Tierstreuer

Der Gemeine Stechapfel gehört zu den Tierstreuern. Seine stacheligen Früchte öffnen sich und wirken wie eine Streubüchse.

Als Tierstreuer bezeichnet man Pflanzen, die einen spezifischen Mechanismus zur Ausbreitung ihrer Samen nutzen. Tierstreuung ist eine Sonderform der Zoochorie (Ausbreitung über Tiere). Ein der Tierstreuung ähnlicher Ausbreitungsmechanismus ist die Windstreuung. Beide Ausbreitungsmechanismen werden zusammen als Semachorie bezeichnet.

Nach der Blüte bilden sich die Früchte beziehungsweise die Fruchtstände, die die Samen enthalten. Die Öffnungsfrüchte trocknen mit dem Reifungsprozess aus (Xerochasie) und öffnen sich. Berühren Tiere die Stängel, an denen die geöffneten Früchte sitzen, bewegen sich die Stängel, so dass die meist kleinen und leichten Samen ausgestreut werden. Viele Pflanzen, die die Tierstreuung als Ausbreitungsmechanismen ihrer Samen nutzen, sind deshalb weit ausladend gebaut, so dass es leicht zu einer Berührung mit Tieren kommt.

Häufig tritt die Tierstreuung auch in Kombination mit Epichorie auf: Die Früchte dieser Pflanzen besitzen häufig eine stachelige oder hakige Oberfläche, so dass sie sich im Fell eines vorbeistreifenden Tieres verhaken können, wie bei Kletten, Nelkenwurz, Stechapfel und Bilsenkraut, bei denen die Früchte oder ganze Fruchtstände verschleppt werden, aber auch die Jungfer im Grünen, bei der nur die Samen wie aus einer Streubüchse über die Tiere gestreut und von diesen weitergetragen werden.

Von den Tierballisten unterscheiden sich die Tierstreuer dadurch, dass bei den Tierballisten die Früchte bzw. Samen durch die Einwirkung vorbeistreifender Tiere katapultartig fortgeschleudert werden, während sie bei den Tierstreuern nur aus der Frucht gestreut werden.

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

23.04.2021
Mikrobiologie | Biochemie
Neues aus der Erdgeschichte
Vor 2,43 Mrd.
21.04.2021
Klimawandel | Meeresbiologie
Wie Rifforganismen dem Klimawandel trotzen könnten
Eine neue Untersuchung tropischer Foraminiferen zeigt, wie diese kalkbildenden Einzeller auf Ozeanversauerung und -erwärmung reagieren.
19.04.2021
Neobiota
Ausbreitung zweier invasiver Arten: Waschbären und Marderhunde
Der aus Asien stammende Marderhund und der nordamerikanische Waschbär werden sich in Zukunft in Europa vermutlich noch weiter ausbreiten.
19.04.2021
Klimawandel | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Der Klimawandel macht es schwieriger, eine gute Tasse Kaffee zu bekommen
Äthiopien könnte in Zukunft weniger besonders hochwertigen Kaffee und mehr durchschnittliche, eher fade schmeckende Sorten erzeugen.
19.04.2021
Anthropologie | Entwicklungsbiologie
Evolution der menschlichen Geburtsprobleme
Im Gegensatz zu den meisten anderen Primaten sind menschliche Neugeborene im Vergleich zur Breite des mütterlichen Geburtskanals sehr groß, was zu einem hohen Risiko sowohl für das Baby als auch die Mutter werden kann.