Froschlöffelgewächse



Froschlöffelgewächse

Gewöhnlicher Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica)

Systematik
Abteilung: Gefäßpflanzen (Tracheophyta)
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Ordnung: Froschlöffelartige (Alismatales)
Familie: Froschlöffelgewächse
Wissenschaftlicher Name
Alismataceae
Vent.

Die Froschlöffelgewächse (Alismataceae) sind eine Familie in der Ordnung der Froschlöffelartigen (Alismatales) innerhalb der Bedecktsamigen Pflanzen (Magnoliopsida).

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Die Vertreter der Froschlöffelgewächse sind selten einjährige oder meist ausdauernde krautige Sumpf- oder Wasserpflanzen. Sie bilden manchmal Rhizome mit Endodermis und manchmal Stolonen. Die Pflanzen enthalten Milchsaft. Pflanzenteile sind unbehaart oder mit einfachen, einzelligen bis sternförmigen Trichomen besetzt.

Die Stängel sind nicht chlorophyllhaltig, kurz, aufrecht und kormusartig. Sie verzweigen sympodial. Entlang der Stängel finden sich oft Reste der Gefäßbündel verwelkter Blattstiele. Oftmals werden Rhizome gebildet, die gelegentlich in Knollen enden. Die Wurzeln befinden sich an der Basis der Stängel oder an den unteren Knoten.

Die Laubblätter schwimmen auf dem Wasser oder stehen untergetaucht aufrecht. Sie sind grundständig, aufsitzend oder gestielt und stehen zweireihig, spiralartig zweireihig, spiralförmig oder oftmals auch in basalen Rosetten. Die Blattstiele besitzen einen drehrunden bis dreieckigen Querschnitt und weisen an der Basis eine Blattscheide ohne Öhrchen auf. Die Blattspreite ist linealisch, lanzettlich, eiförmig oder rhombisch und kann durchscheinende Punkte oder Linien aufweisen. Der Blattrand ist ganzrandig oder gewellt, die Spitze stumpf, spitz oder zugespitzt oder andersförmig abgeschnitten. Die Basis der Blattspreite ist entweder ohne Lappen spitz zulaufend oder mit abgeschnittenen Lappen versehen, pfeil- oder speerförmig. Die Aderung besteht aus parallelen Hauptadern und netzartigen Nebenadern.

Blütenstände und Blüten

Die über einem Blütenstandsschaft meist aufrecht stehenden oder selten auch schwimmenden Blütenstände sind traubig oder durch quirlförmige Verzweigung rispig, selten sind sie auch doldig. Sie enthalten quirlig angeordnete Tragblätter, die linealisch, ganzrandig und nach vorn stumpf bis spitz sind.

Blütendiagramm der Alismataceae am Beispiel von Echinodorus.

Die Blüten sind zwittrig oder eingeschlechtig, gelegentlich auch beides an einer Pflanze (Subdiözie). Wenn die Blüten eingeschlechtig sind dann können die Arten einhäusig (monözisch) oder zweihäusig (diözisch) getrenntgeschlechtig sein. Die Blütenstiele sind sehr kurz bis lang.

Die radiärsymmetrischen Blüten sind dreizählig mit doppelter Blütenhülle. Die drei grünen und haltbaren Kelchblätter umschließen Blüte und Frucht oder stehen ausgebreitet bis zurückgebogen. Die drei weißen bis rosafarbenen, oder manchmal gelblichen Kronblätter sind zart und werden früh abgeworfen. Die Nektarproduktion kann an der Basis der Kronblätter, an Staubblättern oder aus Staminodien erfolgen.

Es sind ein oder zwei Kreise mit jeweils drei oder mehr untereinander freien Staubblätter vorhanden, die zentrifugal oder zentripetal gebildet werden. Die äußeren Staubblätter können zu Staminodien reduziert sein. Die Staubfäden sind relativ lang. Die an der Basis fixierten oder freistehenden Staubbeutel sind nach außen gewendet und öffnen sich durch Längsschlitze. Die Pollenkörner sind meist pantoporat und stachelig. Es werden drei sechs bis viele freie oder an ihrer Basis verwachsene Fruchtblätter gebildet, die in einem Kreis, spiralig oder unregelmäßig angeordnet sind. Jedes Fruchtblatt enthält eine (selten zwei) anatrope, an der Basis befindliche Samenanlagen, nur in der Gattung Damasonium werden zwei bis mehrere Samenanlagen mit marginaler Plazentation gebildet. Der endständig oder seitlich stehende Griffel endet in einer linealischen Narbe.

