte Spezies wiederzuerkennen glaubte. Obwohl es von manchen Autoritäten noch angezweifelt wird, glauben die meisten Zoologen, dass es sich hierbei um das erste je gefundene vollständige Exemplar des Longman-Schnabelwals handelt.

Referenzen

  1.  Peter L. Tyack, Mark Johnson, Natacha Aguilar Soto, Albert Sturlese, Peter T. Madsen: Extreme diving of beaked whales. In: Journal of Experimental Biology. 209, Nr. 21, 2006, ISSN 0022-0949, S. 4238–4253, doi:10.1242/jeb.02505.
  2. Martin Schäfer: Rekord im Extremtauchen geht an die Schnabelwale. wissenschaft.de, 23. Oktober 2006. Für Pottwale sind allerdings noch tiefere Tauchgänge belegt.
  3. Audrey McAvoy: Sonar könnte Wale zu schnell auftauchen lassen. In: Spiegel online. 11. Juni 2009, Abgerufen am 6. Juli 2009.
  4. Michael McCarthy: Navy sonar blamed for death of beaked whales found washed up in the Hebrides. In: independent.co.uk. 7. April 2009, Abgerufen am 6. Juli 2009.
  5.  S. K. Hooker, R. W. Baird, A. Fahlman: Could beaked whales get the bends? Effect of diving behaviour and physiology on modelled gas exchange for three species: Ziphius cavirostris, Mesoplodon densirostris and Hyperoodon ampullatus. In: Respiratory Physiology & Neurobiology. 2009, doi:10.1016/j.resp.2009.04.023 (befindet sich derzeit im Druck).

Film

Auf der leisen Spur der Schnabelwale, TV-Dokumentation, 2010, 44 Min., Produktion: Bayerischer Rundfunk. Dokumentation über eine Forschungssexpedition im Atlantik: ein Team aus Meeresbiologen versucht, die scheuen Schnabelwale mit akustischen Methoden aufzuspüren und ihr Verhalten zu erforschen.

Weblinks

 Commons: Schnabelwale – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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