Lauchgewächse

Lauchgewächse
links Gemüse-Lauch (Allium oleraceum) und rechts Gelber Lauch (Allium flavum) Illustration

links Gemüse-Lauch (Allium oleraceum) und rechts Gelber Lauch (Allium flavum) Illustration

Systematik
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Unterfamilie: Lauchgewächse
Wissenschaftlicher Name
Allioideae
Herb.
Bärlauch (Allium ursinum) zur Blütezeit

Die Unterfamilie der Lauchgewächse oder Zwiebelgewächse (Allioideae) gehört zur Pflanzenfamilie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) in der Ordnung der Spargelartigen (Asparagales) innerhalb der Monokotyledonen. Viele Arten werden als Zierpflanzen oder Nahrungspflanzen genutzt. Die medizinischen Wirkungen einiger Arten wurden untersucht.

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Es sind ausdauernde krautige Pflanzen. Alle Arten sind nicht immergrün, besitzen also nur Laubblätter während der günstigen Jahreszeit (Sommer oder Regenzeit). Oft bilden sie Zwiebeln mit Tunika, Knollen oder Rhizome als Überdauerungsorgane. Die Wurzeln sind oft kontraktil. Die meisten Arten besitzen den typischen Zwiebelgeruch.

Die Laubblätter sind wechselständig und spiralig oder zweizeilig, fast immer in einer grundständigen Rosette angeordnet. Die einfachen, ganzrandigen Laubblätter sind sehr unterschiedlich gestaltet. Nur selten ist ein Blattstiel ausgebildet (beispielsweise Allium ursinum, Allium victoralis).

Generative Merkmale

Es ist ein mehr oder weniger langer, unbeblätterter Blütenstandsschaft vorhanden. Die scheindoldigen Blütenstände sind aus gestauchten, zymösen Teilblütenständen zusammengesetzt und sind manchmal fast kugelrund. Der Blütenstand ist im knospigen Zustand von zwei oder mehr membranartigen Hochblättern schützend umhüllt. Es sind keine Deckblätter vorhanden.

Die zwittrigen, meist radiärsymmetrischen, bei Miersia, Gethyum und Solaria mehr oder weniger zygomorphen, Blüten sind dreizählig. Fast alle Arten besitzen zwei Kreise mit je drei Blütenhüllblättern, außer Gilliesia und Schickendantziella bei denen ein Kreis fehlt. Die Blütenhüllblätter sind gleichgestaltig und meist an ihrer Basis verwachsen. Es sind meist zwei Kreise mit je drei fertilen Staubblättern vorhanden. Bei Gilliesia, Gethyum, Miersia und Solaria sind die Staubfäden zu einer den Griffel umgebenden Röhre verwachsen. Wobei bei Gilliesia und Gethyum nur drei fertile Staubblätter vorhanden sind und die drei anderen zu kurzen Staminodien reduziert sind. Bei Trichlora und einigen Leucocoryne-Arten wechselt jeweils ein fertiles Staubblatt mit einem Staminodium ab. Die drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, dreifächerigen Fruchtknoten verwachsen. Je Fruchtknotenkammer sind meist einige, bei Allium nur ein bis zwei, Samenanlagen vorhanden. Es sind meist Septalnektarien im oberen Teil des Fruchtknotens vorhanden, außer bei Gilliesia und Gethyum. Bei allen Arten sind die Griffel nicht hohl im Gegensatz zu den Themidaceae. Die Bestäubung erfolgt meist durch Insekten (Entomophilie).

Es werden Kapselfrüchte gebildet.

Die 2 bis 20 µm langen Chromosomen sind je nach Tribus in einer Basiszahl von n = 4, 6, (7), 8, (9) vorhanden.

Inhaltsstoffe

Typisch, aber nicht bei allen Arten vorhanden, ist die Anreicherung von schwefelhaltigen Verbindungen, die nach Verletzung von Zellen durch Spaltung die Freisetzung der charakteristisch riechenden Lauchöle verursachen. Steroidsaponine sind häufig zu finden. Nur selten sind Idioblasten mit Schleim und Oxalatraphiden gefüllt. Es sind Flavonoide vorhanden.

Narzissen-Lauch (Allium narcissiflorum)
Blütenstand von Tulbaghia violacea
Blüte von Leucocoryne ixioides
Einblütiger Frühlingsstern (Ipheion uniflorum)
Nothoscordum bivalve

Systematik und Verbreitung

Diese Unterfamilie kommt weltweit in allen Klimazonen vor. In Australien und angrenzenden Gebieten findet man nur wenige Arten.

Die molekulargenetischen Untersuchungen in den letzten gut zehn Jahren haben dazu geführt, dass die Familiengrenzen innerhalb der Ordnung der Spargelartigen (Asparagales) sich stark verschoben haben [1]. Die Systematik dieser Unterfamilie, früher Familie, wurde lange diskutiert, dabei wurden Unterfamilien und Tribus aufgestellt und wieder verworfen, so wird man in der Literatur oft auf scheinbare Ungereimtheiten stoßen. Hier dargestellt ist die Systematik nach Mark W. Chase et al. 2009 [2]. Die Familie der Amaryllidaceae J.St.-Hil. wurde um die Taxa der ehemaligen Familien Agapanthaceae und Alliaceae erweitert. Die bisherigen Unterfamilien der bisherigen Alliaceae werden einen Rang niedriger gestuft und bilden die drei Tribus der Unterfamilie Allioideae Herb. s.l. Der Familienname Alliaceae wurde von Moritz Balthasar Borkhausen veröffentlicht. Typusgattung ist Allium L. Weitere Synonyme für Allioideae Herb. sind Cepaceae Salisb., Gilliesiaceae Lindl., Milulaceae Traub, Tulbaghiaceae Salisb. Früher wurden diese Taxa auch in die Familie der Liliengewächse (Liliaceae) eingeordnet.

