Analgetische Potenz


Die analgetische Potenz ist ein Maß für die Wirksamkeit der schmerzstillenden Wirkung eines Stoffes, meist eines Medikaments, vornehmlich Opioide. Als Basis dient Morphin, welches den Referenzwert „1“ bekommt.

Zur Verdeutlichung ein Beispiel mit Tramadol: Die analgetische Potenz ist 0,1. Damit benötigt man die 10-fache Menge des Wirkstoffes, um die gleiche schmerzstillende Wirkung zu erzielen. Bei gleichen Wirkstoffmengen ist die schmerzstillende Wirkung nur ein Zehntel gegenüber der von Morphin.

Übersicht

Name analgetische Potenz BTM Bemerkung
Ohmefentanyl 6300 ? Bislang noch keine Anwendung in der Medizin; Abwandlungen dieser Substanz erreichen analgetische Potenzen von 18.000 bis 30.000.
Carfentanyl[1] 5000 - 7500 X[2] Humanmedizinisch nicht zugelassen, wird verwendet zum Betäuben großer Wildtiere
3-Methylfentanyl 3000 ?
Etorphin 1000 - 3000 X
Sufentanil ca. 1000 Stärkstes humanmedizinisches Analgetikum
Ziconotid ca. 1000 Polypeptid, abgeleitet vom Gift der Kegelschnecke Conus magus, sehr selten verwendet
Epibatidin ca. 200 keine med. Anwendung da zu toxisch
Remifentanil 100-200 X
Fentanyl 120 X Zur Neuroleptanalgesie geeignet
Alfentanil 30-40 X
Buprenorphin 30-40 X
Hydromorphon 7,5 X
Levomethadon 4 X Kumulation und starke Halbwertszeiterhöhung bei täglicher Verabreichung
Heroin (Diacetylmorphin) 2,5 X nur unter bestimmten Bedingungen verkehrsfähig und verschreibungsfähig
rac-Methadon 2 X Kumulation und starke Halbwertszeiterhöhung bei täglicher Verabreichung
Oxycodon[3] 2 X
Morphin 1 X Referenzsubstanz der Opioide
Piritramid 0,7 X
Nalbuphin 0,5-0,7
Tapentadol 0,3-0,5 X
Pentazocin 0,3 X
Flupirtin[4] 0,2 - 1 besitzt analgetische und muskelrelexierende Eigenschaften, ist aber kein „klassisches Analgetikum“
Hydrocodon 0,15[5] bzw. 0,59[6] X

Analgetische Wirkung entsteht möglicherweise nicht nur durch Hydrocodon selbst, sondern auch durch dessen durch O-Demethylierung gebildeten Metaboliten Dihydromorphin.[5]

Dihydrocodein 0,2 (konzentrationsabhängig)
Tilidin 0,1-0,2 nur Monopräparat Kombinationspräparate mit Naloxon Rezeptpflichtig.
Codein 0,1 (konzentrationsabhängig) in vielen Husten-Präparaten enthalten
Meptazinol 0,1
Pethidin 0,1 X
Tramadol 0,1
Naloxon 0,01 Verwendung in der Notfallmedizin (Opiat-Überdosierung) sowie Diagnose von Opiatabhängigkeiten
Naltrexon 0,01
Loperamid 0,01 Mittel gegen Durchfälle. Wirkt nur an Opioid-Rezeptoren ausserhalb des Zentralnervensystems.
Apomorphin 0,01 an Dopamin-Rezeptoren der Area postrema

BTM = Medikament unterliegt der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV)

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. De Vos V., Immobilisation of free-ranging wild animals using a new drug, Vet Rec. 1978 July 22;103(4):64-8
  2. Juris.de: BtMG Anlage I (zu § 1 Abs. 1) nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel
  3. JournalMed.de (Anmeldung erforderlich)
  4. Forth, Henschler, Rummel, Förstermann, Starke: allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 8. Auflage (2001), Urban & Fischer, München, ISBN 3-437-42520-X, Seite 252
  5. 5,0 5,1 Fachinformation Hydrocodon Streuli 5 mg/10 mg, Stand September 2012.
  6. P.D. Mellar: Hydrocodone. In: Opioids in Cancer Pain, P.D. Mellar et. al., Oxford University Press 2009, S. 89 ff. Hier online einsehbar.