Zoo Frankfurt

Zoo Frankfurt
Vollständiger Name: Zoo Frankfurt
Motto: Tiere erleben - Natur bewahren
Ort: Bernhard-Grzimek-Allee 1
60316 Frankfurt am Main
Fläche: 11 Hektar
Eröffnung: 1858
Tierarten: 450 Arten
Individuen: ca. 4500 Tiere
Organisation
Leitung: Manfred Niekisch
Trägerschaft: Stadt Frankfurt am Main
Förderorganisationen: Zoologische Gesellschaft Frankfurt
ZooFfmGesellschaftshaus.jpg

Zoologischer Garten Frankfurt, Haupteingang am Gesellschaftshaus

www.zoo-frankfurt.de
Zoo Frankfurt (Hessen)
Zoo Frankfurt
50.1155833333338.7031388888889Koordinaten: 50° 6′ 56,1″ N, 8° 42′ 11,3″ O
Modell des Zoos im Westend um 1860, ausgestellt im Vogelhaus
Der Zoo und seine Umgebung 1893, von der ehemaligen Pfingstweide ist bereits nichts mehr übrig.
Briefmarke der Deutschen Bundespost (1958): 100 Jahre Zoologischer Garten Frankfurt (Main)
Luftaufnahme, Haupteingang oben

Der Zoo Frankfurt (zeitweise auch Zoologischer Garten Frankfurt) wurde 1858 in Frankfurt am Main eröffnet und ist damit (nach dem Berliner Zoo) der zweitälteste Tierpark Deutschlands.

Lage

Der Zoo Frankfurt befindet sich am östlichen Rand der Innenstadt, in gerader Verlängerung der Haupteinkaufsstraße Zeil, Ecke Alfred-Brehm-Platz im Stadtteil Ostend. In der Bernhard-Grzimek-Allee (im Westen des Zoos) befinden sich das Gesellschaftshaus, der Haupteingang und der eigene U-Bahnhof Zoo. Dort ist der Zoo durch die U-Bahn-Linien U6 und U7 sowie die Straßenbahnlinie 14 an das öffentliche Nahverkehrsnetz angebunden.

Das Freigelände ist im Norden durch die Thüringer Straße begrenzt – im Osten durch die Waldschmidtstraße und Rhönstraße, an deren Kreuzung sich nahe dem Frankfurter Alleenrings ein zweiter Eingang befindet. Im Süden bilden die Straßen Am Tiergarten und Bernhard-Grzimek-Allee die Grenze.

Geschichte

Gründung

Der Frankfurter Zoo entstand auf Betreiben einer Bürgerinitiative. Dazu pachtete die Zoologische Gesellschaft Frankfurt zunächst den Leer'schen Garten im Westend, direkt an der Bockenheimer Landstraße und westlich der heutigen Straße Unterlindau gelegen. Als man schließlich die Genehmigung der örtlichen Polizeibehörde eingeholt hatte, mit der „das Halten wilder Tiere in geeigneten Behältern“ gestattet wurde, wurden am 8. August 1858 die ersten exotischen Tiere ausgestellt. Doch genehmigt wurden vorerst lediglich Pflanzenfresser.

Umzug

Sowohl die Innenstadtlage als auch Platzmangel bewogen die Gründergesellschaft, an die damals außerhalb der Stadt gelegene Pfingstweide zu ziehen, ein ehemaliges Exerziergelände, auf dem schon Napoleon I. 1813 die Truppenparade abnahm. Am 29. März 1874 war der Umzug und bereits 1875/76 wurde das Zoo-Gesellschaftshaus errichtet. In der Folgezeit wurden auch ein Raubtierhaus, das Affenhaus, das Antilopenhaus, die Bärenanlagen und ein großes Aquarium gebaut. 1915 übernahm schließlich die Stadt Frankfurt den Zoo, nachdem der Tierbestand wegen des Ersten Weltkrieges an mangelnder Pflege und Nahrungsknappheit einzugehen drohte.

