Brachialgie

Klassifikation nach ICD-10
G54.0 Läsionen des Plexus brachialis Inkl.: Thoracic-outlet-Syndrom [Schultergürtel-Kompressionssyndrom]
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Brachialgie bezeichnet einen Schmerz im Arm, der vor allem durch mechanische Reizung oder Kompression des Plexus brachialis hervorgerufen wird. Brachialgie kann verschiedene Ursachen haben.

Vertebragene Brachialgie

Klassifikation nach ICD-10
M50.1 Radikulopathie bei zervikalem Bandscheibenschaden
M54.12 Radikulopathie: Zervikalbereich
M54.13 Radikulopathie: Zervikothorakalbereich
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Bei dieser Art der Brachialgie gehen Armschmerzen von der Halswirbelsäule (vertebragen) aus. Sie stellt die häufigste Schmerzursache im Armbereich dar. Betroffen sind die Wurzeln des sechsten bis achten Zervikalnervs und des ersten Thorakalnervs. Die Beschwerden können bis in den Kleinfinger ausstrahlen. Die Therapie erfolgt durch eine kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis mit schmerzstillenden Mitteln.

Neuritis des Plexus brachialis (Plexusneuritis oder neuralgische Schulteramyotrophie)

Klassifikation nach ICD-10
G54.5 Neuralgische Amyotrophie Inkl.: Parsonage-Turner-Syndrom, Schultergürtel-Syndrom
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Bei einer Neuritis des Plexus brachialis handelt es sich um eine Entzündung des Armnervengeflechts. Die Erkrankung wird auch als neuralgische Schulteramyotrophie oder Parsonage-Turner-Syndrom bezeichnet. Die Schmerzen treten plötzlich auf. Nach mehreren Tagen treten erste Lähmungen der Schulter- und Armmuskulatur auf. Taubheit und Gefühlsstörungen treten nur in einem Drittel aller Fälle auf. Die motorischen Ausfälle der Muskulatur bilden sich nach einigen Monaten wieder zurück. Die Therapie erfolgt mit entzündungshemmenden Medikamenten oder einer Blockade des Plexus brachialis (Skalenusblockade)

Schulter-Hand-Syndrom

Beim Vorliegen eines Schulter-Hand-Syndroms treten Schmerzen in einzelnen Gelenken (Ellenbogen-, Hand- oder Schultergelenke) auf und strahlen in andere Bereiche des Armes aus. Eine genaue Bestimmung des Schmerzherdes ist deshalb schwierig. Die Schmerzen treten in Ruhe auf und werden durch eine Belastung des Armes gesteigert. Begleitsymptome durch Störungen des vegetativen Nervensystems können Kälte, Zyanose oder Schwitzen sein. Es ist eine Verwechslungsgefahr mit Morbus Sudeck vorhanden. Die Behandlung erfolgt über Antirheumatika, einer Blockade des Plexus brachialis sowie Krankengymnastik.

Brachialgia paraesthetica nocturna

Klassifikation nach ICD-10
G54.5 Neuralgische Amyotrophie Inkl.: Parsonage-Turner-Syndrom, Schultergürtel-Syndrom
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Die Brachialgia paraesthetica nocturna ist ein Krankheitsbild im Bereich des Armes und der Hand, welches vor allem nachts und am frühen Morgen auftritt (nocturnus – nächtlich). Es entstehen schmerzhafte Missempfindungen, die meist durch eine Fehllagerung und somit einer Reizung der sympathischen Fasern der Gefäße des Armes hervor gerufen werden („Parkbanksyndrom“). Je nach Ausmaß der Fehllagerung während der Nacht, können die Schmerzen chronisch werden. Ist nur die Handfläche von den schmerzhaften Missemfindungen betroffen, liegt meist ein Engpass-Syndrom des Karpaltunnels vor.

Brachialgie nach Brustentfernung

Häufig treten starke Armschmerzen nach einer vollständigen Entfernung der weiblichen Brust (Mammaamputation) und der Achsellymphknoten auf. Als Folge kommt es zu einer Lymphabflußsstörung bzw. einem Lymphstau und somit zu einer Nervenkompression. Der Arm ist sichtlich ödimatös aufgetrieben. Nach einer Lymphdrainage (manuell oder durch Gabe harntreibender Mittel) und Abschwellen des Armes können die Schmerzen durch eine Plexusblockade gelindert werden.