Die Unterfamilie Lauchgewächse (Allioideae) wird in drei Tribus gegliedert und umfasst derzeit etwa 15 (früher bis 30) Gattungen [3] mit fast 800 Arten:

  • Tribus Allieae Dum.: Die Zwiebeln enthalten keine Stärke. Mit nur einer Gattung:
    • Lauch-Arten (Allium L.): (inklusive Caloscordum Herb., Milula Prain, Nectaroscordum Lindl.) Mit 260 bis 780 Arten in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel ist sie die artenreichste Gattung dieser Unterfamilie.
  • Tribus Tulbaghieae Endl. ex Meisn. (Syn.: Tulbaghioideae M.F.Fay & M.W.Chase, Tulbaghiaceae Salisbury): Meist mit Rhizomen. Mit nur einer Gattung:
    • Tulbaghia L.: Mit etwa 22 Arten in der Capensis.
  • Tribus Gilliesieae (Syn.: Gillesiaceae Lindl., Gilliesioideae Arnott, Ipheieae): Sie kommt nur in der Neotropis vor. Mit etwa dreizehn Gattungen und etwa 80 Arten [4]:
    • Ancrumia Harv. ex Baker (manchmal in Solaria eingegliedert): Mit der einzigen Art:
      • Ancrumia cuspidata Harv. ex Baker: Die Heimat ist Coquimbo in Chile.
    • Erinna Phil. (manchmal in Leucocoryne eingegliedert): Mit der einzigen Art:
      • Erinna gilliesioides Phil.: Die Heimat ist Zentralchile.
    • Gethyum Phil.: Mit etwa zwei Arten in südlichen Chile.
    • Gilliesia Lindl.: Mit etwa sechs Arten in Chile.
    • Sternblumen (Ipheion) Raf. (manchmal in Tristagma eingeordnet): Mit etwa drei Arten in Südamerika.
    • Leucocoryne Lindl. (inklusive: Beauverdia Herter, Erinna Phil., Latace Phil., Pabellonia Quezada & Martic. und Stemmatium Phil.): Mit etwa 20 bis 45 Arten in Chile.
    • Miersia Lindl.: Mit etwa sechs Arten in Chile.
    • Nothoscordum Kunth: Mit etwa 25 Arten in Südamerika.
    • Schickendantziella Speg.: Mit nur einer Art:
      • Schickendantziella trichosepala (Speg.) Speg.: Die Heimat ist das nordöstliches Argentinien.
    • Solaria Phil. (manchmal inklusive Ancrumia Harv. ex Baker): Mit etwa drei bis sechs Arten im südlichen Chile und südlichen Argentinien.
    • Speea Loes.: Mit nur zwei Arten in Chile.
    • Trichlora Baker: Mit nur zwei Arten in Peru.
    • Tristagma Poepp. (inklusive Garaventia Looser): Mit etwa 14 bis 30 Arten in Chile und Argentinien.

Viele Gattungen, die früher in dieser Unterfamilie eingeordnet waren gehören heute zur Familie der Themidaceae.

Quellen

  • Mark W. Chase, James L. Reveal & Michael F. Fay: A subfamilial classification for the expanded asparagalean families Amaryllidaceae, Asparagaceae and Xanthorrhoeaceae, in Botanical Journal of the Linnean Society, Volume 161, Issue 2, 2009, S. 132–136. (Abschnitt Systematik) eingesehen im Januar 2010
  • Die Familie Alliaceae bei der APWebsite. (Abschnitt Systematik und Beschreibung)
  • Die Familie Alliaceae bei DELTA. (Abschnitt Beschreibung)
  • Paula J. Rudall, Richard M. Bateman, Michael F. Fay & Alison Eastman: Floral anatomy and systematics of Alliaceae with particular reference to Gilliesia, a presumed insect mimic with strongly zygomorphic flowers, in American Journal of Botany, 89(12), 2002, S. 1867–1883: PDF-Online. oder Online. (Abschnitt Beschreibung)

Weiterführende Literatur

  • M. F. Fay & M. W. Chase: Resurrection of Themidaceae for the Brodiaea alliance, and recircumscription of Alliaceae, Amaryllidaceae and Agapanthoideae., in Taxon 45, 1996, S. 441–451.

Einzelnachweise

  1. Angiosperm Phylogeny Group: An update of the Angiosperm Phylogeny Group classification for the orders and families of flowering plants: APG III In: Botanical Journal of the Linnean Society, 161:2, 2009, S. 105–121
  2. Mark W. Chase, James L. Reveal & Michael F. Fay: A subfamilial classification for the expanded asparagalean families Amaryllidaceae, Asparagaceae and Xanthorrhoeaceae, in Botanical Journal of the Linnean Society, Volume 161, Issue 2, 2009, S. 132–136.
  3. Eintrag bei GRIN (Germplasm Resources Information Network).
  4. Michael F. Fay, Rudall & Mark W. Chase: Molecular studies of subfamily gilliesioideae (Alliaceae), in Aliso, Volume 22, 2006, S. 367–371.

Siehe auch

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