Kriegszeit

In der Zeit des Nationalsozialismus entstanden neben Gartenanlagen auch das Elefantenhaus, die Robbenanlage und das Menschenaffenhaus. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Zoo im Frühjahr 1944 durch mehrere Volltreffer bei einem Luftangriff fast völlig zerstört. Viele Tiere starben oder liefen frei umher. Nahezu alle Gehege und auch das Gesellschaftshaus waren ausgebrannt. Alle Aquarien- und Terrarientiere, sämtliche Raubkatzen und ungefähr 90 Prozent aller anderen Tierarten waren tot. Nach dem Krieg wirkte der damalige Direktor Bernhard Grzimek darauf hin, dass der Zoo erhalten blieb. Die amerikanische Militärregierung und der von ihr benannte Magistrat hatten zunächst aus Kostengründen keinerlei Interesse am Aufbau des zerstörten Zoos. Doch Grzimek erwirkte nach mehrwöchigen Aufräumungsarbeiten eine Erlaubnis für die Wiedereröffnung. Allerdings durften seitens der zerstörten Stadt keine Finanzmittel dazu gegeben werden.

Als neue Einnahmequelle wurde auf dem Gelände des zerstörten Zoos ein ständiges Vergnügungszentrum mit Schaustellern aller Art, Karussells und Achterbahn eröffnet. Tanzveranstaltungen, Kinderfeste und Sommernachtsbälle, Modenschauen, Eisrevuen und Zirkusveranstaltungen brachten Geld in die leeren Kassen. Grzimek wurde von anderen deutschen Zoodirektoren dafür kritisiert, da diese Vorgehensweise eines Zoodirektors nicht würdig sei.

Zugleich wurde das Zoogelände in nordöstlicher Richtung um ein Trümmergelände bis an den Unteren Atzemer und die Waldschmidtstraße erweitert; durch die Erweiterung verschwand die alte Fasanenstraße.

Neubauten seit 1950

Die 1950 von Bernhard Grzimek wiedergegründete Zoologische Gesellschaft Frankfurt veranstaltete Tombolen und Spendenaktionen und stiftete die Einnahmen, die Millionenhöhe erreichten, dem Wiederaufbau. An Neubauten kamen ab den 1950er Jahren (zum Teil erstmals in Deutschland) hinzu:

  • 1953: Giraffenhaus;
  • 1957: Exotarium mit der ersten Polaranlage für Pinguine;
  • 1961: Vogelhaus mit großer Freiflughalle;
  • 1966: Menschenaffenhaus mit riesigen Glasscheiben und ohne Gitter;
  • 1970: Freianlage für Menschenaffen;
  • 1978: Grzimek-Haus für Kleinsäugetiere mit einer Nachtabteilung (auch Tag-Nachthaus genannt), ermöglicht das Beobachten nachtaktiver Tiere;
  • 2001: Katzendschungel Südasien, eine naturnahe Anlage für Löwe, Tiger, Fossas und Rostkatzen;
  • 2002: Robbenklippen: Zwei getrennte Becken für Seehunde und Zwergseebären; in einer angebauten Grotte können die Robben durch große Unterwasserfenster beobachtet werden;
  • 2004: Neue Zwergotter-Anlage;
  • 2007: Barrierefreier Streichelzoo;
  • 2008: „Borgori-Wald“ (Kunstwort aus Bonobo, Orang-Utan und Gorilla; das neue Menschenaffenhaus), Gibbon-Haus (am großen Weiher mit Verbindung auf eine Insel).

In den kommenden Jahren plant der Zoo, eine neue Bärenanlage, ein Pinguin-Haus und einen neuen Eingangsbereich zu errichten.

