Drachenkopfverwandte

Drachenkopfverwandte
Sebastes nebulosus

Sebastes nebulosus

Systematik
Ctenosquamata
Acanthomorpha
Stachelflosser (Acanthopterygii)
Barschverwandte (Percomorpha)
Ordnung: Drachenkopfartige (Scorpaeniformes)
Unterordnung: Drachenkopfverwandte
Wissenschaftlicher Name
Scorpaenoidei

Die Drachenkopfverwandten (Scorpaenoidei) sind eine Gruppe von Knochenfischen im Rang einer Unterordnung. Sie leben weltweit, vor allem als neritische Küstenfische in allen Ozeanen und sind oft bunt gefärbt. Viele Arten, z.B. der Rotbarsch sind bedeutende Speisefische, andere, wie die Feuerfische als bunte und bizarre Korallenriffbewohner bekannt. Zu ihnen gehören mit den Steinfischen die giftigsten Fische der Welt.

Traditionell in die Ordnung der Panzerwangen (Scorpaeniformes) gestellt, gibt es starke Hinweise auf eine enge Verwandtschaft mit einigen Familien der Barschartigen (Perciformes) [1].

Merkmale

Für die Scorpaenoidei werden vier Synapomorphien angegeben. Dies sind ein einzelner, rückwärts gerichteter Stachel an der Augenhöhle der Larven, ein Stachel am Kiemendeckel, ein spezieller Muskel außen an der Schwimmblase und ein Adduktormuskel für die Rückenflosse. Die Merkmale teilen nicht alle Vertreter der Scorpaenoidei, z.B. ist der Stachel an der Augenhöhle der Larven der Stachel-Flachköpfen (Hoplichthyidae) zu einem gesägten Knochenrand geworden. Außerdem treten einige Merkmale auch bei einigen Familien der Barschartigen und bei den Cottoidei auf.[2]

Als weitere Merkmale werden unter anderem eine starke Verknöcherung des Schädels, Hautverknöcherungen, die Verschmelzung des Praeoperculum mit der Suborbitalia (Knochen unterhalb der Augenhöhle), große Flossen und starke Flossenstacheln angegeben [3].

Die Scorpaenoidei als Unterordnung der Panzerwangen

Wie alle Panzerwangen zeichnen sich die Scorpaenoidei durch eine Knochenspange in der Wangenregion aus. Zu ihnen werden alle Panzerwangen gezählt, die nicht zu den Cottoidei (Groppen und Verwandte) gehören. Nelson stellt aber die Knurrhähne und ihre näheren Verwandten in eine eigene Unterordnung (Platycephaloidei). Als Unterordnung der Panzerwangen umfassen die Scorpaenoidei nach Nelson folgende Familien [4]:

Kurzflossen-Zwergfeuerfisch (Dendrochirus brachypterus)

In dieser Zusammensetzung gehören zu den Scorpaenoidei etwa 82 Gattungen und über 470 Arten.

Die Scorpaenoidei als Unterordnung der Barschartigen

Nach neueren molekularbiologischen Untersuchungen wird die Ordnung der Panzerwangen von einigen Wissenschaftlern nicht mehr anerkannt und eine um einige Familien der Barschartigen erweiterte Unterordnung Scorpaenoidei den Barschartigen zugerechnet.

Sattel-Forellenbarsch (Plectropomus laevis)
Roter Knurrhahn
(Trigla lucerna)

Die Scorpaenoidei als Unterordnung der Barschartigen nach Leo Smith & Matthew Craig [5].

Als Unterordnung der Barschartigen gehören den Scorpaenoidei etwa 185 Gattungen und 1180 Arten an.

Einzelnachweise

  1. William Leo Smith and Ward C. Wheeler: Polyphyly of the mail-cheeked fishes (Teleostei: Scorpaeniformes): evidence from mitochondrial and nuclear sequence data, Molecular Phylogenetics and Evolution Volume 32, Issue 2, August 2004, Pages 627–646 Abstract online
  2. H. Imamura & M. Yabe: Demise of Scorpaeniformes (Actinopterygii: Percomorpha): An Alternative Phylogenetic Hypothesis. Bull. Fish. Sci., Hokkaido Univ. 53 (3), Seite 107-128, 2002.
  3. Arno Hermann Müller: Lehrbuch der Paläozoologie. Band III, Vertebraten, Teil 1. Gustav Fischer Verlag, 1985
  4. Joseph S. Nelson: Fishes of the World. Seiten 320-321, John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7
  5. Leo Smith & Matthew Craig: Casting the Percomorph Net Widely: The Importance of Broad Taxonomic Sampling in the Search for the Placement of Serranid and Percid Fishes. Copeia 2007(1):35-55. 2007 doi:10.1643/0045-8511(2007)7[35:CTPNWT]2.0.CO;2
  6. Honma, Y., Imamura, H. & Kawai, T. (2013): Anatomical description of the genus Perryena, and proposal to erect a new family for it based on its phylogenetic relationships with related taxa (Scorpaeniformes). Ichthyological Research, DOI:10.1007/s10228-012-0321-z, Abstract

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