Brachialgie nach Bestrahlung

Die Symptome ähneln einer Plexusneuritis. Durch Bestrahlung bei Brustkrebs kommt es zu Nervenstörungen und -schädigungen oberhalb des Schlüsselbeins und der Achselhöhle. Häufig verhärtet das Unterhautgewebe (Strahlenfibrose) und es kommt zu einer Lymphabflussstörung. Die Behandlung dieser Brachialgie ist sehr schwierig. Bei strahlenbedingten krankhaften Hautveränderungen ist das Entzündungsrisiko bei Durchführung von Nervenblockaden stark erhöht.

Echte (idiopathische) Plexusneuralgie

Bei der echten Plexusneuralgie handelt es sich um ein seltenes Krankheitsbild. Es treten attackenartige Schmerzen auf. Die Schmerzen werden durch schmerzstillende Mittel (Analgetika) gelindert.

Insertionstendopathie

Durch Überbeanspruchung des Griffelfortsatzes (Processus styloideus) von Elle oder Speiche können Schmerzen in den gesamten Arm ausstrahlen.

Engpass-Syndrom

siehe Skalenussyndrom

Hyperabduktionssyndrom

siehe Hyperabduktionssyndrom

Epikondylitis radialis humeri

siehe Tennisarm bzw. Tennisellenbogen

Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!

Die News der letzten Tage

28.06.2022
Mikrobiologie | Biochemie
Wie Darmbakterien im Menschen gedeihen
Ein Forschungsteam in Tübingen hat bedeutende Fortschritte erzielt in der Frage, wie Bakterien im menschlichen Darm gedeihen.
27.06.2022
Ethologie | Primatologie
Schimpansen finden sich in virtuellen Umgebungen zurecht
Mit Hilfe von Touchscreens durchquerten sechs Schimpansen aus dem Zoo Leipzig eine virtuelle Landschaft um zu einem weit entfernten Baum zu gelangen, unter dem sie verschiedene Früchte fanden.
27.06.2022
Ökologie | Vogelkunde
Schneller Rückgang der Geier-Bestände in Afrika: Schutzgebiete zu klein
Geier erfüllen wichtige Ökosystemfunktionen, da sie die Landschaft von Kadavern befreien und so beispielsweise die Ausbreitung von Wildtierkrankheiten begrenzen.
27.06.2022
Genetik | Biochemie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik
Genome zeigen verstecktes Potential der Flechten
Flechten bilden unter anderem Stoffe mit biotischer Wirkung, die für die Pharmazie von großem Interesse sind - sogenannte sekundäre Flechtenstoffe.
22.06.2022
Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Meeresbiologie
Ozean als Quelle für Naturstoffe angezapft
Forschende entdecken im Meerwasser anhand von DNA-​Daten nicht nur neue Bakterienarten, sondern auch unbekannte Naturstoffe, die dereinst nützlich sein könnten.
22.06.2022
Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Insektenkunde
Forschung mit Biss
Wie stark können Insekten zubeißen?
21.06.2022
Klimawandel | Meeresbiologie
Algenmatten im Mittelmeer als Zufluchtsort für viele Tiere
Marine Ökosysteme verändern sich durch den Klimawandel, auch im Mittelmeer.
21.06.2022
Taxonomie | Meeresbiologie
Korallengärten auf der „Mauretanischen Mauer“ entdeckt
Wissenschaftler*innen haben eine neue Korallenart entdeckt: Die Oktokoralle Swiftia phaeton wurde auf der weltweit größten Tiefwasserkorallenhügelkette gefunden.
20.06.2022
Genetik | Insektenkunde
Was ein Teebeutel über das Insektensterben erzählen kann
Man kennt die Szenerie aus TV-Krimis: Nach einem Verbrechen sucht die Spurensicherung der Kripo bis in den letzten Winkel eines Tatorts nach DNA des Täters.
20.06.2022
Mikrobiologie | Physiologie | Primatologie
Darmflora freilebender Assammakaken wird im Alter einzigartiger
Der Prozess ist vermutlich Teil des natürlichen Alterns und nicht auf eine veränderte Lebensweise zurückzuführen.
20.06.2022
Botanik | Evolution
Das Ergrünen des Landes
Ein Forschungsteam hat den aktuellen Forschungsstand zum Landgang der Pflanzen, der vor rund 500 Millionen Jahren stattfand, untersucht.
17.06.2022
Anatomie | Entwicklungsbiologie
Das Navi im Spermienschwanz
Nur etwa ein Dutzend der Millionen von Spermien schaffen den langen Weg durch den Eileiter bis zur Eizelle.
15.06.2022
Botanik | Klimawandel
Trotz Klimawandel: Keine Verschiebung der Baumgrenze
Die Lebensbedingungen für Wälder in Höhenlagen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten infolge des Klimawandels signifikant verändert.