Außenzoo

In den 1970er Jahren war oft die Rede von einer Verlagerung des Zoos in Außenbezirke. Ein Anfang war 1974 gemacht, als man Büffel, Störche und Rotwild ins Niddatal verlegte. Auch ein Plan zum kompletten Umzug nach Niederursel war bereits fertig erarbeitet. Doch Umplanungen (unter anderem die Bundesgartenschau 1989; heute Niddapark) und die Erschließung neuer Wohngebiete (Niederurseler Hang; heute Frankfurt-Riedberg) versprachen profitabler zu sein und so wurde das Projekt fallen gelassen. Die Zoodirektion zog die Konsequenzen und konnte, da sie sich artgerechter Haltung verpflichtet sah, zahlreiche Tierarten nicht mehr beherbergen. So gibt es im Frankfurter Zoo seit Mitte der 1980er-Jahre keine Elefanten mehr. Der Plan für einen neuen Landschaftszoo am Niederurseler Hang wurde nach einigen Planungsvorarbeiten nicht weiterverfolgt, und auch die Überlegungen für eine Zoofiliale in unmittelbarer Nähe zur Autobahn A5, am so genannten Geiersberg, sind bisher nicht konkretisiert worden.

Pädagogische Arbeit

Ab 1960 wird eine wissenschaftlich und pädagogisch gebildete Referentin beschäftigt. Die erste Zoopädagogin ist Rosl Kirchshofer. In unregelmäßiger Folge erscheinen zudem Unterrichtsmaterialien, die dem Lehrer den Biologieunterricht vorbereiten helfen, und es können themenbezogene Führungen gebucht werden. Der ehemalige hessische Ministerpräsident Georg August Zinn bezeichnete seinerzeit den Frankfurter Zoo als „Die größte Schule Hessens“.

Direktoren

  • David Friedrich Weinland (Wiss. Direktor, 1858–1863)
  • Franz Leven (Leitend. Direktor, 1858–1859)
  • Max Schmidt (Leitend. Direktor, 1859–1863, Direktor 1864–1885)
  • Ludwig Wunderlich (Wiss. Direktor, 1885–1888)
  • Victor Goering (Leitend. Direktor, 1885–1913)
  • Wilhelm Haacke (Wiss. Direktor, 1888–1893)
  • Adalbert Seitz (Wiss. Direktor, 1893–1908)
  • Kurt Priemel (Wiss. Direktor, 1908–1913, Direktor 1913–1938)
  • Georg Steinbacher (1938–1945)
  • Bernhard Grzimek (1945–1974)
  • Richard Faust (1974–1993)
  • Christoph Scherpner (Geschäftsführender Direktor, 1993–1994)
  • Christian R. Schmidt (1994–2008)
  • Manfred Niekisch (seit 2008)

Wissenswertes

Zoo-Gesellschaftshaus 1878
(Fotografie: Carl Hertel)
  • Das Zoo-Gesellschaftshaus wurde 1875 / 76 von den Architekten Josef Durm, Adam Friedrich Kaysser und Otto Lindheimers erbaut. Dieser Repräsentationsbau des späten Klassizismus mit Renaissanceanklängen bildet zugleich den städtebaulichen Abschluss des gründerzeitlichen Straßenzuges Hauptbahnhof – Kaiserstraße – Hauptwache – Zeil und ist bis in die Gegenwart ein markantes Wahrzeichen des Frankfurter Ostends. Es beherbergt das Fritz Rémond Theater, ein Restaurant sowie mehrere Fest- und Tagungsräume.
  • Im Jahre 1940 wurde der Brunnen vor dem Zoo (errichtet 1894) als so genannte Metallspende des deutschen Volkes für Kriegszwecke eingeschmolzen.
  • 1972 taufte der damalige Oberbürgermeister von Frankfurt, Rudi Arndt, das 14. im Zoo geborene Flusspferd auf den Namen Dynamit. Er selbst trug – ob seiner Haltung zum Wiederaufbau der Alten Oper Frankfurt – den Beinamen Dynamit-Rudi.
  • Der Gorillamann Matze galt als der älteste züchtende Gorilla der Welt. Er kam 1969 in den Zoo und starb dort 2008 im geschätzten Alter von 51 Jahren. Matze zeugte zusammen mit seinen vier Frauen achtzehn Nachkommen.
  • Der Zoo Frankfurt ist Mitglied von BioFrankfurt, dem Netzwerk für Biodiversität.
  • Giraffe, Erdmännchen & Co., eine Dokusoap der ARD, wird im Frankfurter Zoo und im Opel-Zoo aufgezeichnet.

Impressionen

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Zoo Frankfurt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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