Früchte und Samen

Die in Gruppen oder einem Kreis zusammenstehenden Früchte sind meist Nüsschen (Achänen), selten Steinfrüchte oder Balgfrüchte, die einen bis einige Samen enthalten. Die Fruchtschale besitzt oft Drüsenhaare. Die U-förmigen Samen besitzen einen hufeisenförmigen Embryo und, wenn sie ausgereift sind, kein Endosperm.

Chromosomen

Die Chromosomen sind 2,4 bis 14,4 µm lang. Als Chromosomengrundzahlen werden x = 5–13 angegeben, wovon 7, 8 und 11 am häufigsten vorkommen.[1]

Verbreitungskarte der Familie Alismataceae

Vorkommen

Die Familie der Alismataceae ist fast weltweit verbreitet, besonders aber auf der Nordhalbkugel, hauptsächlich in tropischen und subtropischen Gebieten. Die Arten gedeihen an nassen Standorten oder im Wasser.

Gewöhnlicher Igelschlauch
(Baldellia ranunculoides)
Froschkraut (Luronium natans)
Gewöhnliches Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia)

Systematik

Die Familie der Alismataceae wurde 1799 durch Étienne Pierre Ventenat in Tableau du Regne Vegetal, 2, S. 157 aufgestellt. Typusgattung ist Alisma L.. Die Gattungen der früher eigenständigen Familie Damasoniaceae Nakai und Wassermohngewächse (Limnocharitaceae Takht. ex Cronquist) werden jetzt entsprechend APG III [2] den Alismataceae zugeordnet.

Die Familie der Froschlöffelgewächse enthält 11 bis 16[3] Gattungen mit 81 bis 100 Arten:[4]

  • Albidella Pichon (manchmal in Echinodorus).
  • Froschlöffel (Alisma L.): Mit etwa elf Arten in Feuchtgebieten der gemäßigten bis subtropischen Zonen.
  • Astonia S.W.L.Jacobs: mit einer Art:
    • Astonia australiensis (Aston) S.W.L.Jacobs: Sie kommt in Queensland vor.
  • Igelschlauch (Baldellia Parl.): Mit nur zwei Arten, darunter:
    • Gewöhnlicher Igelschlauch (Baldellia ranunculoides (L.) Parl.)
  • Burnatia Micheli (Syn.: Rautanenia Buchenau): Mit nur einer Art:
    • Burnatia enneandra Micheli: Sie kommt im tropischen Afrika vor.
  • Butomopsis Kunth (Syn.: Tenagocharis Hochst.): mit der einzigen Art:
    • Butomopsis latifolia (D.Don) Kunth: Sie kommt in tropischen Gebieten Nordafrikas, Asiens und im nördlichen Australien vor.
  • Herzlöffel (Caldesia Parl.): Mit etwa drei bis vier Arten in Afrika, Asien, Australien und Europa, darunter:
    • Gewöhnlicher Herzlöffel (Caldesia parnassiifolia (Bassi) Parl.)
  • Damasonium Mill. (Syn.: Actinocarpus R.Br., inklusive Machaerocarpus Small): Mit etwa fünf Arten in Nordamerika, Europa und Australien, darunter:
    • Damasonium alisma Mill.
    • Damasonium bourgaei Coss.
  • Schwertpflanzen (Echinodorus Rich. ex Engelm.), auch Igelschlauch genannt: Mit etwa 26 [5] (bis über 60 Arten) in der westlichen Hemisphäre.
  • Helanthium (Engelm. ex Benth. & Hook.f.) J.G.Sm.: Mit drei Arten in Amerika.
  • Wassermohn (Hydrocleys Rich., Syn.: Ostenia Buchenau): Mit etwa fünf Arten von Mexiko über Mittel- bis Südamerika.
  • Limnocharis Bonpl.: mit etwa zwei Arten:
    • Sumpflieb (Limnocharis flava (L.) Buchenau, Syn.: Alisma flavum L., Limnocharis emarginata Humb. & Bonpl.): Die ursprüngliche Heimat ist Südamerika. Sie ist in vielen Gebieten der Welt, besonders in Asien, ein Neophyt.
    • Limnocharis laforestii Duchass. ex Griseb.: Sie ist weit verbreitet in der Neotropis.
  • Limnophyton Miq.: Mit etwa drei Arten im tropischen Afrika und Asien.
  • Froschkraut (Luronium Raf.): Mit der einzigen Art:
    • Froschkraut (Luronium natans (L.) Raf.): Sie kommt nur in West- und Mitteleuropa vor.
  • Ranalisma Stapf: Mit nur etwa zwei Arten hauptsächlich in Asien, aber auch in tropischen und subtropischen Gebieten Afrikas.
  • Pfeilkraut (Sagittaria L., Syn.: Diphorea Raf., Drepachenia Raf., Lophiocarpus (Kunth) Miq. nom. illeg., Lophotocarpus T.Durand, Michelia T.Durand nom. inval., Hydrolirion H.Lév.): Mit 20 bis 30 Arten in tropischen und subtropischen Gebieten weltweit.
  • Wiesneria Micheli: Mit etwa drei Arten im tropischen Afrika bis Botswana, in Madagaskar und südlichen Indien.

