Fasziolose

Klassifikation nach ICD-10
B66.3 Fascioliasis
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Die Fasziolose, der Befall mit dem Großen Leberegel (Fasciola hepatica), ist eine Zoonose, die Wiederkäuer, insbesondere Schafe und Rinder, befällt. Durch Verschiffung von Vieh nach Übersee wurde diese ursprünglich europäische Krankheit in die Tropen eingeführt. Sie tritt heutzutage nur noch sporadisch in Mitteleuropa auf. Humane Infektionen finden in der Regel durch Aufnahme metazerkarienhaltiger Wasser- oder Ufergewächse, zum Beispiel Brunnenkresse oder Kopfsalat, statt. Als Vektoren fungieren Wasserschnecken, die Mirazidien aufnehmen und Zerkarien in Zystenform wieder ausscheiden. Diese enzystieren sich an den erwähnten Gewächsen. Die oral aufgenommenen Metazerkarien durchdringen aktiv die Darmschleimhaut und suchen sich ihren Weg zum Lebergewebe. Beim Eindringen in die Leberkapsel ist als Komplikation über ein unter der Leberkapsel liegendes (subkapsuläres) Hämatom berichtet worden.

In Ausnahmefällen kann es zu einem Befall von anderen Organen als der Leber (ektopen Läsionen) kommen. Über Absiedelungen in der Haut (dermal), im Augeninneren (intraokular), in Muskeln, im Gehirn (cerebral), im Blinddarm, in der Bauchspeicheldrüse und in den Nebenhoden (ependydimal) ist berichtet worden. Häufiger sind Beteiligungen der Pleura und des Herzbeutels, wobei noch ungeklärt ist, ob es sich dabei um Befall mit Leberegeln oder eine immunallergische Reaktionen handelt. Die Parasiten dringen schließlich in das Gallengangsystem ein und führen dort zu Umbauvorgängen des Gallengangsepithels, die ihnen ein Überleben über lange Zeiträume sichern.

Es wird angenommen, dass 1998 2,4 Millionen Menschen weltweit infiziert und 240 Millionen infektionsgefährdet waren. In einigen Regionen sind bis zu 60 % der Bevölkerung infiziert.

Parasitologie

Palaeoparasitologische Funde aus Chalain, Frankreich legen nahe, dass Infektionen mit Fasciola hepatica schon zu in der Jungsteinzeit stattgefunden haben. Die Analyse von 12 humanen Koprolithen und 10 Sedimentproben förderten einige gut erhaltene Eier von Fasciola hepatica, Trichuris und Diphyllobothrium zutage. Fasciola hepatica gehört zur Klasse der Trematoden (Saugwürmer). Er ist ein zwittriger blattförmiger Egel von 2–4 cm Länge. Als Zwischenwirt fungieren Wasserschnecken der Gattung Lymnaea. Die regulären Endwirte sind Herbivoren (Rinder, Schafe), der Mensch ist ein gelegentlicher Endwirt. Der Parasit kann auch im Menschen seinen Entwicklungszyklus komplettieren.

Verbreitung

Die Fasziolose ist eine weltweit verbreitete Zoonose. Humane Infektionen erfolgen in der Regel sporadisch oder als lokal begrenzte Epidemie. Insbesondere Länder mit entsprechenden Ernährungsgewohnheiten wie Verzehr von Brunnenkresse oder Bewässerung mit metazerkarienhaltigem Brauchwasser zeigen eine höhere Prävalenz. In Frankreich, Kuba, Peru, dem Nahen Osten und im Nildelta wird vermehrt über Infektionen berichtet. Einzelfälle sind aus Deutschland bei Naturkrautsammlern berichtet worden.

Infektionsstadien

Es lassen sich drei Stadien der Infektion abgrenzen.

Das akute Stadium tritt nach ca. 2 bis 6 Wochen bei massiven Metazerkarienbefall in Erscheinung. Es kommt zu Fieber, Schmerzen im rechten Oberbauch und Epigastrium, Übelkeit und Erbrechen. Es findet sich ein Anstieg der eosinophilen Granulozyten im Blut (Eosinophilie), erhöhte Leberenzyme und Cholestasezeichen. Es können rechts-basale eosinophile Lungeninfiltrate auftreten.

Das latente Stadium beginnt wenn die juvenilen Egel in das Gallengangssystem eingewandert sind und mit der Eiproduktion beginnen. Die Symptome sind wenig ausgeprägt, es finden sich Magen-Darm-Beschwerden und eine erhöhte Eosinophilenzahl. Ein nicht bekannter Prozentsatz der Infizierten bleibt ohne klinische Symptome. Diese Phase kann Monate oder Jahre dauern und geht in das chronische Stadium über. Die adulten Leberegel sorgen für Entzündungen und Hyperplasie der Gallengänge bis hin zu einer biliären Zirrhose. Im Verlauf einer bakteriellen Sekundärinfektion kann es zu Cholangitis und Cholezystitis kommen. Bei massivem Wurmbefall ist eine mechanische Gallengangsobstruktion möglich. Abgestorbene Leberegel dienen eventuell als Kristallisationskeim für Gallengangskonkremente.

Behandlung

Mittel der Wahl ist Triclabendazol, dass bei guter Wirksamkeit auch eine hohe Verträglichkeit aufweist. In Deutschland ist allerdings kein Präparat auf der Basis von Triclabendazol zugelassen.[1]

Bei Tieren wird ebenfalls Triclabendazol eingesetzt. Für essbare Gewebe besteht bei lebensmittelliefernden Tieren eine Wartezeit von 50 Tagen, Milch ist zu verwerfen. In der Tiermedizin sind in Deutschland ebenfalls zugelassen: Kombinationspräparate aus Ivermectin und Clorsulon, aus Ivermectin und Closantel sowie aus Closantel und Mebendazol.[2]

Praziquantel zeigt nur eine geringe Wirksamkeit.[3][4]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Rote Liste, Abfrage am 11. Oktober 2012
  2. vetidata, Abfrage am 11. Oktober 2012
  3. Schubert S, Phetsouvanh R: Praziquantel weitgehend unwirksam: Behandlung des Fasciola-hepatica-Befalles (großer Leberegel).. In: Z Arztl Fortbild (Jena). 84, Nr. 14, 1990, S. 705–7. PMID 2264356.
  4. Price TA, Tuazon CU, Simon GL: Fascioliasis: case reports and review.. In: Clin Infect Dis. 17, Nr. 3, 1993, S. 426–30. doi:10.1093/clinids/17.3.426. PMID 8218685.
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