Prähistorische Katzen und Katzenähnliche

Furchterregende Säbelzahnkatzen (Machairodontinae) kennt man durch Filme wie „Am Anfang war das Feuer”, „10.000 B.C.” oder „Ice Age”, doch kaum eine Handvoll dieser Katzen erreichte ein Gewicht von mehr als 100 kg. Nur vier oder fünf Arten waren deutlich schwerer. So erreichten nur wenige Arten die Schulterhöhe eines modernen Leoparden (Panthera pardus) oder Jaguars (Panthera onca). Die größeren Exemplare unter den ausgestorbenen Formen aber waren kompakte, muskulöse Raubtiere - moderne Großkatzen (Pantherinae) sind da im Vergleich verhältnismäßig langbeinig und schlank.

Katzenähnliche

Für viele prähistorische Arten trifft die Bezeichnung Katze oder Säbelzahnkatze gar nicht zu, denn sie waren sogenannte „katzenähnliche” Tiere. Südamerika und Australien waren z.B. Inselkontinente, auf denen es keine plazentaren Säugetiere gab. Klammert man mal den Menschen und die von ihm eingführten Tiere aus, so ist das in Australien noch heute so. Die Tierarten auf diesen Kontinenten, die vergleichbare ökologische Nischen wie andernorts Löwen (Panthera leo) oder Tiger (Panthera tigris) besetzten, waren räuberisch lebende Beutelsäuger, verwandt mit Kängurus, Wombats und anderen. Die Forscher nennen sie „Katzenähnliche“, da sie den echten Katzen verblüffend ähnelten.

Paläofeliden

Eine andere Linie prähistorischer Katzen waren die Paläofeliden („altertümliche Katzen” oder „Urkatzen”), die sich parallel zu den echten Katzen entwickelten und mit ihnen einen gemeinsamen Vorfahren haben. Die Paläofeliden sind ohne Nachkommen ausgestorben.

Schließlich es gibt die prähistorischen Katzen (Felidae), enge Verwandte der modernen Katzen, die heute ebenfalls ausgestorben sind.

Konvergente Evolution

Man fragt sich, warum die Evolution Geschöpfe hervorbrachte, die den Katzen sehr ähnlich, aber mit ihnen nicht verwandt waren? In der Biologie nennt man diesen Vorgang konvergente Evolution. Darunter versteht man die Entwicklung von ähnlichen Merkmalen bei miteinander nicht verwandten Arten, die im Lauf der Evolution durch Anpassung an eine ähnliche Funktion und ähnliche Umweltbedingungen ausgebildet wurden. Daraus folgt, dass sich bei verschiedenen Lebewesen die körperlichen Merkmale direkt auf ihre Funktion für den Organismus zurückführen lassen und nicht unbedingt Rückschlüsse auf eine nahe Verwandtschaft liefern. Merkmale, die aufgrund von Konvergenzen entstehen, werden als konvergente Merkmale oder Homoplasien bezeichnet.

Katzenähnliche Tiere haben sich mindestens dreimal entwickelt: Beutellöwen oder -tiger (Thylacoleonidae), Paläofeliden und Neofeliden. Säbelzahnkatzenähnliche Arten haben sich viermal separat in der Evolutionsgeschichte entwickelt: Nimraviden, Feliden, Creodonta und die Thylacosmiliden.

Die Taxonomie (Klassifikation) der lebenden und ausgestorbenen Spezies ändert sich häufig und je mehr fossile Belege ausgegraben werden, desto öfter müssen die Arten reklassifiziert, also neu eingeordnet werden. Einige müssen in eine eigene Spezies oder Gattung gestellt werden, während andere einer bereits vorhandenen Spezies zugeordnet werden müssen, oder ihre ursprüngliche Klassifikation wird komplett ausrangiert.


Mauricio Anton, Alan Turner & F. Clark Howell. The Big Cats and Their Fossil Relatives: An Illustrated Guide to Their Evolution and Natural History. Columbia Univ Pr; Auflage: New Ed (3. Mai 2000)

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