Quellen

  • Die Familie der Alismataceae bei der APWebsite. (Abschnitt Systematik und Beschreibung)
  • Wang Qingfeng, Robert R. Haynes, C. Barre Hellquist: Alismataceae. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 23: Acoraceae through Cyperaceae. Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 2010, ISBN 978-1-930723-99-3, S. 84., PDF-Datei, online. (Abschnitt Systematik und Beschreibung)
  • Samuli Lehtonen: Systematics of the Alismataceae — a morphological evaluation. In: Aquatic Botany, Band 91, Nr. 4, 2009, S. 279–290, DOI:10.1016/j.aquabot.2009.08.002.
  • David John Mabberley: The Plant Book. A portable dictionary of the higher plants. Cambridge University Press, Cambridge u.a. 1987, ISBN 0-521-34060-8.
  • Robert R. Haynes, C. Barre Hellquist: Alismataceae. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 22: Magnoliophyta: Alismatidae, Arecidae, Commelinidae (in part), and Zingiberidae. Oxford University Press, New York u.a. 2000, ISBN 0-19-513729-9, S. 84 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)., online. (Abschnitt Systematik)
  • Beschreibung der Familien der Alismataceae und Limnocharitaceae bei DELTA von L. Watson & M. J. Dallwitz. (Abschnitt Beschreibung)

Einzelnachweise

  1. R. R. Haynes, D. H. Les, L. B. Holm-Nielsen: Alismataceae. In: Klaus Kubitzki (Hrsg.): The Families and Genera of Vascular Plants. Volume 4: Flowering Plants, Monocotyledons, Alismatanae and Commelinanae (except Gramineae). Springer, Berlin/Heidelberg/New York 1998, ISBN 3-540-64061-4, S. 11–19 (hier: S. 14; Familie im alten Umfang).
  2. Angiosperm Phylogeny Group: An update of the Angiosperm Phylogeny Group classification for the orders and families of flowering plants: APG III. In: Botanical Journal of the Linnean Society. Band 161, Nr. 2, 2009, S. 105–121, DOI: 10.1111/j.1095-8339.2009.00996.x.
  3. Eintrag bei GRIN.
  4. Taxon in Suchmaske bei World Checklist of Selected Plant Families von Kew eingeben. letzter Zugriff am 1. Februar 2013
  5. Ligia Queiroz Matias, Geraldo Soares: Morphology and micromorphology of the seed coats of species of Echinodorus (Alismataceae) from Brazilian Northeastern. In: Boletim do Museu Paraense Emílio Goeldi, Belém. Ciências naturais. Band 4, Nr. 2, 2009, S. 165–173, (PDF-Datei).

Ergänzende Literatur

  • Elfrune Wendelberger: Pflanzen der Feuchtgebiete. Gewässer, Moore, Auen. Büchergilde Gutenberg, München 1986, ISBN 3-7632-3265-6 (bzw. BLV-Verlag, ISBN 3-405-12967-2).

Weblinks

Commons: Froschlöffelgewächse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien